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US-Cloud-Anbieter in Deutschland Die deutsche Cloud wird Realität – mit US-Hilfe

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Microsoft will nicht mitziehen

Völlig von der Hand zu weisen sind derartige Unkenrufe offenbar nicht. Anders lässt sich die Schar von US-Anbietern nicht erklären, die aktuell nach Deutschland drängt, um hierzulande eigene Cloud-Rechenzentren zu eröffnen.

Vorgeprescht ist ausgerechnet Cloud-Primus Salesforce, der noch im vergangenen Jahr von Problemen in Deutschland nichts wissen wollte. Die räumen die Amerikaner zwar bis heute nicht ein. Dennoch hat der Anbieter von webbasierten Systemen zum Management von Kundenbeziehungen im Juli eine weitreichende Partnerschaft mit der Deutschen Telekom verkündet. Demnach wird die Telekom-Tochter T-Systems der Provider des ersten deutschen Rechenzentrums von Salesforce. Der Betrieb soll Anfang 2015 starten. „Wir sehen für unsere Kunden in Deutschland Erfolg versprechende Möglichkeiten in der Cloud“, sagt Salesforce-Chef Marc Benioff. „Deshalb tätigen wir lokale Investitionen, um den Erfolg zu beschleunigen.“

Top 10 der Softwareunternehmen nach Umsatz 2013

Für Marktbeobachter ist dies ein Schritt, um vermeintliche Bedenken als reiner US-Anbieter zu zerstreuen. „Salesforce muss näher an den Kunden herankommen, wenn der Kunde nicht von allein kommt“, sagt Analyst Büst von Crisp Research. Die Pläne von Salesforce zeigten, dass der Druck vonseiten der Kunden enorm sein müsse und Deutschland als Markt attraktiver sei als vermutet: „Der Standortvorteil eines Rechenzentrums in Deutschland ist nicht zu vernachlässigen, um deutschen Unternehmen ihre Bedenken zu nehmen.“

Zu dieser Erkenntnis haben sich inzwischen auch die wichtigsten Salesforce-Konkurrenten durchgerungen. Der amerikanische SAP-Rivale Oracle will in Frankfurt und München gleich zwei neue Rechenzentren in Deutschland eröffnen. Beide sollen noch vor Jahresende in Betrieb gehen und die diversen Cloud-Lösungen der Amerikaner anbieten. „In Deutschland ist Datensicherheit ein besonders sensibles Thema. Die Ankündigung ist ein Zeichen dafür, dass Oracle als US-Unternehmen dem deutschen Markt verbunden bleibt“, sagt Deutschland-Chef Jürgen Kunz.

Microsoft bedient Europa von Dublin und Amsterdam aus

Die deutschen Rechenzentren sollen zudem als Blaupause dienen, nach deren Vorbild Oracle schnell in neue Märkte rund um den Globus expandieren will.

Einen Turbo hat jüngst der amerikanische E-Commerce- und Cloud-Vorreiter Amazon gezündet: Im Gegensatz zur Konkurrenz hat Vorstandschef Jeff Bezos seine Leute im Verborgenen an einem nationalen Angebot tüfteln lassen. Ende Oktober meldete der Cloud-Ableger Amazon Web Services Vollzug und nahm sein erstes Rechenzentrum in Frankfurt in Betrieb – noch vor der Konkurrenz. „In Deutschland kommt dem Datenschutz eine große Bedeutung zu“, so Amazon bei der Eröffnung. „Daher wünschen sich unsere Kunden die Möglichkeit, personenbezogene Daten sicher innerhalb des Landes zu speichern.“

Konkrete Big-Data-Beispiele

Die Strategie von Amazon, Salesforce und Oracle hat den Druck auf Anbieter erhöht, die eine eigene Cloud-Infrastruktur zwischen Rhein und Elbe bisher verweigert haben. Bestes Beispiel ist Microsoft: Der weltgrößte Softwarekonzern bedient den europäischen Markt mit Cloud-Produkten wie der Bürosoftware Office 365 bisher von Dublin und Amsterdam aus.

Billiges Marketing?

Das könnte sich ändern. „Bei unseren Großkunden erfreuen sich die klassischen Microsoft-Produkte, die in unseren Rechenzentren in Irland oder den Niederlanden betrieben werden, eines immer größeren Zuspruchs. Aber für den deutschen Mittelstand ist das offensichtlich noch nicht gut genug“, räumte Microsoft-Deutschland-Chef Christian Illek Mitte September ein. Der Aufbau einer deutschen Cloud sei zwar noch nicht beschlossen, „aber wir prüfen das derzeit“, so Illek.

In Arbeit
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Allerdings sieht nicht jeder Branchenkenner die Vorstöße der Amerikaner positiv: „Das ist billiges Marketing und dient einzig dazu, den Kunden zu beruhigen“, schimpft Axel Oppermann, Chef der Beratung Avispador mit Sitz in Kassel. Der rechtliche Rahmen verändere sich durch hiesige Infrastruktur nicht, so Oppermann: „Nur weil ein Rechenzentrum in Deutschland betrieben wird, bedeutet das nicht automatisch, dass die Kundendaten den europäischen Wirtschaftsraum nicht verlassen.“ Grund: Zumindest auf gerichtliche Anordnung könnten auch Betreiber in Deutschland zur Herausgabe von Daten an US-Behörden gezwungen werden.

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