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Borgen statt Besitzen

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Software, Videos, Designerkleidung oder Autos – Online-Verleihdienste sind bei den Nutzern beliebt und wecken nun auch das Interesse der Investoren.

Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp? Quelle: Gabor Ekecs für WirtschaftsWoche

Sich etwas zu leihen, statt es zu kaufen, ist ein seit Jahrhunderten erprobtes Geschäft. Autoverleiher setzen jährlich Milliarden um, Bibliotheken garantieren jedermann Zugang zu Wissen. Trotzdem geben das Internet und die mit ihm gewachsene Infrastruktur für E-Commerce dem Konzept eine ungekannte Dynamik.

Denn nie war es einfacher und preiswerter, die gewünschten Objekte potenziellen Interessenten via Web zu präsentieren und via Facebook, Google, Craigslist oder Twitter zu bewerben, sich als Mieter per Smartphone zu identifizieren oder als Vermieter die Leih- und Sicherheitsgebühr über Bezahldienste wie Paypal oder Square entgegenzunehmen.

Fast alles wird heute übers Netz vermietet. Von Software – auch Cloud Computing genannt – über Videos und Musik, Designer-Handtaschen, Haustiere, Kinderspielzeug, Fachbücher bis hin zu Autos oder Kleidung. Nicht mehr der Besitz entscheidet, sondern der gesicherte Zugang zu dem Produkt oder der Dienstleistung.

Die Immobilienkrise in den USA hat viele Konsumenten zum Sparen genötigt. Andere sind einfach nur vom Besitz eines Gegenstands genervt. Wie Autobesitzer in San Francisco, wo ein Garagenstellplatz mindestens 300 Dollar im Monat kostet und längeres Parken auf der Straße durch alle möglichen Auflagen erschwert wird.

Bei den Bewohnern der Pazifik-Metropole ist deshalb der Mietservice Zipcar sehr beliebt, der gegen eine monatliche plus eine stündliche Gebühr Autos verleiht. Das kürzlich an die Börse gegangene Zipcar ist noch in der Dotcom-Economy entstanden, die Firma gibt es seit immerhin elf Jahren. Allerdings hat Zipcar noch nie Profite erzielt, auch weil viel Geld für Kauf und Unterhalt der Fahrzeuge draufgeht. Zudem greifen traditionelle Mietwagenfirmen wie Hertz und Alamo mit Sonderangeboten an.

Einen Schritt weiter geht Relayrides. Der Autovermieter aus San Francisco muss sich über den Kostenblock Autos keine Gedanken machen. Er besitzt keine Mietwagen. Stattdessen führt das Startup Autobesitzer, die ihre Wagen über die Web-Seite des Unternehmens für Stundengebühren von 8 bis 15 Dollar vermieten wollen, und Interessenten zusammen.

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