Valley Talk

Der neue Mix aus Online- und stationärem Handel

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Allein in den kommenden vier Jahren wächst der Online-Handel stärker als in den zwei Jahrzehnten davor. Welche Folgen das haben wird, deutet sich heute schon an.

Die zehn beliebtesten Produkte bei Amazon
Platz 10:Das "Samsung Star S5230" belegt den zehnten Platz im Ranking der meistgekauften Produkte auf Amazon. Das Handy hat einen 3,0-Zoll-Touchscreen mit "VibeTonz" Funktion (Vibrationsfunktion beim Berühren des Screens). Zusätzlich ist das Handy mit einer 3,2 Megapixel Kamera, MicroSD-Steckplatz, virtuelle QWERTZ- und 3x4 Tastatur, innovativer Bedienbarkeit dank Widgets, MP3-Player und UKW-Radio mit RDS-Funktion ausgestattet. Amazon-Preis: ab 80,99 Euro Quelle: PR
Platz 9:Der Lebensfreude Kalender hilft Lesern alle zehn Tage mit Tipps, die aufbauen und dazu anregen sollen, sein eigenes Leben und das seiner Mitmenschen positiver zu gestalten. 2013 wurden bereits 170.000 Exemplare verkauft, viele davon über den online-Händler Amazon. Amazon-Preis: 6,95 Euro Quelle: PR
Platz 8:Ein Netzteil schafft es auf den achten Platz. Das Amazon "PowerFast" ist ein Ladegerät für den Kindle-Tablet-PC. Das Kindle Fire HD 8.9 kann mit dem Netzteil in unter fünf Stunden, das Kindle Fire HD 7, das Kindle Fire und der eReader innerhalb von vier Stunden, aufgeladen werden. Amazon Preis: 14,99 Euro Quelle: PR
Platz 7: Die "SanDisk SDHC"-Speicherkarte mit 4 GB ist ideal als Speicherplatz für Bilder und Videos von Standard-Digitalkameras geeignet. Kompatibel ist die SanDisk Speicherkarte mit Kameras, Notebooks, Tablets und anderen Geräten. Amazon Preis: 7,50 Euro Quelle: PR
Platz 6:Speicherkarten sind beliebte Produkte auf Amazon. Die "Transcend Extreme-Speed SDHC 16 GB Class 10" sichert sich den fünften Platz der meist verkauften Produkte auf Amazon. Die 16 GB Speicherkapazität bietet Platz für über 3.200 hochauflösende Megapixel-Fotos. Amazon Preis: 11,08 Euro Quelle: PR
Platz 5:Das "Kindle Paperwhite" von Amazon belegt den fünften Platz. Mit dem "Kindle Paperwhite" lassen sich elektronische Bücher, Zeitschriften und Zeitungen lesen. Leserunfreundliche Spiegeleffekte bei hellem Sonnenlicht sind von gestern. Nach Angaben von Amazon kann auf dem Gerät 30% leichter gelesen werden als auf einem Apple Ipad und der Akku des Paperwhite soll wochenlang halten. Amazon Preis: 129,00 EuroLesen Sie " Praxistest - Wie gut ist der neue Kindle Paperwhite?" Quelle: REUTERS
Platz 4:Auch die Speicherkarte "Transcend Extreme-Speed SDHC 8 GB Class 10" ist bei Amazon sehr begehrt. Sie gilt als beliebteste Speicherkarte, die in den letzten 15 Jahren auf Amazon verkauft wurde. Auf ihr lassen sich 1.600 hochauflösende 10 Megapixel-Fotos abspeichern. Amazon Preis: 9,11 Euro Quelle: PR

Seit Amazon-Gründer Jeff Bezos 1995 sein erstes Buch online verschickte und dann sein Sortiment drastisch ausweitete, gilt der schleichende Tod des stationären Handels als absehbar. Knapp zwei Jahrzehnte später haben die Brick & Mortar-Stores, Läden aus Stein und Mörtel, tatsächlich Federn gelassen. Vor allem Buchhändler und Unterhaltungselektroniker hat es schwer getroffen. Mit Barnes & Noble gibt es nur noch eine Buchhandelskette in den USA. Konkurrent Borders ging 2011 pleite.

In der Summe aber ist der stationäre Handel immer noch dominant. Vergangenes Jahr machten Online-Verkäufe in den USA laut Erhebungen des US-Wirtschaftsministeriums gerade mal 5,2 Prozent am gesamten Einzelhandel aus. Wegen der Größe des Landes summiert sich das laut den Beratern von A.T. Kearney auf beeindruckende 177 Milliarden Dollar – was die USA zum größten Online-Handelsmarkt der Welt macht. Für Deutschland kalkuliert A.T. Kearney rund 27 Milliarden Dollar.

Viele Analysten halten die Schätzung des Wirtschaftsministeriums für zu konservativ. Weil sich nicht mehr streng zwischen online und stationärem Geschäft unterscheiden lässt, liegt der Internet-Anteil wohl höher. „Für uns gibt es nur noch Handel“, sagt Ebay-Chef John Donahoe. Viele Händler offerieren mittlerweile als Multi-Channel-Anbieter Waren sowohl in Läden als auch online. Und fast alle großen Ketten bieten für Online-Bestellungen Abholung und Rückgabe der Waren im örtlichen Geschäft.

Und sogar Unternehmen, die ursprünglich keine regulären Läden hatten, sind unter die stationären Händler gegangen. Das erfolgreichste Beispiel sind die Apple Stores, von denen es mittlerweile mehr als 400 weltweit gibt. Dabei hatten viele Analysten Firmengründer Steve Jobs wegen der Konkurrenz aus dem Internet als kurzsichtig kritisiert, als er 2001 das eigene Vertriebsnetz etablierte. Später aber zogen Microsoft und Sony mit eigenen Shops nach.

Selbst Google testet im diesjährigen Weihnachtsgeschäft in sechs US-Großstädten sogenannte Winter Wonderlabs. Das sind Geschäfte, in denen der Internet-Konzern seine Tablets, Smartphones und Notebooks präsentiert. Einen anderen Weg geht das einstige Online-Auktionshaus Ebay. Es stellt sich als Dienstleister für den Einzelhandel auf. Nach einem Feldversuch in New York testet Ebay nun bis Mitte Januar mit Sony, dem Schuhhändler Toms und der Modedesignerin Rebecca Minkoff in einem Einkaufszentrum in San Franciscos Innenstadt digitale Schaufenster.

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Das sind überdimensionierte Touchscreens, die Waren der Partner anzeigen und dank derer Passanten direkt vorm Schaufenster Produkte ordern und diese anschließend im Laden abholen oder nach Hause liefern lassen können. Wie praktikabel dieser Schaufensterbummel ist, muss sich erst noch erweisen. Schließlich können einem – im Gegensatz zum Ordern über Notebook oder Tablet – andere Passanten über die Schulter schauen. Aber Händler könnten so zumindest Standorte für spätere Ladengeschäfte ausprobieren.

Klar aber ist: Der Einfluss des Internets ist weit größer, als die reinen Verkaufszahlen aussagen. Es prägt längst das Kaufverhalten, vor allem durch Produkt- und Preisvergleiche. Laut Forrester-Research-Analystin Sucharita Mulpuru werden bis 2017 rund 60 Prozent aller Verkäufe im US-Handel durchs Internet beeinflusst sein. Wegen des Booms der Smartphones, Tablets und etablierten Zahlungs- und Auslieferungssysteme sagt sie voraus, dass sich in diesem Zeitraum auch der reine Online-Handel auf 10,3 Prozent in etwa verdoppeln wird.

Mit anderen Worten: Online-Handel legt in den nächsten vier Jahren so stark zu wie in den 18 Jahren davor. Und die Vermischung von digitalem und traditionellem Handel wird noch stärker werden.

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