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Valley Talk

Deutschland hat ein BWLer-Problem

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Im Silicon Valley dominieren Ingenieure und Programmierer die Startup-Szene. In Deutschland sind es die Betriebswirte. Das muss sich ändern.

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Alte Internetstars und junge Wilde an der Börse
Path Quelle: Screenshot
Square Quelle: Screenshot
airbnb Quelle: Screenshot
Pinterest Quelle: Screenshot
Dropbox Quelle: Screenshot
Zynga Quelle: dpa
twitter Quelle: dpa

Was ist der Unterschied zwischen deutschen Startups und ihren Pendants im Silicon Valley? Bekannt ist, dass Unternehmen im High-Tech-Eldorado mit vergleichbaren Angeboten oft zehn Mal höher bewertet werden als ihre deutschen Pendants. Das liegt auch daran, dass es in den USA leichter ist, junge Firmen zu gestandenen Unternehmen auszubauen, zu verkaufen oder an die Börse zu bringen.

Doch es gibt noch einen weiteren Unterschied, den Xing-Gründer Lars Hinrichs jüngst auf der Technologiekonferenz Noah in San Francisco ansprach: Fast alle erfolgreichen Internet-Startups im Silicon Valley wurden von Unternehmern mit technischem Hintergrund gestartet: Google, Ebay, Netscape oder Facebook sind nur die prominentesten Beispiele.

In Deutschlands Internet-Szene jedoch, sagte Hinrichs, „dominieren Betriebswirte“. Und diese kopieren oft inbrünstig das Geschäftsmodell von bereits erfolgreichen Startups, ohne ähnlich viel Leidenschaft in das Perfektionieren des Produkts zu legen oder ganz neue Lösungen zu ersinnen.

Die Leidenschaft fehlt

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    Silicon-Valley-Wagnisfinanzierer fahnden daher gezielt nach Gründern mit Technologie-Hintergrund. Sie hätten andere Prioritäten, weil sie sich zuerst aufs Produkt konzentrierten und dann erst auf den Profit, sagt John O’Farrell vom Finanzierer Andreessen Horowitz.

    Wenn das Produkt erfolgreich ist, eingeführt und von den Kunden geschätzt wird, kann man sich auch um das Geldverdienen kümmern. So könnten Märkte erschlossen werden, die andere vernachlässigen würden, weil sie zum Start kein funktionsfähiges Geschäftsmodell finden.

    Der deutsche Investor Klaus Hommels, der früh in Unternehmen wie Skype, Facebook und Spotify investierte, sucht ebenfalls Gründer mit technischem Hintergrund. Früher, so gibt der Chef des Züricher Wagniskapitalgebers Lakestar zu, hätte er das unbewusst getan. Denn laut seinen Beobachtungen lösen diese Spezialisten oft Probleme aus ihrem Umfeld mit einem selbst entwickelten Produkt, für das es in vielen Fällen tatsächlich Bedarf gibt. Bei Skype war es eine softwarebasierte Internet-Telefonie-Lösung für günstige Gespräche, die ohne zusätzliche Hardware beim Nutzer auskam.

    Die Grundkenntnisse fehlen

    Die besten Standorte für Startups
    Platz 17: Berlin Quelle: dpa
    Platz 10: Moskau Quelle: dpa
    Platz 9: Bangalore Quelle: Reuters
    Platz 8: Sao Paulo Quelle: Reuters
    Platz 7: Singapur
    Platz 6: Los Angeles Quelle: AP
    Platz 5: Tel Aviv Quelle: Reuters

    Hommels hat noch eine weitere Erklärung dafür, dass in Deutschland zu wenig „Techies“ eigene Unternehmen starten: In vielen europäischen Ländern, so hat er festgestellt, würden Wirtschaftskenntnisse schon in der Schule vermittelt. Etwa in seiner Wahlheimat Schweiz oder in Schweden. In Deutschland hingegen vermitteln Schulen diese Grundlagen nicht oder nur ungenügend. Grundwissen über das Unternehmertum aber würde vielen Berührungsängste nehmen.

    Xing-Gründer Hinrichs bekam diese Grundlagen anders vermittelt: Er stammt aus einer Hamburger Unternehmerfamilie. Mit seinem Inkubator HackFwd kopiert er das Techie-Auswahlprinzip aus dem Silicon Valley: Anschubkapital gibt es nur für Leute, die die von ihnen vorgeschlagenen Produkte auch bauen können.

    Die Billion-Dollar-Start-ups
    Foursquare auf dem iPhone Quelle: dapd
    airbnb Quelle: Screenshot
    Das undatierte Firmenhandout des Internet-Musik-Diensts Spotify zeigt den Firmengründer einen Screenshot der Plattform Quelle: dpa
    Bleacher ReportDie Sportseite Bleacher Report gibt es erst seit 2007. Mittlerweile besuchen rund 25 Millionen Nutzer pro Monat die Homepage, um sich Videos, Analysen und Hintergrundberichte zu verschiedensten Sportthemen anzusehen. Die Zahl der sogenannten unique user macht den bleacher report zur viertgrößten Sport-Website im Netz. Für Nachrichtendienste ohne Sportberichterstattung wäre der Kauf von br also eine Überlegung wert. Quelle: Screenshot
    FabBei der Shopping-Community Fab macht pro Tag rund 300.000 Dollar Umsatz. Die mehr als drei Millionen Nutzer können über Fab nach ihren Lieblings-Designer-Stücken suchen und beim Einkauf bis zu 70 Prozent sparen. Das Unternhemen hinter der Community hat bereits 50 Millionen Dollar Investorengelder einsammeln können und ist derzeit um die 200 Millionen Dollar wert. Für Groupon oder andere Schnäppchen-Anbieter wäre Fab eine gute Ergänzung. Quelle: Screenshot
    A visitor tries on the new game "Angry Birds Space" during a launching ceremony in Hong Kong Quelle: dapd
    PathMit der App Path können Nutzer private Momente, Bilder und Videos mit ihren Freunden teilen. Path funktioniert quasi wie ein Tagebuch, das ein bestimmter Kreis von Menschen lesen darf und von dem bestimmte Einträge auch bei Twitter, Foursquare, Facebook oder Tumblr veröffentlicht werden können. Rund drei Millionen Menschen nutzen das soziale Netzwerk für unterwegs. Google hatte schon einmal bei Erfinder Dave Morin angeklopft und ein 100 Millionen Dollar für Path geboten. Morin lehnte jedoch ab. Quelle: Screenshot

    Betriebswirt-Startup-Kultur

    Nun bestätigen Ausnahmen die Regel. Viele halten Xing für eine Kopie des US-Vorbilds LinkedIn, was sein Schöpfer bestreitet. Doch Xing hatte zumindest zu Hinrichs Zeiten – er hat sich nach dem Verkauf seiner Anteile an Burda zurückgezogen – nützliche Funktionen, die man bei LinkedIn nicht fand. Und wie die Samwer-Brüder bewiesen haben, kann man auch mit dem Kopieren von Geschäftsmodellen wirtschaftlich höchst erfolgreich sein. Wobei auch das Kopieren eine unternehmerische Herausforderung ist.

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      Digitale Welt



      Hinrichs hatte jüngst einen Termin bei der Bundeskanzlerin, die sich von ihm Einsichten erhoffte, wie man Internet-Startups in Deutschland fördern könnte. Über die Inhalte wurde Stillschweigen vereinbart. Aber es ging sicherlich auch um die Betriebswirt-Startup-Kultur in Deutschland.

      Mehr Schulwissen übers Unternehmertum wäre schon mal ein erster Schritt.

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