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Valley Talk

Deutschland verliert den Anschluss

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Die Krise in Europa wird die Vormachtstellung des US-Technologiesektors noch verstärken.

Einsamer Stern am deutschen Technologie-Himmel - Deutsche IT-Unternehmen verlieren durch High-Tech-Konzerne des Silicon Valley immer mehr an Boden Quelle: dpa

Deutschland ist derzeit nicht nur in Europa der Prügelknabe. Auch in den USA dienen Merkels Sparappelle als Ausrede, um von der eigenen lahmenden Konjunktur und hohen Arbeitslosigkeit abzulenken. Ganz zu schweigen von der Verschuldung, die im Schnitt sogar höher ist als die auf dem alten Kontinent. Deutscher Konsum und Kredite für den Rest Europas sollen auch in den USA die Wende bringen.

Einer der größten Profiteure wären die High-Tech-Konzerne des Silicon Valley. Denn die dortigen Internet-, Computer-und Softwareunternehmen haben ihre Exporte nach Europa in der Vergangenheit stark ausgebaut. Bei Internet-Unternehmen liegt das auch daran, dass ihnen andere, wachstumsstärkere Märkte wie China versperrt oder die Zugangsbarrieren zu hoch sind.

Und so machen beispielsweise Amazon und Ebay mittlerweile 35 bis 40 Prozent ihres Umsatzes in Europa, etwa 15 Prozent stammen allein aus Deutschland. Noch liegt Großbritannien knapp vorn, doch bei den britischen Konsumenten ist nicht mehr viel Steigerung zu erwarten. Auch bei Google wird Deutschland wahrscheinlich in diesem Jahr Großbritannien als umsatzstärksten Auslandsmarkt ablösen und etwa elf Prozent des weltweiten Umsatzes beisteuern. Schließlich laufen über 90 Prozent aller Suchanfragen in Deutschland über Googles Maschinen.

Der Auf- und Abstieg von Ebay
Jahrelang war Ebay das Sonnenkind des Webs, das Wachstum des Versteigerungsportals scheinbar unaufhaltsam. Doch dann drehte sich das Blatt. Eine Bildergalerie über den Auf- und Abstieg von Ebay. Schon im September 1995 wird Ebay in den USA gegründet. Das Unternehmen hat seinen Sitz in San José und beschäftigt derzeit weltweit etwa 15.000 Mitarbeiter. Auf den deutschen Markt begibt sich das Auktionshaus im Sommer 1999 durch die Übernahme der erst wenig zuvor gegründeten Plattform Alando für 43 Millionen US-Dollar. Quelle: AP
Schon früh investiert Ebay in die weitere Expansion. Im Juli 2002 ist Paypal dran. Das Unternehmen wurde 1999 gegründet - und stellt sich insgesamt als ein gutes Investment heraus. Paypal ist mit 193 Millionen Mitgliedskonten in 190 Nationen der weltweit führende Online-Zahlungsdienstleister. Paypal hat seit 2007 den Status einer Bank. Seitdem wurde Paypal immer mehr in den Kaufprozess integriert, was aufgrund der anfallenden Gebühren bei Händlern für Kritik sorgt. Quelle: AP
Im September 2005 überraschte Ebay mit dem Kauf des Telekommunikationsdienstes Skype. Drei Milliarden US-Dollar machte das Unternehmen dafür locker. Und so recht schlüssig war auch damals schon nicht, wie denn nun ausgerechnet ein Telefondienst und ein Auktionshaus zusammenpassen sollen... Quelle: dpa
… und dennoch: Genau in dieser Zeit erlebt Ebay seine Boomzeit (im Bild: ein Ebay-Shop). Diverse Websites werden aufgekauft, unter anderem das deutsche Online-Autoinserateportal mobile.de. Für den gewerblichen Ebay-Verkäufer werden diverse Angebote geschaffen, unter anderem das – mittlerweile wieder abgeschaffte – Ebay Express. Auch das für die Abwicklung interessante Tool Afterbuy wird übernommen. Es gibt sogar ein Ebay-Magazin…   Quelle: Gabor Ekecs für WirtschaftsWoche
… und auch an die Schulung ist gedacht. Die Ebay-University schult die Verkäufer, an den Volkshochschulen werden Kurse angeboten. 3,2,1-Meins. Die Zeichen stehen gut für das Auktionshaus. Doch… Quelle: AP
...die heile Welt ist vorbei: Nach einem erfolgreichen Jahr 2007 verfinstern sich die Aussichten. Im März 2008 gibt es dann auch einen Stabswechsel. Meg Whitman tritt ab, ihr Nachfolger wird John Donahoe. Im September verkündet das Unternehmen, dass jeder zehnte der 16.000 Mitarbeiter entlassen wird. Auch so murren die Händler: Ebay ändert ständig seine Geschäftsbedingungen. Amazon erhält entsprechend immer mehr Zulauf. Quelle: Reuters
Im April 2009 ist es dann auch soweit: Erstmals muss Ebay vermelden, dass die Umsätze im Weihnachtsgeschäft zurück gegangen sind und Erzkonkurrent Amazon überholt Ebay. Das Auktionshaus verkündet, dass an der deutschen Niederlassung in Dreilinden bei Berlin 400 der 1.000 Mitarbeiter gehen müssen. Der Deutschlandschef Stefan Groß-Selbeck hat zu diesem Zeitpunkt bereits in Richtung des sozialen Netzwerkes Xing abgedankt, seine Kompetenzen waren immer mehr beschnitten worden. Die Zeichen stehen also auf Konsolidierung. Skype gehört schon lange nicht mehr zu den Kernideen des Unternehmens. 65 Prozent des Telefonieanbieters werde für 1,9 Milliarden Dollar an den Finanzinvestor Silver Lake verkauft. 2011 übernimmt Microsoft dann Skype vollständig. Quelle: dpa

Glänzend verdient in Europa

Auch Microsoft, Hewlett-Packard, Oracle, Cisco und Intel haben jahrelang nicht nur glänzende Geschäfte in Deutschland gemacht. Sie haben auch ihren Umsatz in Osteuropa wesentlich ausgebaut; vor allem durch den Verkauf von Technik an den öffentlichen Sektor – und in vielen Fällen finanziert durch EU-Fördergelder.

Das Problem ist, dass es abgesehen von SAP in der Informationstechnologie keine deutschen Spieler von Weltrang mehr gibt. Ebay, Amazon und Google haben kaum nennenswerte Konkurrenten auf dem europäischen Kontinent. Und nach dem Niedergang der VZ-Netzwerke hat Facebook auch auf dem Zukunftsmarkt personalisierte Werbung in Deutschland freie Hand. Die Dominanz amerikanischer High-Tech-Unternehmen wird sich also noch verstärken.

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