WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Valley Talk

Die beste Zeit für Startups

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Alternative Finanzierungsformen und billiges Startkapital kommen Gründern zugute. Dabei erschweren die neuen Bedingungen klassischen Wagniskapitalgebern zunehmend ihr Geschäft.

Alternative Finanzierungsformen für Startups machen Risikokapitalgebern das Leben schwer. Quelle: dpa

Normalerweise untergräbt das Internet die Geschäftsmodelle etablierter Unternehmen, etwa aus Medien, Versicherungen oder Handel. Doch nun trifft es zunehmend auch diejenigen, die seit Jahren viele der Angreifer finanzieren - die Wagniskapitalgeber. "Unsere Branche ist im Umbruch wie noch nie", sagt Duncan Davidson, Gründer des Silicon-Valley-Wagniskapitalverwalters Bullpen Capital und seit 30 Jahren im Geschäft.

Verantwortlich dafür ist eine regelrechte Schwemme von Internet- und Software-Startups, ausgelöst durch reichlich Anschubkapital dank alternativer Finanzierungsmöglichkeiten. Das reicht vom Vorverkauf der Produkte über Crowdsourcing-Plattformen bis zur Möglichkeit, dass Gründer auch Anteile an ihren Unternehmen an Kleinanleger verkaufen können. Was in Deutschland bereits geht, wird wohl ab Herbst auch in den USA möglich sein.

Die Billion-Dollar-Start-ups
Foursquare auf dem iPhone Quelle: dapd
airbnb Quelle: Screenshot
Das undatierte Firmenhandout des Internet-Musik-Diensts Spotify zeigt den Firmengründer einen Screenshot der Plattform Quelle: dpa
Bleacher ReportDie Sportseite Bleacher Report gibt es erst seit 2007. Mittlerweile besuchen rund 25 Millionen Nutzer pro Monat die Homepage, um sich Videos, Analysen und Hintergrundberichte zu verschiedensten Sportthemen anzusehen. Die Zahl der sogenannten unique user macht den bleacher report zur viertgrößten Sport-Website im Netz. Für Nachrichtendienste ohne Sportberichterstattung wäre der Kauf von br also eine Überlegung wert. Quelle: Screenshot
FabBei der Shopping-Community Fab macht pro Tag rund 300.000 Dollar Umsatz. Die mehr als drei Millionen Nutzer können über Fab nach ihren Lieblings-Designer-Stücken suchen und beim Einkauf bis zu 70 Prozent sparen. Das Unternhemen hinter der Community hat bereits 50 Millionen Dollar Investorengelder einsammeln können und ist derzeit um die 200 Millionen Dollar wert. Für Groupon oder andere Schnäppchen-Anbieter wäre Fab eine gute Ergänzung. Quelle: Screenshot
A visitor tries on the new game "Angry Birds Space" during a launching ceremony in Hong Kong Quelle: dapd
PathMit der App Path können Nutzer private Momente, Bilder und Videos mit ihren Freunden teilen. Path funktioniert quasi wie ein Tagebuch, das ein bestimmter Kreis von Menschen lesen darf und von dem bestimmte Einträge auch bei Twitter, Foursquare, Facebook oder Tumblr veröffentlicht werden können. Rund drei Millionen Menschen nutzen das soziale Netzwerk für unterwegs. Google hatte schon einmal bei Erfinder Dave Morin angeklopft und ein 100 Millionen Dollar für Path geboten. Morin lehnte jedoch ab. Quelle: Screenshot

Und nicht nur deshalb ist es für die Gründer leichter, ihr Startup aus der Taufe zu heben. Sie benötigen auch viel weniger Geld. Brauchten sie laut Davidson Ende der Neunzigerjahre im Schnitt noch fünf Millionen Dollar, reichen nun selbst im teuren Silicon Valley 50.000 Dollar. Das liegt vor allem daran, dass ein Großteil der Infrastruktur wie Software und Internet-Bandbreite nicht nur günstiger wurde, sondern auch gemietet werden kann. Das gilt auch für Zahlungs- und Logistiksysteme, mit denen Startups sofort global agieren können.

Der Wandel erschwert klassischen Risikokapitalverwaltern zunehmend das Geschäft. Zum einen sind die für die Aufbauphase benötigten Summen so gering, dass sich der Verwaltungsaufwand der Vergabe nicht lohnt. Zum anderen gibt es durch den Überfluss von Startkapital einen Strom sehr junger Startups, die sich gegenseitig Konkurrenz machen. "In den Neunzigerjahren musste man vielleicht 40 Jungunternehmen im Auge haben", sagt Davidson. "Heute sind es über 1.000."

Und von den Winzlingen kann theoretisch jeder ein neuer Fotoservice wie Snapchat oder Instagram, ein Airbnb oder Pinterest sein. Binnen kurzer Zeit international bekannt und Milliarden von Dollar wert sein. Für klassische Investoren ist es dann zu teuer, um noch einzusteigen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%