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Die E-Mail ist strategisch wichtig

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Totgesagte leben länger: Trotz Kurznachrichtendiensten wie Twitter oder sozialen Netzen wie Facebook ist die klassische E-Mail lebendiger denn je. Vollkommen zu Recht.

Sie haben Post - Auch 40 Jahre nach ihrer Einführung ist die E-Mail lebendiger denn je. Quelle: dpa

Seit Jahren wird der Tod der E-Mail angekündigt. Und wenn wieder einmal das eigene Postfach vor unerwünschten Nachrichten und monströsen Dateianhängen überquillt, überkommen einen tatsächlich gelegentlich Mordgelüste. Nüchtern betrachtet, wäre ihr Ende jedoch höchst unzweckmäßig – und es wird nicht dazu kommen. Im Gegenteil: Die E-Mail ist lebendiger denn je.

Rosige Zeiten für den elektronischen Brief

Das Silicon-Valley-Beratungsunternehmen Radicati Group prognostiziert, dass die Zahl der E-Mail-Fächer von heute weltweit 3,2 Milliarden auf knapp 4,0 Milliarden im Jahr 2015 steigen wird. Grund dafür ist die Zunahme von E-Mail-Konten auf Smartphones und das Wachstum von Web-E-Mail-Diensten, neuerdings auch als Cloud-E-Mail bezeichnet. Zwar verschicken Teenager laut den US-Marktforschern von Comscore lieber Kurznachrichten (SMS). Doch spätestens wenn sie ein Konto bei Facebook, Twitter, Amazon, Ebay & Co. anlegen wollen, benötigen sie dafür eine E-Mail-Adresse.

Die Vertriebs- und Marketingabteilungen lieben E-Mails geradezu. Sie gelten den Verkäufern noch immer als die effektivste Methode, Kunden zu erreichen. Schon aus diesem kommerziellen Interesse wird die mittlerweile 40 Jahre alte Kommunikationsform so schnell nicht aussterben. Zumal fast jeder mit ihr umgehen kann.

Was nicht heißt, dass sie nicht zu verbessern wäre. Die große Herausforderung dabei ist, dass sie darüber nicht komplizierter wird. Am wahrscheinlichsten werden die innovativsten Ideen eher von Startups als den Großen der Branche kommen. Und jede Neuerung wird auf bestehende E-Mail-Dienste aufsetzen, weil niemand seine eingeführte Adresse ändern möchte.

Die größten Flops von Google
Google Quelle: dpa
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KnolZu den Projekten die eingestellt werden gehört auch Knol. Es sollte Googles Alternative zu Wikipedia sein: Eine Wissenssammlung, bei der die Nutzer die Artikel schreiben und bearbeiten. Der Erfolg hält sich in Grenzen – oder kennen Sie intensive Knol-Nutzer? Quelle: Screenshot
Google WaveNach knapp einem Jahr hat Google sein Projekt „Wave“ wieder gestoppt. Beim Start hatte der Konzern noch getönt, Wave sei wie die Neu-Erfindung der Mail. Doch selbst viele Nerds konnten mit dem Angebot nichts anfangen, mit dem man Nachrichten gemeinsam bearbeiten und kommentieren konnte. Ende April 2012 wird Wave nun endgültig dicht gemacht.  
LivelyAls der Hype um virtuelle Welten wie Second Life noch groß war, startete Google "Lively". Damit konnten Avatare geschaffen werden und Räume in denen man sich treffen konnte. Resonanz und Halbwertzeit waren dürftig: nach nicht einmal sechs Monaten wurden die neuen Tummelplätze wieder geschlossen. Quelle: Screenshot

Ein Postfach für alles

Ein Beispiel für diese These ist das Projekt Wave. Google wollte damit alle Arten elektronischer Kommunikation auf einer Web-Seite vereinen. Google-Gründer Sergey Brin pries das Projekt im Mai 2009 als „die Zukunft der E-Mail“ an. Doch schon im Herbst 2010 stellte er es ein: Die Entwicklungskapazitäten wurden für den Aufbau einer Alternative zum sozialen Netzwerk des Konkurrenten Facebook gebraucht.

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