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Valley Talk

Die neuen Startup-Riesen

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Das Silicon Valley diskutiert über eine neue Investmentblase. Was das mit Erdbebenprognosen zu tun hat.

Männer beherrschen das Silicon Valley
TwitterGeschlechter: Twitter beschäftigt von allen großen IT-Firmen im Silicon Valley die wenigsten Frauen im Technikbereich. Gerade mal zehn Prozent tüfteln am sozialen Nachrichtendienst. Konzernweit sind 30 Prozent Frauen für Twitter im Einsatz. Immerhin gibt es im nicht-technischen Bereich ein Pari mit einer 50/50-Verteilung. Anders sieht es wieder in der Führungsebene aus. Bei Twitter haben 79 Prozent Männer das Sagen und lediglich 21 Prozent Frauen. Ethnischer Hintergrund: Im Schmelztiegel USA ist vor allem die ethnische Zusammensetzung wichtig. Diese weisen die IT-Unternehmen daher nochmal gesondert für die Vereinigten Staaten aus. Dabei fällt schnell auf: In den Internet-Firmen dominieren generell die Weißen, Asiaten stellen die größte Minderheit dar. Für Twitter arbeiten konzernweit 59 Prozent Weiße und 29 Prozent Asiaten. Im Technikbereich ist diese Verteilung ähnlich mit minimal mehr Asiaten: 58 Prozent sind weiß, 34 Prozent haben einen asiatischen Hintergrund. Auch im nicht-technischen Bereich sind die Weißen mit 60 Prozent vertreten. Mehr zur Mitarbeiterzusammensetzung bei Twitter. Quelle: REUTERS
YahooGeschlechter: Am vielfältigsten unter den IT-Riesen des Silicon Valley ist Yahoo. Mit 37 Prozent Frauen und 62 Prozent Männern gibt es konzernweit zwar immer noch eine männliche Mehrheit  – diese ist aber nicht so groß wie bei anderen großen Internetkonzernen. Im Technikbereich ist der Unterschied zu Twitter allerdings nicht mehr so groß: 15 Prozent Frauen sind für die Technik zuständig und 85 Prozent Männer. Auf der Führungsebene dominieren Männer mit 77 Prozent. Ethnischer Hintergrund: Auch bei der Mitarbeiterzusammensetzung zeigt sich Yahoo diversifizierter: Weiße machen unternehmensweit 50 Prozent aus, den Rest stellen Angehörige von Minderheiten dar. Auch hier sind Asiaten die größte Gruppe. Konzernweit sind 39 Prozent Asiaten beschäftigt, im Technikbereich sogar 57 Prozent. Hier stellen Weiße lediglich 35 Prozent der Mitarbeiter dar. Hier finden Sie ausführliche Daten zur Mitarbeiterzusammensetzung bei Yahoo. Quelle: REUTERS
GoogleGeschlechter: Bei Google arbeiten konzernweit 30 Prozent Frauen und 70 Prozent Männer. Im Technikbereich ist der Unterschied allerdings noch größer. Hier sind 83 Prozent Männer und 17 Prozent Frauen beschäftigt. Im nicht-technischen Segment ist die Verteilung mit 48 Prozent Frauen und 52 Prozent Männern nahezu gleich.  Allerdings haben Frauen im Konzern trotzdem weniger zu melden, wenn man einen Blick auf die Chefetage wirft. 79 Prozent der Führungsfiguren sind Männer, 21 Prozent Frauen. Ethnischer Hintergrund: 60 Prozent Weiße arbeiten unternehmensweit in den USA für Google, Asiaten stellen mit 30 Prozent die größte Minderheit dar. Im Technikbereich sind sie mit 34 Prozent etwas stärker vertreten, im nicht-technischen sowie im Führungsbereich machen sie lediglich 23 Prozent aus. Einen ausführlichen Blick auf die Diversity-Zahlen des Konzerns finden Sie bei Google selbst.   Quelle: dpa
FacebookGeschlechter: Facebook beschäftigt konzernweit 69 Prozent Frauen und 31 Prozent Männer. In der Technik sind es 15 Prozent Frauen und 85 Prozent Männer. Auch auf der Chefetage dominieren die Männer: 77 Prozent scharen sich um Mark Zuckerberg, lediglich 23 Prozent sind Frauen. Im nicht-technischen Bereich ist die Verteilung nahezu gleich mit 53 Prozent Männern und 47 Prozent Frauen. Ethnischer Hintergrund: Weiße machen bei Facebook in den USA 57 Prozent der Mitarbeiter aus. Asiaten kommen auf 34 Prozent, Lateinamerikaner auf vier Prozent. Nur zwei Prozent sind Afroamerikaner. Mehr Informationen dazu gibt es bei Facebook selbst. Quelle: AP
LinkedInGeschlechter: Aus den im Juni 2014 veröffentlichten Mitarbeiterzahlen des Berufsnetzwerks LinkedIn geht hervor, dass firmenweit 61 Prozent Männer und 39 Prozent Frauen arbeiten. Gerade im Technikbereich dominieren die Herren: 83 Prozent halten das LinkedIn-Netzwerk technisch am Laufen und lediglich 17 Prozent Frauen. Im nicht-technischen Bereich liegt zwischen den Geschlechtern eine nahezu gleiche Verteilung vor. 47 Prozent Frauen und 53 Prozent Männer sind dort im Einsatz. In der Führungsebene sind Frauen wieder in der Minderheit. 25 Prozent der hohen Posten sind weiblich besetzt, 75 Prozent männlich. Ethnischer Hintergrund: In den USA stellen Weiße mit 53 Prozent unternehmensweit die meisten Mitarbeiter dar. Asiaten sind mit 38 Prozent die größte Minderheit, gefolgt von Lateinamerikanern (4 Prozent) und Afroamerikanern (2 Prozent). Am meisten Weiße sind mit 65 Prozent in der Führungsebene vertreten. Hier finden Sie ausführliche Daten zur Mitarbeiterzusammensetzung bei LinkedIn. Quelle: AP

Wagniskapitalblasen und große Erdbeben haben mehr gemein, als man glauben könnte: Wann sie platzen oder wann sie sich entladen, wo genau und wie heftig, das weiß niemand. Nur die erschütternde Wirkung ihrer Kräfte steht fest.

Gerade jetzt ist der Chor der Frühwarner im Silicon Valley wieder besonders laut. Denn etwa alle sieben Jahre beben hier die Start-ups. Das bislang letzte Durchschütteln war 2008, die letzte, ganz große Erschütterung – das Platzen der Dotcom-Blase – ist bereits 14 Jahre her. Pro Monat fließen in den USA rund vier Milliarden Dollar in Wagniskapital, der höchste Wert seit 2000.

Die Zahl sogenannter „Einhörner“, Startups, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind, ist mit etwa 50 so hoch wie nie. Es gibt sogar schon Super-Einhörner wie den Taxivermittler Uber oder die Bettenbörse Airbnb, deren Wert angeblich die Zehn-Milliarden-Dollar-Grenze überschritten hat. Auch der tägliche Verkehrsinfarkt im Silicon Valley und heftige Bietergefechte um talentierte Programmierer und Manager sind bewährte Signale einer Überhitzung.

Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass sich die Party dem Ende entgegenneigt. Neu ist, dass diesmal kein Notenbankchef wie einst Alan Greenspan das Treiben anprangert, sondern die Wagniskapitalgeber selber.

Im „Wall Street Journal“ klagte Bill Gurley, Geschäftsführer des Risikokapitalverwalters Benchmark Capital, dass wie 1999 wieder Unmengen von Kapital in Start-ups flössen. Die Zahl der Jungunternehmen, die kein Geld verdienen, so Gurley, sei auf einem neuen Höchststand.

Selbst schuld am Übel

Dem Nestbeschmutzer sprang niemand Geringeres als Marc Andreessen zur Seite. Via Twitter warnte der Internet-Pionier vor zu hohen Bewertungen und der Verschwendung von Kapital. Unter frostigen Marktbedingungen, orakelte er, würden allzu freigiebige Start-ups nicht überleben. Dass gerade Andreessen und Gurley die aktuellen Zustände kritisieren, hat eine gewisse Ironie. Als derzeit prominentester Wagniskapitalgeber des Silicon Valley hat Andreessen die astronomischen Bewertungen über den von ihm gegründeten Kapitalverwalter Andreessen Horowitz mit verursacht.

Gurleys Arbeitgeber Benchmark ist einer der wichtigsten Investoren des Fahrdiensts Uber, der jüngst die Rekordsumme von 1,2 Milliarden Dollar einsammelte. Damit hat Uber die derzeit aggressivste Materialschlacht des Silicon Valley entfesselt – den Kampf mit dem Konkurrenten Lyft. An dem ist Andreessen maßgeblich beteiligt. Gurley hat zudem als Geldgeber von Instagram und Snapchat Erfahrung mit Start-ups ohne Geschäftsmodell. Zumindest Instagram hat er an Facebook verkaufen können, wobei auch Mitinvestor Andreessen profitierte.

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Beide Investoren eint der Ärger über das aus ihrer Sicht „dumme Kapital“ von Hedgefonds und Pensionskassen, das aus Mangel an Anlagealternativen zunehmend in Start-ups strömt – und so Preise, Bieterkonkurrenz und Risiko für etablierte Wagniskapitalgeber erhöht.

Verglichen mit 2000 ist trotzdem noch Raum. Damals flossen 101 Milliarden Dolllar in Start-ups, was inflationsbereinigt heute rund 135 Milliarden Dollar wären. Für 2014 werden 50 Milliarden Dollar Wagniskapital erwartet. Zudem ist das Gros der finanzierten Start-ups noch nicht an der Börse. Wenn dort die Luft entweicht, dann wohl ohne großen Knall. Eher könnte die Angst der Investoren börsennotierte und hochbewertete Unternehmen treffen, wie etwa Tesla Motors, Amazon, Facebook oder Twitter. Denen dann wiederum das Geld fehlt, um überbewertete Start-ups aufzukaufen.

Wie es genau kommt, lässt sich nicht voraussagen. Auch das haben Blasen und Erdbeben gemein – kein Kollaps gleicht dem anderen.

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