Valley Talk

Eine Frage der Sicherheit

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Ein US-Startup will die Vermittlung von Studentenjobs revolutionieren – und nutzt dafür von Facebook bekannte Instrumente. Das könnte funktionieren.

So surft Deutschland im Netz
Die Deutschen haben sich im Internet eingerichtet und nutzen es völlig selbstverständlich - dies ist eine Erkenntnis der neuen, jährlich erscheinenden Online-Studie von ARD und ZDF. Nach einem teils rasanten Anstieg der Internetverbreitung in Deutschland in den vergangenen Jahren beginnt sich das Wachstum zu verlangsamen: Nur 1,7 Millionen Deutsche haben seit 2011 erstmals den Weg ins Internet gewagt. Inzwischen sind 53,4 Millionen Menschen in Deutschland am Netz - das entspricht 75,9 Prozent der Bevölkerung. Oder anders formuliert: Immer noch ist knapp ein Viertel der Deutschen nicht online.
Ältere Menschen hinken bei der Internetnutzung immer noch leicht hinterher, holen aber in großem Tempo auf. Gegenüber 2011 ist die Online-Nutzung der Menschen über 50 Jahre von 69 Prozent auf knapp 77 Prozent gestiegen. Bei den „Silver Surfern“ ab 60 nutzen immerhin 39,2 Prozent das Netz, im Vorjahr waren es noch 34,5 Prozent gewesen.
Auch das Ausmaß der Nutzung lässt aufhorchen: Durchschnittlich nutzen die Deutschen das Internet 83 Minuten täglich. Zum Vergleich: Die Fernsehnutzung liegt bei rund 242 Minuten täglich, die Radionutzung bei 191 Minuten pro Tag. Weil das Internet auch heute noch überwiegend als anspruchsvolles, forderndes „Lean-Forward-Medium“ gilt, ist diese Online-Unterlegenheit wenig verwunderlich: Wer im Internet surft, ist häufig auf der Suche nach ganz bestimmten Informationen und agiert so weitaus selbstständiger als ein klassischer TV- oder Hörfunk-Nutzer.
Der seit Jahren zu beobachtende Trend zur mobilen Internetnutzung hält an: 23 Prozent der Nutzer gehen inzwischen auch über Smartphones oder Tablet-Computer ins Netz. Die Wissenschaftler von ARD und ZDF stellen dazu fest: „Dabei ersetzen mobile Endgeräte nicht den stationären Zugang, sondern sie schaffen neue Nutzungssituationen.“ Zum Beispiel am Strand.
Und als wäre das Dauerfeuer der Internet-, Fernseh- und Radio-Informationen noch nicht genug, bestätigt sich in diesem Jahr ein Trend zur Parallelnutzung: „Second Screen“ nennen die Forscher das Verhalten, während des TV-Konsums via Laptop, Smartphone oder Tablet-Computer im Internet zu surfen. 13 Prozent der Nutzer sind bereits betroffen.
„Während Smartphones besonders beliebt bei den Unter-30-Jährigen sind, sind Tablets, die inzwischen in 8 Prozent der deutschen Haushalte vorhanden sind, die Domäne der 30- bis 49-Jährigen“, befinden die Wissenschaftler. Große Touch-Geräte bieten besonders einfache, intuitive Bedienungskonzepte und beschränken sich aufs Wesentliche. Bei den Menschen mittleren Alters, die noch nicht mit dem Internet aufgewachsen sind, kommt das offensichtlich gut an.
Bemerkenswert ist zudem, das Smartphone-Benutzer ihr Geräte anders verwenden als einen Tablet-PC: Das Smartphone dient vor allem der schnellen Echtzeit-Kommunikation in sozialen Netzwerken, bei Tablet-Nutzern geht es vor allem um das Surfen auf Internetseiten und die E-Mail-Kommunikation.

Ein exklusiv begrenzter Nutzerkreis ist ein bewährtes Instrument in der Startphase von jungen Web-Unternehmen. Damit können sie zunächst den Markt testen, ihr Wachstum kontrollieren – und auf ihr Unternehmen aufmerksam machen, indem sie exklusive Testaccounts vergeben.

Das prominenteste Beispiel für diese Vorgehensweise ist Facebook. In der Anfangsphase stand das soziale Netzwerk im Gegensatz zu seinem Wettbewerber MySpace nur Studenten der Eliteuniversität Harvard offen.

Weitere Universitäten wurden nach und nach hinzugeschaltet. Sie mussten regelrecht Petitionen einreichen, um schneller in das Netzwerk aufgenommen zu werden.

Als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sich später auf die Suche nach Risikokapital machte, war sein Netzwerk an US-Universitäten bereits etabliert. Das erhöhte die Bewertung des Unternehmens und schürte Neugierde unter jenen, die mangels einer .edu-E-Mail-Adresse nicht beitreten konnten. Im September 2006 wurde Facebook dann für alle freigeschaltet.

Nach dieser Exklusivitäts-Blaupause wollen nun auch die Gründer von Flinja ihr Startup bekannt machen. Flinja – ein Wortspiel aus Freelancer und Ninja – ist ein neuer Dienst für das Vermitteln von Studentenjobs. Zugang zu dem Portal gibt es nur, wie einst bei Facebook, mit der E-Mail-Adresse einer US-Hochschule. Zurzeit steht der Dienst nur Studenten der Universitäten Los Angeles sowie Stanford offen.

Die Idee von Flinja ist, dass Absolventen der Universitäten Studenten ihrer Alma Mater über das Online-Netzwerk für Teilzeitjobs anheuern können – entweder als persönlicher Assistent, Babysitter, Sprachlehrer oder Haushaltshilfe. Bislang lief das Vermitteln solcher Jobs über Mundpropaganda, Aushänge oder den Online-Anzeigenservice Craigslist.

In Arbeit
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Laut Flinja-Mitgründerin Rebecca Bahr – einer Ex-Google-Managerin – passierte es oft, dass Jobs über Craigslist nicht hielten, was sie versprachen: Mal mussten die Bewerber eine andere Tätigkeit verrichten als angekündigt, oder sie bekamen weniger Geld. „Vor allem für Studentinnen ist es schlicht eine Frage der persönlichen Sicherheit“, sagt Bahr.

Flinja soll als exklusives Netzwerk mittels Feedback, Prüfung der Angebote und vor allem der Reputation der Auftraggeber Missbrauch vorbeugen: „Wir wollen ein gut gepflegtes Netzwerk zwischen Studenten und Absolventen aufbauen“, sagt Bahr.

In Los Angeles läuft Flinja derzeit gut, vor allem weil genügend Jobs angeboten werden. Besonders beliebt sind Studenten als Kuriere, Chauffeure oder als Bearbeiter von Bildern oder Videos.

Für Studenten ist die Vermittlung via Flinja kostenlos. Geld will das Startup über eine Gebühr verdienen, die auf den Stundenlohn aufgeschlagen und direkt vom Auftraggeber bezahlt wird. In der Regel beträgt sie zwischen 10 bis 15 Prozent.

Das Startup, das sich in San Francisco angesiedelt hat, ist derzeit von den Gründern selbst finanziert: CEO Victor Young war zuvor Gründer von CRM Enet, einem Online-Softwareanbieter für Versicherungsunternehmen. Die Produktchefs Ken Miller und Calvin Sheen arbeiteten zuvor für Ebay und Microsoft.

Noch steht Flinja am Anfang. Doch gerade in den USA – wo die Verbindung zwischen Absolventen und Universitäten eng ist – könnte das Modell schnell Anhänger gewinnen. Zudem gilt das Vermitteln von Online-Jobs als bewährtes Geschäftsmodell. Die Herausforderung ist indes, genügend attraktive Tätigkeiten zu offerieren.

Hat Flinja in den USA Erfolg, kann sich Gründerin Bahr auch eine internationale Expansion vorstellen.

Dass etablierte Business-Netzwerke die Idee einfach kopieren, schreckt Bahr dabei nicht: „Wir kümmern uns rund um die Uhr nur um diese Nische“, sagt sie. Das können die anderen nicht leisten.

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