Valley Talk

Erfolg im zweiten Anlauf

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Von der Praktikantin zum CEO: Wie eine deutsche Studentin in Kalifornien mit einer überzeugenden Geschäftsidee Millionen einsammelt.

Bei diesen Unternehmen werden Praktikanten reich
AppleDie amerikanische Plattform Glassdoor, die Unternehmen nach Arbeitsatmosphäre, Gehalt und sonstigen Leistungen bewertet, hat eine Liste der Firmen erstellt, die ihre Praktikanten am besten bezahlt. Demnach bekommt so mancher Praktikant im Silicon Valley ein deutlich höheres Jahresgehalt, als ein durchschnittlicher Angestellter. Während dem Durchschnittshaushalt pro Jahr nämlich 53.046 Dollar zur Verfügung stehen, kann es so mancher Praktikant auf rund 75.000 Dollar bringen, wenn er ein ganzes Jahr im Unternehmen bleibt. Bei Apple in den USA bekommen Praktikanten pro Monat 5723 Dollar, also gut 4.169 Euro brutto. Davon können auch hierzulande viele Facharbeiter nur träumen. Quelle: dpa
GoogleAuf Platz neun folgt der Suchmaschinenriese Google. 5969 Dollar verdienen Praktikanten bei dem Konzern. Wenig verwunderlich, dass 74 Prozent der Praktikanten in den USA bei einer Umfrage sagten, dass die Bezahlung bei einer Praktikumsstelle eine große Rolle spiele. Quelle: dpa
ExxonMobilExxonMobil ist unter den Firmen mit den bestbezahlten Praktikanten ein Exot. Immerhin stammen 19 der 25 Unternehmen aus der IT-Branche, vier kommen wie ExxonMobil aus dem Energiesektor. Pro Monat verdienen die "Interns" des Mineralölkonzerns 5972 Dollar brutto. Quelle: REUTERS
EbayAuch Ebay bezahlt seine Praktikanten mit 6126 Dollar pro Monat mehr als gut. Dennoch zählt die für die Praktikanten nicht nur das Geld: 77 sagten gegenüber glassdoor.com, dass sie sich von einem Praktikum bei einem der großen Konzerne vor allem einen Karrieresprung erhoffen. Für jeweils 41 Prozent sind außerdem der Standort und die 41 Unternehmenskultur wichtig. Quelle: REUTERS
MicrosoftBei Microsoft bekommen Praktikanten monatlich 6138 Dollar brutto. Quelle: REUTERS
FacebookNur unwesentlich lukrativer ist ein Praktikum beim Internetriesen Facebook. Mit einem Monatsgehalt von 6213 Dollar pro Monat für Praktikanten landet Facebook auf Platz fünf im Ranking. Quelle: AP
LinkedInDas US-Karrierenetzwerk LinkedIn hat das Treppchen verfehlt und landet auf Platz vier. Trotzdem verdienen Praktikanten dort fürstliche 6230 Dollar im Monat. Quelle: dapd

Eigentlich war Laura Behrens Wu vor anderthalb Jahren ins Silicon Valley aufgebrochen, um als Praktikantin beim US-Start-up Lendup zu arbeiten. Doch schon nach ein paar Monaten beim Online-Zahlungsdienst packte die gebürtige Hamburgerin der Ehrgeiz, selber Unternehmerin zu werden – mit einem Internet-Marktplatz für Waren ausländischer Händler.

Doch als sie Saeed Amidi das Konzept präsentierte, fand der es nicht ausgefallen genug. Den Chef von Plug and Play Tech Center, einem der hiesigen Start-up-Brutkästen, überzeugte aber die Beharrlichkeit und Energie der Praktikantin. Er empfahl ihr, mit einer verbesserten Idee wiederzukommen.

Die 23-jährige Studentin der Wirtschaftswissenschaften an der Universität St. Gallen nahm das Angebot an. Sie entwickelte einen Service, mit dem kleinere Online-Händler den Warenversand über verschiedene Lieferdienste koordinieren und dabei die nach Preis und Lieferzeit beste Variante wählen können. Schon bei der Recherche für ihre ursprüngliche Idee war Behrens Wu aufgefallen, welche Probleme unabhängige Online-Shops mangels brauchbarer Software mit dem Verschicken ihrer Waren haben. Zudem können gerade kleinere Läden kaum mit den billigen bis kostenlosen Lieferkonditionen großer Wettbewerber wie Amazon konkurrieren.

Zwar gab es schon ähnliche Versanddienste, wie etwa das US-Start-up Easypost. Doch Behrens Wu erweiterte das Modell. Sie bündelt mit ihrem neuen Online-Service Shippo die Nachfrage ihrer Kunden, handelt so bessere Konditionen bei den Versendern heraus und gibt diese wieder an die angeschlossenen Web-Shops weiter.

Im November 2013 gingen sie und ihr St. Galler Kommilitone Simon Kreuz mit Shippo in San Francisco an den Start – mit fünf Kunden. Inzwischen sind 5000 unter Vertrag, und das Unternehmen wächst monatlich um 20 Prozent. Nicht schlecht für ein Start-up mit gerade einmal acht Personen, inklusive der beiden Gründer.

Während Amazon mit seiner Einkaufsmacht bis zu 95 Prozent Rabatt bei Lieferdiensten heraushandeln kann, hat es Shippo laut Behrens Wu schon auf bis zu 80 Prozent gebracht. Sie fokussierte sich zunächst auf Versender, die Marktanteile gewinnen wollten und deshalb bessere Konditionen boten. So etwa der staatliche US Postal Service. Inzwischen hat Shippo alle führenden Lieferdienste integriert.

Das Wachstum des Start-ups hat sich im Silicon Valley herumgesprochen. Gerade haben Behrens Wu und Kreuz zwei Millionen Dollar Risikokapital für die Expansion eingesammelt, unter anderem vom Silicon-Valley-Finanzierer SoftTech, dessen Gründer Jeff Clavier in den Aufsichtsrat einzieht.

In Arbeit
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Die Gründer schwärmen von der Leistungsgesellschaft im Silicon Valley. "Wo hat man das schon, dass Praktikanten derart ernst genommen werden?", meint Behrens Wu, die sich nun als eine der wenigen Start-up-Chefinnen behaupten muss.

Ihr Wirtschaftsstudium in St. Gallen haben die beiden Gründer erst einmal unterbrochen, und eine Rückkehr ist derzeit eher unwahrscheinlich. Zu interessant ist die Erfahrung, Skaleneffekte nicht nur akademisch, sondern auch in der Praxis beobachten zu können. Daneben lockt beide nicht nur der Reiz, mit den Dienstleistern um die besten Rabatte zu feilschen. Sie wollen Shippo auch als Marktplatz ausbauen, mit dem die Versender Nachfrage und Preise besser abstimmen können.

Noch müssen die Gründer beweisen, dass sie mit ihrem Modell und dessen niedrigen Margen langfristig Geld verdienen können. Aber eine wichtige Voraussetzung haben sie mit ihrem Angebot schon mal erfüllt: Shippo löst ein echtes Problem.

Und das können hier im Valley längst nicht alle Start-ups von sich sagen.

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