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Valley Talk

Gefährlicher Poker im Netz

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Die mögliche Lockerung der US-Glücksspielgesetze lässt Online-Spieleanbieter auf lukrative Geschäfte hoffen. Das betrifft auch Facebook, doch die Firma fürchtet Online-Poker um echtes Geld.

Bei Zynga ist die Zahl der aktiven Spieler im vierten Quartal merklich gesunken Quelle: REUTERS

Im Silicon Valley erfährt man neben vielen interessanten Sachen auch manchen Unsinn. Wie Googles Motto, dass man beim Geschäftemachen grundsätzlich „das Böse“ vermeiden kann. Was immer das ist. Umso erfrischender sind Aussagen, die treffend sind, zeitlos und ehrlich. Mein Favorit ist die von Silicon-Valley-Investmentbanker Paul Deninger von Evercore Partners, der seit 25 Jahren High-Tech-Unternehmen berät. Er sagt, dass es „keine erfolgreichen Börsengänge gibt, nur erfolgreiche Unternehmen“. Ergo: Die richtig harte Arbeit fängt erst nach dem Börsengang an.

Die Erkenntnis macht gerade auch Mark Pincus, der Chef und Gründer des Online-Spieleanbieters Zynga. Dessen Börsendebüt war alles andere als erfolgreich. Zwar schaffte es Pincus, in nur fünf Jahren ein Unternehmen mit sechs Milliarden Dollar Börsenwert aus dem Boden zu stampfen. Doch was seine Wagnisfinanzierer, die Mitarbeiter der ersten Stunde und ihn persönlich freut, hilft den Anlegern nicht: Die Aktie dümpelt seit dem Debüt Mitte Dezember unter dem Ausgabekurs. Und das, obwohl Zynga-Mitarbeiter ihre Aktien derzeit noch gar nicht verkaufen dürfen.

Social Media an der Börse
TwitterKurz vor dem Börsengang waren die Investoren heiß auf den Kurznachrichtendienst: Die Nachfrage nach der Aktie war so hoch, dass Twitter den Ausgabepreis von erst mindestens 17 Dollar auf 26 Dollar hochschrauben konnte. Das sieben Jahre alte Unternehmen, das noch nie auch nur in die Nähe von schwarzen Zahlen gekommen ist, war damit schon vor dem Läuten der Börsenglocke in New York gut 14 Milliarden Dollar wert. Am Ende des ersten Handelstages stand die Aktie dann sogar bei 44,90 Dollar. Twitter konnte die Investoren bislang überzeugen, dass die Wachstumsaussichten gut sind und mit dem Anziehen der Werbeerlöse auch die Gewinne folgen werden. Aber es gibt keine Garantie, dass diese Rechnung aufgeht. Und wie lange hält die Geduld der Börsianer, wenn erst einmal Quartal für Quartal weiterhin rote Zahlen in der Bilanz auftauchen sollten? Schließlich wird Twitter jetzt nicht mehr wie in den ersten Jahren im Verborgenen agieren können, sondern unter voller Transparenz. Zudem weisen Skeptiker darauf hin, dass das Wachstum abflache und Twitter mit 230 Millionen Nutzern weltweit immer noch nicht bei der breiten Masse angekommen ist. Quelle: REUTERS
Facebook soll einen Börsengang der Superlative planen Quelle: dpa
Der Internet-Gutscheindienst Groupon gab zum Börsenstart Anfang November 35 Millionen Aktien zum Preis von 20 Dollar aus Quelle: REUTERS
LinkedIn startete im April 2011 mit massiven Kursaufschlägen Quelle: REUTERS
Spiele-Anbieter Zynga Quelle: dapd
US-Portal Yelp hat erste Unterlagen bei der Börsenaufsicht eingereicht Quelle: dapd
Yandex Quelle: REUTERS

Die schwache Performance liegt nicht nur an der allgegenwärtigen Angst vor der nächsten Internet-Blase. Sie ist auch dem Phänomen geschuldet, dass alle halbwegs erfolgreichen Ideen im Netz sofort kopiert werden. Alleine in Online-Spiele-Startups flossen vergangenes Jahr laut PricewaterhouseCoopers mindestens 1,5 Milliarden Dollar an Wagniskapital. Nicht nur von Medienunternehmen. Auch Branchenfremde wie Intel investieren fleißig. Denn das Gedaddel benötigt Rechenleistung und fördert deshalb den Absatz von Computern.

Gesunkene Spielerzahl bei Zynga

Spielefans erfreuen sich am wachsenden Angebot. Bei Zynga dagegen ist die Zahl der aktiven Spieler im vierten Quartal merklich gesunken. Laut Analysten ist sie um mindestens sechs Prozent gefallen. Das schmerzt doppelt, weil Zynga gerade auf den harten Kern aktiver Nutzer angewiesen ist, die nicht nur gelegentlich kostenlos spielen, sondern dauerhaft für mehr und schnelleren Spaß bezahlen.

Um die unzufriedenen Anleger zu beruhigen, setzt Unternehmensgründer Pincus nun ausgerechnet auf Fortuna und prüft, ins Glücksspiel einzusteigen. Rund sieben Millionen seiner Nutzer spielen laut Pincus schon jetzt auf seiner Seite Poker. Sie können Chips kaufen, ihre Gewinne jedoch nicht in Geld zurücktauschen. Noch nicht.

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