Valley Talk

Googles große Daten-Sorgen

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

15 Jahre nach Gründung ist Googles Einfluss gigantisch. Und er wird mit dem Trend hin zu großen Big-Data-Analysen noch wachsen. Wie das für den Konzern gefährlich werden kann.

Die Geschichte des Internetgiganten Google
Frühjahr 2013Google liefert die ersten Google-Brillen für 1500 Euro pro Gadget an ausgewählte Entwickler aus. Firmengründer Sergey Brin verlässt das Haus kaum noch ohne die Datenbrille, die es dem Träger ermöglicht Artikel zu lesen, Telefonate zu führen oder sich Wegbeschreibungen anzeigen zu lassen. Quelle: REUTERS
Juni 2013Im Bieterkampf um ein israelisches Navigations-Startup sticht Google die Konkurrenten aus. Der US-Internetgigant stehe kurz vor der Übernahme der auf mobile Kartendienste spezialisierten Firma Waze, berichtet die israelische Finanzzeitung Globes am Sonntag ohne Quellenangabe. Google habe die Gebote der anderen Interessenten vermutlich übertrumpft. Der Kaufpreis soll demnach 1,3 Milliarden Dollar betragen. Bei Waze war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Waze sprach früheren Medienberichten zufolge mit mehreren Bietern. Dazu zählt auch das soziale Netzwerk Facebook. Zusatzdienste, die auf Smartphones oder Tablet-PCs genutzt werden können, werden für Technologiekonzerne wie Google immer wichtiger. Denn mit ihnen steigt auch die Nutzung von mobilen Geräten und damit die potenziellen Werbeeinnahmen, die über sie generiert werden können. Waze verwendet die Satelliten-Signale der Smartphones, um den Nutzern Karten- und Verkehrsdaten in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. Das erst vor vier Jahren gegründete Unternehmen hat 47 Millionen Mitglieder und 100 Mitarbeiter. Quelle: REUTERS
Nexus 7 Quelle: dpa
Mai 2012Die Erfolgsgeschichte eines Browser: D er Google-Browser Chrome anteilsmäßig den Internet Explorer von Microsoft. Quelle: ZB
April 2012Google gibt bekannt, eine Augmented-Reality-Brille, Google Glasses, auf den Markt bringen zu wollen. Seitdem ist Geschäftsführer Sergey Brin immer wieder mit der Cyberbrille in der Öffentlichkeit zu sehen. Quelle: AP/dpa
Logo von Google+ Quelle: dpa
Larry Page und Eric Schmidt Quelle: dapd
Januar 2010Im Januar 2010 erscheint das erste Handy von Google, das Nexus One. Quelle: AP
2008Google Street View geht Online. Erstmals werden die Karten in der Funktion "Google Maps" mit Original-Bildern von Plätzen und Straßenzügen angereichert. Quelle: dapd
Internetseiten von Google und Youtube Quelle: dpa
Google Earth Quelle: dpa/dpaweb
Duden mit dem Verb googeln
Google Nasdaq Quelle: REUTERS
Google News unter einer Lupe Quelle: dpa/dpaweb
2001Eric Schmidt wird Google-Geschäftsführer. Zwischen 1983 und 1997 arbeitete Schmidt bei Sun Microsystems, wo er unter anderem als Technik-Chef beschäftigt war. Vor seinem Wechsel zu Google arbeitete Schmidt bei Novell. Quelle: REUTERS
Google-Screenshot Quelle: DPA/Picture-Alliance
Larry Page und Sergey Brin Quelle: DPA/Picture-Alliance

Im Jahr 15 nach seiner Gründung kontrolliert das einstige Startup Google ein Drittel aller weltweiten Ausgaben für Online-Werbung. Auf Platz zwei folgt laut dem Marktforscher eMarketer der Zweitplatzierte Facebook – weit abgeschlagen mit fünf Prozent Marktanteil.

Dabei steht Google noch nicht mal auf dem Zenit seiner Macht. Der nächste große Wachstumsmarkt – Big Data, das Zusammenführen und Auswerten von Daten auf der Suche nach Trends und Interessen – wird das ehemalige Startup noch einflussreicher machen. Vor allem wenn der Nachweis zwischen Werbeausgaben und dadurch erfolgten Käufen gelingt.

Das wird den Internet-Riesen noch mächtiger machen, aber auch angreifbarer. Gut möglich, dass der Konzern deshalb noch in diesem Jahrzehnt zerschlagen wird oder sich selber zerlegt. Denn wie jedes erfolgreiche Unternehmen trägt Google die Gefahr des Missbrauchs in sich. Und weit stärker als viele andere Giganten, da es täglich von über einer Milliarde Menschen genutzt wird und den Fluss von Informationen steuert.

Seine Gründer, Larry Page und Sergey Brin, waren sich dessen früh bewusst. Sonst hätten sie nicht in das Manifest ihres Unternehmens den berühmten Spruch „Don’t be evil!“ aufgenommen – „Sei nicht böse!“

Ehrlicherweise hätten sie hinzufügen müssen, dass sie diesen Vorsatz nie ernsthaft beherzigen können. Nicht in einer Marktwirtschaft, wo jedes Unternehmen nach Dominanz strebt. Google hat sie in vielen seiner Märkte bereits erreicht. Am offensichtlichsten bei suchbasierter Werbung, wo der Konzern monopolähnliche Macht genießt.

Theoretisch können die Suchenden zwar zur Konkurrenz wechseln. Doch sie tun das seit Jahren nicht mehr. Neun von zehn Suchen laufen etwa in Deutschland über Google. Auch bei der Bannerwerbung ist Google Weltmarktführer. Selbst der Wechsel vom Desktop ins mobile Netz ist dank Android geglückt. Rund 50 Prozent aller Mobilwerbung weltweit entfällt bereits auf Google.

Wo das Publikum ist, fließen die Werbeausgaben hin. Oder, wie im Fall von Microsofts Suchdienst Bing, eben nicht. Googles wichtigster Wettbewerber existiert nur deshalb noch, weil der Eigentümer ihn aus strategischen Gründen alimentiert.

Fakt ist, dass Google bei Online-Werbung eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. So wie Microsoft in den Neunzigerjahren bei PC-Betriebssystemen. Der Weg zum Monopol ist unverkennbar.

Monopole sollten in Marktwirtschaften zerschlagen werden, wenn sie den Wettbewerb blockieren. Theoretisch. Doch bei Microsoft scheuten US-Politiker davor zurück, weil der Softwarekonzern das Gros der Umsätze im Ausland erzielte und die Politik so die eigene internationale Wettbewerbsfähigkeit untergraben hätte. Bei Google ist das ähnlich. Es ist zudem enorm populär, weil es viele Dienste kostenfrei offeriert.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Der Vorstoß zur Bändigung der Machtfülle muss deshalb aus dem Ausland kommen, etwa der EU. Kein Unternehmen auf dem europäischen Kontinent hat auch nur den Hauch einer Chance, mit Google in den Wettbewerb zu treten.

Dabei muss es für Google nicht einmal von Nachteil sein, wenn es Grenzen gesetzt bekommt. Für Microsoft etwa wäre es im Rückblick ein Segen gewesen, wenn der Konzern vor 13 Jahren aufgespalten worden wäre. Der auf Privatkunden fokussierte Teil hätte wohl den Übergang ins Zeitalter der Smartphones und Tablets sicher besser gemeistert als der träge Koloss, der das Unternehmen heute ist. Und auch die Überreste des einst zerschlagenen Telefongiganten AT&T, die Baby-Bells, haben – gestärkt – wieder zusammengefunden.

Was auch geschieht: Googles DNA wird uns noch lange durchs Netz begleiten.

Dem Autor auf Twitter folgen:

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%