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Valley Talk

Ministerium bringt deutsche Startups ins Silicon Valley

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Im Silicon Valley läuft jetzt ein Mentoren-Programm speziell für deutsche Startups an.

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Der German Silicon Valley Accelerator (GSVA) unterstützt deutsche Startups bei ihrem Weg in's Silicon Valley. Interessierte bewerben sich unter www.germanaccelerator.com Quelle: Screenshot

In jedem Jahrzehnt macht das Silicon Valley aufs Neue eine existenzbedrohende Krise durch. In den Achtzigerjahren musste die Computerbranche Tausende Jobs streichen. In den Neunzigerjahren schwächelte die US-Rüstungsbranche, was sich auf örtliche Unternehmen wie den Flugzeughersteller Lockheed Martin und seine Zulieferer in der Elektronikbranche auswirkte. Im folgenden Jahrzehnt ging der jungen Internet-Branche die Luft beim Platzen der Dotcom-Blase aus. Und momentan bibbern alle, dass die hochfliegenden Börsengänge von Web-2.0-Unternehmen wie LinkedIn, Zynga und demnächst Facebook den Anlegern später auf die Füße fallen. Wenn die Wachstumserwartungen nicht erfüllt werden, könnte das die Krise dieses Jahrzehnts auslösen.

Der Reiz des Tal's

Seinen Reiz hat das Silicon Valley trotz der regelmäßigen Tiefpunkte nicht verloren. Jede Woche landen auf dem Flughafen von San Francisco Unternehmer, Forscher und Abenteurer aus aller Welt, um Phänomene wie Facebook aus nächster Nähe zu bestaunen, die Luft auf dem Campus der Stanford-Universität zu schnuppern oder die erstaunlich nüchtern wirkenden Bürogebäude der Wagnisfinanzierer entlang der Sand Hill Road anzuschauen.

Das Valley profitiert vom stetigen Strom der Besucher. Das berühmteste deutsche Beispiel ist Andreas von Bechtolsheim, der in den Siebzigerjahren im gelobten Tal hängen blieb, den Computerhersteller Sun gründete und später Larry Page und Sergey Brin das Startkapital für Google gab.

Berühmte deutsche Gründer
Andreas von Bechtolsheim Quelle: Presse
Ibrahim Evsan Quelle: dpa
Stephan Uhrenbacher Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche
Lukasz Gadowski Quelle: Presse
Lars Hinrichs Quelle: Presse
Gerrit Schumann Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Oliver, Marc und Alexander SamwerDie drei Brüder (im Bild: Oliver Samwer) gelten als Bad Boys der Gründerszene. Dabei halten sie sich nur an eine simple Erfolgsregel, die viele Serienunternehmer zu ihrem Motto erklärt haben: Lieber gut kopiert als schlecht selbst gemacht. Der Erfolg gibt ihnen Recht. So gründeten sie die deutsche Kopie des US-Auktionshauses Ebay, riefen danach den Klingeltonriesen Jamba ins Leben und hatten auch beim Facebook-Klon StudiVZ ihre Finger mit im Spiel. Quelle: Armin Brosch für WirtschaftsWoche

Professionelle Starthilfe für deutsche Unternehmen

Bisher suchten deutsche Startup-Unternehmer den Weg ins Silicon Valley auf eigene Faust. Seit Neuestem haben sie dabei aber professionelle Hilfe: In der vergangenen Woche startete der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte German Silicon Valley Accelerator (GSVA), der pro Quartal fünf Jungunternehmen aus Deutschland beim Anbahnen von Geschäften im Silicon Valley helfen wird und ihnen Kontakte zu US-Kunden und Kooperationspartnern vermittelt. Den Start machen das Medienunternehmen Fair Observer aus München und der Computersicherheitsspezialist Trifense aus Velten bei Berlin. Sie wurden mit drei anderen Startups aus 35 Wettbewerbern ausgewählt.

Zahlreiche Finanzierer

Besonders erfolgreiche Crowdfunding-Projekte
Bud Spencer Movie
Der Barde Ranarion
Richard Diamond Privatdetektiv
Kamera-Schwebestativ „Exthanded“
April Smith' "Keep Music Indie"
Saber Rider and the Stars Sheriffs
Buchprojekt "Coming & Crying"

Beratung und Büro sind kostenlos, Hotel und Reisekosten müssen die Unternehmer selbst bezahlen. Oliver Hanisch, der die Idee zum Inkubator hatte und für den Geschäftsausbau verantwortlich ist, wirbt: „Wir haben sehr gute Mentoren gewonnen.“ Wagnisfinanzierer wie Ram Srinivasan von Wellington Partners seien darunter sowie der ehemalige Oracle-Manager Michael Meirer. Hanisch, der seit zehn Jahren im Silicon Valley lebt und zuvor High-Tech-Konferenzen organisierte, überzeugte den ebenfalls im High-Tech-Tal ansässigen deutschen Wagnisfinanzier Dirk Kanngiesser von seinem Konzept. Gemeinsam fanden sie mit dem Münchner Wirtschaftswissenschaftler Dietmar Harhoff einen einflussreichen Befürworter. Harhoff, der die Bundesregierung in Sachen Technologieförderung berät, ist ein großer Fan des Silicon-Valley-Modells. Als Gastprofessor in Stanford konnte er untersuchen, wie stark das Valley die Ansiedlung von Unternehmen fördert.

Große Blender - und was aus ihnen wurde
Die Gründer der Frankfurter Immobiliengruppe S+K, Stephan Schäfer und Jonas Köller, hat ein Schicksal ereilt, das vielen Blendern aus der Dotcom-Ära bereits zu Teil wurde: Sie landeten wegen mutmaßlichem Anlagebetrug in Untersuchungshaft. Zuvor haben sie es mit dem ergaunerten Geld richtig krachen lassen. Doch was ist aus den Bankrotteuren aus dem Jahr 2000 geworden?
Einer der bekanntesten Betrüger ist Florian Homm, bekannt als Großaktionär bei Borussia Dortmund. Am Neuen Markt war er zuvor schon bekannt als Gründer von Value Management & Research (VMR), die Firmen wie Toysinternational.com oder Comtelco an die Börse brachte. Eine angekündigte Fusion mit der Beteiligungsgesellschaft Knorr Capital scheiterte, Homm zog sich aus VMR zurück. Wenige Jahre später geriet er mit dem Hedgefonds Absolute Capital Management Holdings mit Investments bei Borussia Dortmund oder dem Finanzdienstleister MLP in die Schlagzeilen. Vielfach war ihm vorgeworfen worden, Kurse massiv zu manipulieren. Als der Hedgefonds 2007 unter Druck geriet, nahm Homm überstürzt seinen Hut und war seitdem untergetaucht. Seine Nachfolger in der Leitung des Fonds warfen ihm später vor, dass viele Investments einen weit geringeren Wert hätten, als ausgewiesen. Die Aktien des börsennotierten Hedgefonds verloren mehr als 90 Prozent ihres Wertes. Seit Februar 2011 läuft gegen Homm auch eine Klage der US-Börsenaufsicht SEC. Zuletzt wurde er in Liberia vermutet. 2012 tauchte der einst skrupellose Finanzinvestor wieder auf - um ein Buch über sein Leben vorzustellen und sich öffentlich reinzuwaschen. Er sei ein anderer Mensch, gehe mindestens zweimal wöchentlich zum Gottesdienst und wolle sich demnächst der SEC stellen, erzählt er der Financial Times Deutschland. Natürlich können Menschen sich ändern, aber der Eindruck einer PR-Masche zum Verkauf seines Buches bleibt doch bestehen - gerade wenn es stimmt, dass von seinem einzigen Vermögen nicht mehr viel übrig ist. Quelle: dpa/dpaweb
Im Januar 2012 wurde der gebürtige Kieler Kim Schmitz in Neuseeland festgenommen. Dem 38-jährigen wurde vorgeworfen, Mastermind hinter dem Raubkopien-Portal Megaupload zu sein. Die spektakuläre Verhaftung rückte auch die Dotcom-Ära wieder in Erinnerung, immerhin hatte Schmitz sein 25-Millionen-Dollar-Anwesen "Dotcom Mansion" getauft und sich selbst seit einiger Zeit ganz offiziell Kim Dotcom genannt... Quelle: REUTERS
Auch in der Zeit des Neuen Marktes war Schmitz eine der schillerndsten Figuren: Unvergessen sind seine Urlaube mit dem durch eine Dieter Bohlen-Affäre als "Teppich-Luder" bekannten Playboy-Bunny Janina... Quelle: rtr
Legendär auch seine Auftritte in der Harald-Schmidt-Show, wo Schmitz seinen eigenen Sessel mitbrachte (die vorhandenen waren ihm zu unbequem) und erzählte, wie er den Jet der Haffa-Brüder für eine halbe Million charterte, um einen Kurztrip in die Karibik zu unternehmen. Quelle: rtr
EM.TV Quelle: dpa
Comroad Quelle: Robert Brembeck für WirtschaftsWoche

Erfahrung, die stark macht

Gemeinsam trieb das Trio das Projekt voran und überzeugte das Bundeswirtschaftsministerium, es finanziell zu fördern. Kanngiesser, der den Inkubator leitet, hat keine Sorge, dass der Brückenkopf im Silicon Valley den Brain Drain aus Deutschland fördert: „Wir wollen, dass die Startups mit der Erfahrung und den Kontakten aus dem Silicon Valley ihr internationales Geschäft ausbauen und allgemein stärker werden.“

In Arbeit
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Das Programm ist zunächst auf drei Jahre angelegt und anfangs auf Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie konzentriert. Interessierte können sich unter www.germanaccelerator.com bewerben. Vielleicht ist unter ihnen der nächste Bechtolsheim. Der kehrte zwar aus dem Valley nie wieder zurück. Aber seine Ideen, Unternehmen und Investitionen haben weltweit Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen – auch in Deutschland.

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