Valley Talk

Netflix zahlt den Preis der Flexibilität

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Der Online-Filmverleiher Netflix wird vom Internet-Riesen Amazon in die Zange genommen – und zahlt sogar dafür. Noch tut er das sehr gerne.

Der Netflix-Hauptsitz in Californien Quelle: REUTERS

Dieser Gast war eine echte Überraschung. Beherzten Schrittes erklomm Reed Hastings jüngst die Bühne auf der ersten Entwicklerkonferenz der Amazon Web Services. Inbrünstig pries er die großartigen und preiswerten Dienste der gemeinhin nur AWS genannten Amazon-Tochter, die weltweit ein Netz von Datencentern aufgebaut hat und deren Rechen- und Speicherleistung online vermietet.

Das hatte schon was Paradoxes. Denn ausgerechnet Hastings wettert seit Monaten über die aggressiven Wettbewerbsmethoden des AWS-Mutterhauses. Hastings ist Gründer und Chef von Netflix. Das Unternehmen stellt Spielfilme und Fernsehserien via Internet bereit.

Damit ist Netflix in den USA schon so bekannt wie McDonald’s, Coca-Cola, Apple oder Google. Weltweit zahlen bereits rund 30 Millionen Kunden einen monatlichen Obulus (in den USA acht Dollar), damit sie die Online-Bibliothek des Silicon-Valley- Unternehmens via Fernseher, Computer, Tablet oder Mobiltelefon nutzen können.

Netflix finanziert seine Konkurrenz

Bis vor knapp zwei Jahren hatte Netflix den US-Markt fast für sich allein. Dann aber entschloss sich Amazon.com-Gründer Jeff Bezos, auch in den Online-Videomarkt einzusteigen. Glaubt man Hastings, verliert Bezos mit diesem Konkurrenzangebot derzeit rund eine Milliarde Dollar pro Jahr. In jedem Fall verteuert Amazon für Netflix den Einkauf von Inhalten.

Die Ironie ist, dass Netflix seinen Konkurrenten indirekt sogar mitfinanziert. Denn die Online-Videothek ist einer der größten Kunden von AWS und verteilt über dessen Infrastruktur seine Inhalte.

Verzicht auf eigene Infrastruktur

Was sonderbar klingt, verkauft Hastings als Vorteil. Denn so könne er nicht nur die eigene Infrastruktur auf ein Minimum reduzieren. Außerdem purzelten die Preise, weil sich AWS im heftigen Wettbewerb mit Angeboten von Microsoft und Google befinde und zugleich seine Infrastruktur immer besser ausnutzen könne. "So senken wir nicht nur unsere Kosten, sondern bleiben auch flexibel", sagt Hastings.

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