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Valley Talk Roboter erobern die Besprechungszimmer

Die erste Generation elektronischer Telepräsenz-Gefährten fungiert als Alter Ego für viel beschäftigte Chefs. Doch sie haben einen Nachteil: Sie sind auf Kooperation der Mitarbeiter angewiesen

Durch Telepräsenz-Roboter sollen nicht Anwesende künftig auch physisch im Raum erscheinen. Quelle: dpa

Besprechungen und Messen, zu denen man persönlich anreist, sollten längst die Ausnahme sein. Schon in den Siebzigerjahren prognostizierten Zukunftsforscher, dass wir uns im neuen Jahrtausend vornehmlich im virtuellen Raum treffen – entweder mittels Avatar, als Hologramm oder zumindest via Videokonferenz.

Doch auch im Jahr zwölf nach der Millenniumswende sieht die Realität noch anders aus. Wie sich vor wenigen Tagen auf der Elektronik-Show CES in Las Vegas beobachten ließ. Dort pressten sich vier Tage lang 153.000 Menschen mit zu viel Körperkontakt durch zu enge Messehallen. Das Gedrängel in Hotelsuiten und auf abendlichen Partys gar nicht eingerechnet. Es scheint, dass einige Zeitgenossen nur wegen Letzterem nach Las Vegas reisen.

Ferngesteuertes Alter Ego statt Klon

Videokonferenzen mögen inzwischen manche Dienstreise ersparen. Aber nur, um Zeit für noch mehr Meetings zu gewinnen. Und mancher seufzt beim Blick auf den Terminkalender: „Man müsste sich klonen können.“ Auch das ein altes, unerfülltes Versprechen der Visionäre ohne absehbare Aussicht auf Erfüllung.

Schon heute aber kann, wer will und das nötige Geld mitbringt, an fernen Besprechungen quasi physisch teilnehmen, ohne seinen Körper dorthin bewegen zu müssen. Möglich machen das Pioniere wie das Silicon-Valley-Unternehmen Anybots in Mountain View, die an digitalen Gefährten forschen. Unternehmenschef Trevor Blackwell und sein Team haben einen Telepräsenz-Roboter fertiggestellt.

Die Anybot QB genannte Maschine ist ein zweirädriges Gefährt, mit verstellbarem Hals, dessen Kopf aus zwei Kameras und einem Display besteht. Der 15 Kilogramm schwere Roboter, der seinen Hals bis auf 1,60 Meter ausfahren kann, wird via Internet gesteuert. Mittels Laser und Sensoren manövriert er um Hindernisse herum, lauscht über drei Mikrofon-Ohren und macht sich via Lautsprecher verständlich.

Phil Libin, Chef des Silicon-Valley-Startups Evernote, nutzt den fahrbaren Untersatz als ferngesteuertes Alter Ego, um stets in seinem Unternehmen präsent zu sein, auch wenn er auf Dienstreisen oder zu Hause ist. Übers Display blendet er dabei sein Konterfei ein und beobachtet über Internet via Kameras seine Mitarbeiter.

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