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Valley Talk Vom Hedgefondsmanager zum Lehrer im Internet

Salman Khan erfüllt sich seinen Traum und verschenkt Bildung übers Internet, dank einflussreicher Förderer – wie Bill Gates.

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp? Quelle: Gabor Ekecs für WirtschaftsWoche

Salman Khan hat einen Job, dem er nach eigenem Bekunden jeden Morgen entgegenfiebert. Der 34-Jährige hat so einflussreiche Förderer wie Microsoft-Gründer Bill Gates, die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page sowie den Silicon-Valley-Wagnisfinanzierer John Doerr (Amazon, Google) und dessen Frau Ann. Vor ein paar Jahren wurde er zu Google eingeladen, um dort einen Vortrag zu halten. "Zum Schluss kam die Frage", erinnert sich Khan, "was ich wohl mit zwei Millionen Dollar anfangen würde?"

Die Antwort fiel dem früheren Hedgefondsmanager leicht. Er skizzierte seine Idee der "Khan Online-Akademie", einem Informationsportal im Internet, mit dessen Hilfe sich Schüler via Online-Videos in eigenem Tempo in naturwissenschaftlichen Fächern und Mathematik fortbilden können. Inzwischen ist Google der wichtigste finanzielle Förderer von Khans Lebenstraum. Und obwohl die im Silicon Valley angesiedelte Akademie nur acht Mitarbeiter beschäftigt, wird sie von Tausenden Schülern und Lehrern weltweit genutzt.

Bildung mit Witz und Wissen

Ihr Reiz sind die von Khan mit Wissen, Witz und Mut zur Improvisation produzierten YouTube-Videos, mit denen Lernen Spaß macht. Als bekannt wurde, dass Gates Khans Videos für seine eigenen Kinder nutzt, konnte sich der autodidaktische Lehrer vor Investorenanfragen kaum retten. "Die standen Schlange", erinnert er sich. Trotzdem gründete er lieber eine gemeinnützige Organisation. "Es gibt viele Institutionen wie Harvard oder Stanford, die ein Jahrhundert überdauert haben. Aber nur ganz wenige Unternehmen", erklärte mir Khan, als ich ihn kürzlich bei der bekannten TieIndus-Konferenz im Silicon Valley traf.

Dabei kennt er sich sehr wohl mit Profit aus. Viel zu gut sogar, wie Khan witzelt. An den US-Eliteunis Harvard und MIT ausgebildet, heuerte er nach dem Studium bei einem Hedgefonds an. "Die Idee war, in ein paar Jahren viel Geld zu verdienen und dann was für die Gesellschaft Sinnvolles zu machen", sagt Khan. Wohl wissend, dass dies bei vielen ähnlich denkenden Kollegen nur ein guter Vorsatz bleibt.

Schüler im Internet Quelle: AP

Die Anregung für die neue Karriere ergab sich zufällig. Nadia, eine seiner Cousinen, besuchte ihn mit ihren Eltern in Boston. Khan vertrieb die Langeweile der Zwölf-jährigen mit Denksportaufgaben und war erstaunt mit welcher Leichtigkeit sie mathematische Probleme verstand. Noch überraschter war er, als ihm die Eltern mitteilten, dass das Mädchen in der Schule Probleme in Mathe habe. Khan schlug vor, der in New Orleans wohnenden Nadia per Telefon und Internet Nachhilfe zu geben.

Daraus entstanden Internet-Videos, die Khan auf Anregung eines Freundes kostenlos auf Googles Videoservice YouTube stellte. Andere entdeckten sie, plötzlich hatte Khan Hunderte, schließlich Tausende Zuschauer und bekam schließlich einen Anruf von der Silicon-Valley-Philanthropin Ann Doerr, die ihm Hilfe anbot. Schließlich quittierte er seinen Bankjob und verschrieb sich ganz seinem Hobby.

Kein bloßer Modetrend

Inzwischen hat er seine Akademie um weitere Sprachen ergänzt und baut den Lehrstoff aus. Was selbst dem akademischen Überflieger manchmal schwerfällt. Für organische Chemie etwa konnte er sich kaum begeistern, bis er feststellte, wie wichtig der Stoff für künftige Medizinstudenten ist: "Es gab keine Videos auf YouTube darüber, noch nicht mal schlechte."

Anfänglicher Widerstand von Lehrern sei schnell verflogen, so Khan. Inzwischen sei klar, dass er keine Lehrer ersetzen wolle, sondern diesen gratis Unterrichtshilfen zur Verfügung stelle, damit sie mehr Zeit für den direkten Kontakt mit Schülern haben.

Und er geht sein Projekt langsam an, hat Intensivprojekte an zwei Schulen im Silicon Valley gestartet, die wissenschaftlich begleitet werden. "Meine größte Angst ist, dass eine Schule etwas nur halbherzig angeht und es unsere Reputation beschädigt", sagt Khan.

Schließlich soll auch seine Akademie auf Dauer wirken – und nicht bloß ein Modetrend im Netz sein.

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