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Valley Talk

Vom Neuling zum Wilderer

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Square galt lange als aussichtsloses Unterfangen. Geldgeber wimmelten die Anfragen nach Wagniskapital ab. Nun ist Square der senkrechte Start geglückt. Das Start-up tummelt sich jetzt Seite ans Seite mit Visa, Mastercard und Paypal.

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Unternehmensseite squareup.com Quelle: Screenshot

Marc Andreessen investiert seit dem Sommer 2009 mit seinem Wagniskapitalunternehmen Andreessen Horowitz in junge Technologieunternehmen. Welche erfolgreich sein werden, weiß der Schöpfer des ersten kommerziell erfolgreichen Web-Browsers Netscape noch nicht. Sehr wohl aber weiß er, dass ihm bereits im ersten Jahr ein dicker Fisch durch die Lappen gegangen ist.

Es war ein kapitaler Fehler, bekannte Andreessen jüngst, nicht in das Startup Square investiert zu haben. Ihm schien das Abenteuer zu riskant.

Square ist im Geschäft mit Online-Payments unterwegs, das in den USA eigentlich unter Kreditkartenunternehmen wie Mastercard, Visa und American Express sowie Bezahldienstleistern wie Paypal oder Verifone verteilt galt.

Square ist eins der bemerkenswertesten Silicon-Valley-Unternehmen der jüngsten Zeit. Nicht nur weil es von Jack Dorsey aus der Taufe gehoben wurde, bekannt als Mitgründer von Twitter. Der 35-jährige Programmierer, der Square leitet, arbeitet parallel als Produktchef des Kurznachrichtendienstes.

Square ist auch bemerkenswert, weil das Startup beweist, dass sich ein Neuling sehr wohl in einem wettbewerbsintensiven Markt gegen Branchengrößen durchsetzen kann – wenn das Produkt gut und günstig ist und etablierte Vertriebswege clever nutzt.

Der Durchbruch gelang, weil Dorsey zum Vertrieb seiner Software die App Stores von Apple sowie Google nutzte und so aus dem Stand Millionen von iPhone- und Android-Smartphone-Besitzer erreichte. Und weil Square ein für wenige Cents in China gefertigtes Lesegerät gratis anbietet.

In den Lautsprecheranschluss von Smartphones und Tablet-PCs gesteckt, liest es den Magnetstreifen von Kreditkarten aus und wickelt den Bezahlvorgang über das Internet ab. Jeder, der sein Bankkonto mit Square vernetzt hat, kann so Kreditkarten akzeptieren.

Billiger als Paypal

Konkurrent Paypal Quelle: REUTERS

Eine Bekannte von mir etwa, die Glaskunst verkauft, nutzt den Dienst mit großer Begeisterung. Auf ihrem iPhone hat sie dafür ein kleines Softwareprogramm von Square installiert, über das sie die Summe eintippt. Anschließend zieht sie die Kreditkarte des Käufers durch das kleine Gerät, das sie von Square bekommen hat, und lässt ihn mit dem Finger auf dem Display unterschreiben.

Der Kunde erhält seine Quittung samt Ort des Einkaufs umgehend via E-Mail zugestellt.

Bei meiner Bekannten hat Square den Online-Bezahldienst Paypal ersetzt, der ähnliche Dienstleistungen bietet, aber dafür monatlich 30 Dollar berechnet. Square verlangt nicht nur eine geringere Transaktionsgebühr als Paypal, das Startup verzichtet auch auf monatlich anfallende Beiträge.

Das spricht sich herum. Nur zwei Jahre nach Start hat sich Square in den USA etabliert. Der Dienst wickelt täglich elf Millionen Dollar an Kreditkartentransaktionen ab, was dem Startup monatlich mindestens neun Millionen Dollar einbringt. Davon muss das Unternehmen allerdings den Großteil an Kreditkartenfirmen abgeben.

Aber Dorsey will mehr. Mit der neuesten Version seiner Software möchte er die Kassensysteme von Händlern modernisieren. Via Tablet oder Smartphone können diese ihren Lagerbestand verwalten und beispielsweise eigenständig Coupons für Sonderangebote aufsetzen.

Noch beschränkt sich Square auf die USA. Zwar können Verkäufer über Square auch in Deutschland ausgegebene Kreditkarten akzeptieren. Doch der Bezahlvorgang klappt nur, wenn die Karte innerhalb der USA durch das Lesegerät gezogen und identifiziert wird.

Digitale Welt



Doch bevor Square zu viele Nachahmer anzieht, will Dorsey seinen Service in diesem Jahr auch international anbieten. Square scheint eine große Nummer zu werden. Auch wenn sein Chef noch beweisen muss, dass sein Dienst langfristig profitabel sein kann.

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