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Valley Talk

Wie Intel den Sprung in das mobile Geschäft schaffen will

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Der kalifornische Konzern muss im Mobilgeschäft endlich punkten. Ausgerechnet die Stärke in der traditionellen Computerwelt könnte das ermöglichen.

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Alte Stärken könnten Intel im Zukunftsmarkt helfen. Quelle: REUTERS

Es schien, als wollte ein Silicon-Valley-Riese dem anderen zeigen, wer populärer ist: Ausgerechnet am 10. September hatte Intel-Chef Brian Krzanich seinen ersten großen, mit Spannung erwarteten öffentlichen Auftritt. Doch während er zur globalen Entwicklerkonferenz in San Francisco lud, lag der Fokus der High-Tech-Welt woanders.

Denn zum gleichen Zeitpunkt präsentierte Apple-Chef Tim Cook 70 Kilometer südlich in Cupertino die neuen iPhones 5c und 5s. Dass er im räumlich beengten Campus auftrat, lag auch daran, dass Intel das von Apple sonst genutzte Moscone Konferenzzentrum in San Francisco belegt hatte.

Das iPhone wandelt die Wirtschaft
Die überraschende Ankündigung, dass der seit 2005 amtierende Intel-Vorstandschef Paul Otellini im Mai 2013 zurücktritt, dürfte unter anderem einem Umstand geschuldet sein: Zwar ist Intel immer noch der weltgrößte Halbleiterkonzern – jedoch spielt er im boomenden Geschäft mit Tablets und Smartphones nur eine untergeordnete Rolle. Seit Jahresbeginn war die Intel-Aktie zuletzt durch die schnell sinkenden PC-Verkäufe und dem wachsenden Interesse der Verbraucher, lieber zu Smartphone und Tablet zu greifen, unter Druck geraten. Quelle: AP
Doch der Siegeszug bei Smartphones und Tablets macht gleich einer ganzen Reihe von Gadgets sowie deren Herstellern das Leben schwer. Dank der immer besser werdenden Kameras in Smartphones stagniert das Geschäft mit eigenständigen Digicams – zumindest in der Kompaktklasse. Der Fotopionier Kodak musste im Januar 2012 Insolvenz anmelden; andere Hersteller wie Canon oder Sony suchen ihr Heil in höherwertigen Systemkameras. Quelle: dpa
Gleiches gilt – wenn auch in abgeschwächterem Maße – für Bewegtbilder. Dank hochauflösender Kameras können Highend-Smartphones wie etwa das iPhone 5 oder Samsungs Galaxy S3 auch Video-Clips in Full-HD aufnehmen. Cisco hat die Produktion des einstmals führenden Kompakt-Camcorders Flip im Frühjahr 2011 eingestellt – nur knapp zwei Jahre nach der Übernahme des Unternehmens. Quelle: REUTERS
Auch eigenständige Navigationsgeräte werden von Smartphones und Tablets zunehmend in eine Nische gedrängt. Der Aktienkurs des börsennotierten Anbieters Tom Tom dümpelt etwa seit gut anderthalb Jahren unterhalb von fünf Euro. Quelle: gms
Die erste Industrie, die Apple-Gründer Steve Jobs revolutioniert hat, war die Musikbranche mit dem digitalen Musikspieler iPod und dem Web-Shop iTunes Music Store. Inzwischen frisst die Revolution ihre Kinder: Weil der Player jetzt in iPhone und iPad integriert ist, sind die Verkaufszahlen des iPod seit 2008 rückläufig. Quelle: REUTERS
Dank inzwischen jeweils deutlich über 700.000 Apps unter Apple und Android gibt’s für die Mehrzahl aller Smartphones ein geradezu unerschöpfliches Reservoir an Spielen. Klassische mobile Daddelkisten wie etwa Sonys PSP können Gamern kaum noch einen Mehrwert bieten. Quelle: REUTERS

Dabei hätte Krzanich mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Denn mit neuen, winzigen, besonders stromsparenden Prozessoren hatte Intel überraschendere Neuheiten: Die Quark genannten Chips haben nur ein Fünftel der Größe heutiger Notebook-Prozessoren und verbrauchen nur ein Zehntel von deren Energie.

Damit könnten Intels Winzlinge mehr Einfluss auf die Computerbranche und das Silicon Valley bekommen als Apples aufgerüstete iPhones und deren neue, leuchtende Farbenpracht. Vor allem, wenn sich bewahrheitet, was Krzanich verspricht, dass nämlich die Chips zig heute noch nicht vernetzter Geräte erobern und so das sogenannte Internet der Dinge voranbringen: Sie könnten nicht nur Uhren oder Geräte wie Google Glass vernetzen, sondern sogar Pflaster oder Medikamente.

Noch aber sind die Quark-Winzlinge Zukunftsmusik. Intel muss erst beweisen, dass das Unternehmen die Wegwerf-Chips in großen Stückzahlen fertigen und ihre Preise auf Cent-Beträge senken kann. Und selbst dann braucht Krzanich weitaus mehr als die Chip-Mikroben, um im Wachstumsgeschäft mobiler Geräte endlich aus dem Quark zu kommen. Vor allem muss der Konzern dort endlich mit seinen stromsparenden Atom-Prozessoren punkten.

Dominanz der Konkurrenz

Die größten Computerhersteller der Welt
Platz 5: AsusDer Konzern aus Taiwan konnte um 16.9 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal 2013 zulegen. Der Marktanteil lag im dritten Quartal 2014 mit 7,3 Prozent aber trotzdem am Schluss des Rankings des Marktforschungsunternehmens Gartner. Apple ist im PC-Geschäft immer noch nicht groß genug, um unter die Top 5 Anbieter zu kommen. Quelle: AP
Platz 4: AcerMit 8,6 Prozent Marktanteil im dritten Quartal 2014 landet die ebenfalls taiwanische Konkurrenz Acer Group auf dem vierten Platz. Im Vergleich zum dritten Quartal 2013 verkaufte Acer 9,0 Prozent mehr PCs. Dem Marktforschungsunternehmen zufolge sanken die Computer-Verkäufe im letzten Jahr, unabhängig vom betrachteten Hersteller, in allen Regionen der Welt um 0,5 Prozent. Quelle: REUTERS
Platz 3: DellMit 12,8 Prozent Marktanteil liegt Dell ein ganzes Stück weit hinter den beiden Erstplatzierten. Die weltweiten PC-Verkäufe legten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 9,7 Prozent zu. Eine gute Bilanz für den ehemaligen Branchenprimus aus Texas. Quelle: REUTERS
Platz 2: HPDer langjährige Marktführer Hewlett-Packard musste sich erneut der Konkurrenz aus China geschlagen geben. Der Marktanteil lag im dritten Quartal 2014 bei 17,9 Prozent. Die Marktforschungsfirma Gartner stellte bei dem US-Konzern ein stärkeres Wachstum von 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal fest. Quelle: AP
Platz 1: LenovoDer Marktanteil im dritten Quartal 2014 lag bei 19,8 Prozent. In der aktuellen Studie von Gartner liegt Lenovo damit noch vor HP. Der chinesische Konzern hat seine Spitzenposition als der größte PC-Hersteller der Welt weiter ausbauen können: Lenovo steigerte die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahresquartal um 11,4 Prozent. Quelle: REUTERS

Intels Situation ähnelt der seines langjährigen Allianzpartners Microsoft. Finanziell geht es beiden blendend. Intels Umsatz hat sich in den vergangenen vier Jahren von 35 Milliarden auf 53 Milliarden Dollar erhöht, der Profit kletterte von 4,3 Milliarden auf 11 Milliarden Dollar. Beide haben ihren Einfluss im Unternehmensgeschäft massiv ausgebaut. Das Gros der Prozessoren in den boomenden Datenzentren stammt von Intel. Und bei klassischen Schreibtischcomputern und Notebooks ist das Unternehmen so stark wie nie.

Zugleich aber haben beide Riesen, die einst das mächtige Wintel-Kartell formten, den Sprung in die Post-PC-Welt bisher nicht geschafft. Dass Intels Umsatz im ersten Halbjahr um vier Prozent einbrach, hängt damit zusammen, dass Smartphones und Tablets Marktanteile von klassischen PCs stehlen und das Boom-Segment fast ganz von Konkurrenten wie Qualcomm oder Samsung ausgerüstet wird.

Krzanichs wichtigster Mann, um das zu ändern, ist sein Mobilchef Hermann Eul. Der Deutsche kam vor zwei Jahren mit der Übernahme von Infineons Mobilchip-Sparte zum Silicon-Valley-Halbleiterkonzern.

Digitale Welt



Tatsächlich haben Krzanich und Eul gute Chancen, Boden mit ihren Atom-Prozessoren gutzumachen. Allerdings eher mit klassischen Methoden und weniger mit Innovationen wie Quark. Denn was Intel auszeichnet, ist sein Vermögen, Tiefstpreise über längere Zeiträume durchzuhalten. Zwar boomt der Markt für Smartphones und Tablets. Doch zugleich ist der Preisdruck auf die Zulieferer so stark wie noch nie. Und Branchenbeobachter glauben, dass Intel ihn noch verstärken wird.

Der Halbleiterkonzern kann sich das dank der Profite aus dem Prozessorgeschäft für PCs und Datenzentren leisten. So könnte die Dominanz aus einer verblassenden Epoche dem Chiphersteller doch noch den Weg in die Zukunft bereiten.

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