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Valley Talk

Wie Online-Universitäten die Bildung verändern

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Investoren im Silicon Valley wetten auf den weltweiten Boom von Online-Universitäten. Das Geschäft wächst rasant.

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Die besten Universitäten der Welt
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Universität von Chicago Quelle: Rdsmith4
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Imperial College London Quelle: Imperial College London

Für einen Studienabschluss verschulden sich viele junge Amerikaner tief. Sebastian Thrun glaubt, dass das nicht nötig ist. Der gebürtige Deutsche und ehemalige Stanford-Professor, weltweit bekannt als Miterfinder von Googles selbstfahrendem Auto, führt seit anderthalb Jahren das Startup Udacity aus Palo Alto. Es bietet Online-Kurse an, mit denen sich Lernwillige selber am Computer fortbilden können.

E-Learning-Anbieter im Überblick
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Nun bereitet Thrun eine kleine Revolution vor: Ab Januar will sein Startup mit dem angesehenen Georgia Institute of Technology einen Informatik-Abschluss offerieren, der statt der üblichen 40 000 Dollar nur 7000 Dollar kostet. Statt den Hörsaal zu besuchen, nehmen die Studenten dabei an einem sogenannten Massive Open Online Course teil, kurz MOOC - einer Lehrveranstaltung, die nur im Internet stattfindet.

Thruns Online-Offensive wird getrieben durch die Verbreitung von Smartphones, Tablets, Notebooks und Breitband-Internet-Zugängen. Hinzu kommt die Furcht vieler US-Unternehmer, dass das seit den Achtzigerjahren kontinuierlich schlechter gewordene Bildungswesen das Fundament der Wirtschaft untergraben könnte.

Markt für Vorlesungen

Wie hoch die Begeisterung für die Online-Kurse unter Silicon-Valley-Investoren bereits ist, lässt sich an den Wagnis-Dollar messen, die in jüngster Zeit in die Bildungs-Startups geflossen sind. Vor allem Coursera, gegründet von zwei ehemaligen Stanford-Professoren, wird mit Geld überschüttet. 65 Millionen Dollar hat das Startup eingesammelt, weil es bereits als Amazon.com der Online-Bildung gesehen wird. Udacity hat bislang 20 Millionen Dollar eingesammelt.

Während Udacity vorrangig auf selber produziertes Material und eigene Betreuer setzt, ist Coursera in erster Linie ein auf Masse angelegter Marktplatz, über den Universitäten ihre Kurse vertreiben können. Coursera offeriert fast 500 Kurse von 85 Anbietern. Letztere werden an den Einkünften beteiligt. Das meiste Geld bringen derzeit Zertifikate, die die Studenten für den Abschluss der Kurse erhalten.

Revolution des Bildungswesens

Die besten Sprachkurse im Netz
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Schon gibt es internationale Nachahmer. In Deutschland hat sich das vom ehemaligen StudiVZ-Geschäftsführer Marcus Riecke geleitete iversity etabliert. Inzwischen, so Riecke, falle es auch leichter, Professoren zu gewinnen. Der Bildungsmarktplatz hat derzeit 18 Kurse, die Mitte Oktober starten, darunter Betriebswirtschaftslehre, Design und Finanzwirtschaft.

Doch die Online-Universitäten müssen sich auch Kritik stellen - so etwa ein Projekt von Udacity mit der Hochschule der Silicon-Valley-Metropole San Jose, bei dem Studenten Kurse in Statistik und Mathematik am heimischen Computer absolvierten. Jubel schlug in Häme um, als die Hochschule das Experiment fürs Herbstsemester auf Eis legte. Die Noten der Teilnehmer waren weit schlechter als bei den traditionellen Kursen auf dem Campus. Doch dies lag auch daran, dass sich überproportional viele schlechte Studenten beteiligten. Ein neuer Test im Sommer fiel weit besser aus.

In Arbeit
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Trotz solcher Rückschläge: Der Andrang auf die Online-Kurse wird das Bildungswesen verändern. Schon fürchten Lehrerverbände Personalkürzungen. Denn während sich Eliteuniversitäten wie Stanford und Harvard aus Spenden, Spekulationen und Studiengebühren finanzieren, sind kleinere Bildungseinrichtungen auf staatliche Zuschüsse angewiesen. Und die bemessen sich hauptsächlich an der Zahl der Studenten. Gewarnt wird auch vor einer Bildungsmonokultur, bei der Eliteuniversitäten den Inhalt der Online-Kurse dominieren.

Was für die Forschung fatal sein könnte, sehen Wirtschaftsführer pragmatisch. Die Telefongesellschaft AT&T etwa sponsert das Udacity-Projekt mit der Georgia Tech: Die großen Konzerne sind schon froh, überhaupt Fachkräfte in Aussicht zu haben.

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