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Valley Talk

Wird Microsoft das nächste Apple?

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Ein Technologieinvestor, der schon den Aufstieg von Tesla vorhersagte, will den Nachfolger von Apple kennen. Warum bei Microsoft die Zeichen wieder auf Erfolg stehen.

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Das ist Apples neue iPad-Generation
Vorgestellt wurden sowohl ein neues iPad mini als auch das iPad 5, das unter dem Namen iPad Air in den Handel kommt. Quelle: AP
Verkaufsstart der fünften Generation des Tablets soll der 1. November sein. Ein iPad Air mit 16-GB-Speicher kostet in den USA 499 Dollar (rund 365 Euro), der Preis für das iPad 2 soll weiter bei 399 Dollar liegen. Im Laufe des Novembers wird das neue iPad Mini bei 16-GB-Speicher für 399 Dollar zu haben sein. Quelle: REUTERS
Ebenfalls im Handel bleiben das iPad2 und das iPad Mini. Quelle: AP
Das große Modell wurde deutlich dünner, leichter und leistungsstärker gemacht. Äußerlich wurde das iPad Air mit schmalen Seitenrändern an das Design des kleineren iPad mini angepasst. Quelle: dpa
Das iPad Mini ist künftig - wie auch das iPad Air - mit einem hochauflösende Retina-Display bestückt. Quelle: REUTERS
Die Schutzhüllen für das iPad wurden ebenfalls in neuen Farben gestaltet. Für sie berechnet Apple 39 US-Dollar. Quelle: REUTERS
Apple-Chef Tim Cook hält das iPad Air. Es ist deutlich zu erkennen, wie dünn das neue Tablet von Apple ist. Quelle: AP

Auch wenn der Glaube an Apples Innovationsfähigkeit gelitten hat – das neue iPad Air und die modifizierten MacBooks vom vergangenen Montag sind wieder nicht viel mehr als Produktpflege –, der Aktienkurs der Kaliforniern hat sich erholt. Apple ist wieder das wertvollste Unternehmen der Welt. Dennoch bleibt die Frage, welchem High-Tech-Unternehmen es gelingen kann, Apple beim Börsenwert zu überholen?

Amazon vielleicht, das unaufhaltsam beim Online-Handel wächst und sich als Infrastrukturdienstleister im Cloud Computing breitmacht? Oder Google, das bereits ein Drittel aller weltweiten Ausgaben für Online-Marketing auf sich vereint und mithilfe von besserer Datenanalyse noch mehr von dem Kuchen vereinnahmen will?

Nein, es wird Microsoft sein, zumindest wenn es nach Cole Wilcox geht, dem Chef von Longboard Asset Management. Der 35-jährige Fondsmanager aus Phoenix legt sich sogar darauf fest, dass der Softwarekonzern aus Seattle in den nächsten fünf Jahren wieder zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufsteigen wird. Ausgerechnet Microsoft, das den Sprung in die boomenden Tablet- und Smartphone-Märkte verpasst hat, soll der nächste große Wachstumsstar sein? Derzeit ist Microsoft etwa 40 Prozent weniger als Apple wert.

Man könnte das als Spinnerei eines Technologie-Investors abtun, der selbst in Microsoft investiert und dessen Kurs treiben will. Schließlich steht die Kür des Nachfolgers für den scheidenden Microsoft-Chef Steve Ballmer an. Doch obwohl Wilcox’ Fund winzig ist, der Investor wird gehört im Silicon Valley. Furchtlos hat er den Aufstieg des Elektroautoherstellers Tesla Motors vorhergesagt, dessen Aktienkurs sich seit Jahresanfang verfünffacht hat.

Microsoft stärker denn je

So sieht Windows 8.1 aus
Nach nur etwas mehr als sieben Monaten unterzieht Microsoft sein Betriebssystem Windows 8 einem kleinen Redesign. In Windows 8.1 kehrt auch der von vielen Nutzern schmerzlich vermisste Start-Button wieder zurück – wenn auch in einer abgespeckten Variante. Es soll zwar kein Knopf mehr sein, sondern nur noch ein Windows-Logo. Dennoch liefert er dem Nutzer die gewohnte Orientierung: Hier komme ich überall hin und finde mich wieder zurecht. Künftig kann man über die Start-Funktion die gesamte Kachel-Optik abschalten und zum gewohnten Windows-Desktop zurückkehren. Quelle: Screenshot
In einem Eintrag im Microsoft-Firmenblog hat Manager Antoine Leblond einige der Änderungen an dem Betriebssystem beschrieben. So sollen sich künftig zum Beispiel die Start-Bildschirme stärker und vor allem einfacher personalisieren lassen. Der Desktop-Hintergrund soll auch hinter den Start-Bildschirm gelegt werden können. Will der Nutzer die Kacheln der Apps neu organisieren oder deren Größe verändern, kann er jetzt mehrere Kacheln gleichzeitig bearbeiten und nicht mehr eine nach der anderen. Quelle: Screenshot
In Windows 8.1 können auch mehrere Apps gleichzeitig nebeneinander verwendet werden. Um das Multi-Tasking zu erleichtern, können die Programmfenster in ihrer Größe verändert werden. Auch hier gilt der Grundsatz, dass der Nutzer das System mehr auf seine persönlichen Vorzüge anpassen kann – wie zum Beispiel im Bild gezeigt eine Suche im Browser und die Umgebungskarte. In der linken Spalte bleibt die Übersicht über alle aktuell geöffneten Programme. Unten links können Sie übrigens den neuen alten Start-Button sehen. Quelle: Screenshot
Die SkyDrive-App bietet eine Übersicht über alle Dokumente, egal ob diese in der Cloud oder auf dem Gerät selbst gespeichert sind. Zudem sind die Cloud-Dateien auch stets offline verfügbar – zumindest auf dem Stand, als das Gerät zuletzt mit dem Internet verbunden war. Über die Cloud läuft auch der Austausch der persönlichen Einstellungen, ähnlich wie bei Apples iDevices. Sobald sich der Nutzer mit seinem Microsoft-Account anmeldet, zieht sich das Gerät automatisch Einstellungen und Apps, um den Umstieg auf ein neues Gerät einfacher zu machen. Das Update auf Windows 8.1 soll für Microsoft 8-Nutzer kostenlos sein. Quelle: Screenshot
Rückblick in den Oktober 2012: Auf dem Startbildschirm von Windows 8 liegen die Kacheln – mit einem Klick oder Fingerzeig starten die Programme. Welche gerade aktiv sind, können Nutzer sich in einer Leiste links anzeigen lassen. Quelle: Screenshot
Damit sich der Internet Explorer leichter per Touchscreen bedienen lässt, hat Microsoft die Bedienelemente deutlich vergrößert. Oben lassen sich die geöffneten Webseiten anzeigen, unten die aktuelle Adresse. Quelle: Screenshot
Große Bilder, große Überschriften: Die Apps sind extra für Touchscreens angepasst, etwa das Nachrichtenangebot Bing Sport. Quelle: Screenshot

Microsoft hat das Image eines Tech-Dinosauriers, dem es nicht gelungen ist, in die zwei derzeit wichtigsten Wachstumsmärkte dieser Dekade vorzudringen, Internet-Werbung und Mobilgeräte. Aber wirtschaftlich ist Microsoft dank des Unternehmensgeschäfts stärker denn je. Und die Investitionen in Big Data und Cloud Computing, argumentiert Wilcox, sind das Sprungbrett in neue Höhen. Vor allem wenn es Ballmers Nachfolger gelingt, die Scheu vor Android abzulegen und die Co-Existenz der Microsoft-Produkte mit Googles Android-Plattform zu managen.

Warum also sollte der Wiederaufstieg nicht gelingen? Schließlich hätte in den Neunzigerjahren auch niemand erwartet, dass sich Apple von einem fast bankrotten Unternehmen zur Perle der High-Tech-Welt emporschwingen würde.

Doch Wilcox’ Analyse hat eine Schwäche: Microsoft ist deshalb so stark in Unternehmen, weil deren IT-Manager mit Windows aufgewachsen sind. Ihre Nachfolger jedoch werden mit Google Apps, Android oder Apples iPhone und iPad groß. Ihr Verständnis von der IT und deren Benutzeroberflächen wird, statt von Microsoft, von dessen größten Konkurrenten geprägt.

Digitale Welt



Trotzdem könnte Ballmers Nachfolger noch die Kurve kriegen. Paradoxerweise gerade wegen der schwindenden Bedeutung von Windows. Je weniger Microsoft von seinem einstigen Schlachtschiff abhängig ist (und weniger Rücksicht darauf nehmen muss), umso freier kann es bei seinen Anwendungssoftware-Angeboten operieren. Beispielsweise Microsoft Office und dessen Online-Version Office 365, die zwar unter Attacke von Wettbewerbern wie Google Apps ist, aber noch eine Macht ist.

Startet Microsoft noch einmal durch? Klar ist, dass ausgerechnet der einst als Monopolist verschriene Konzern dem Markt heute als Gegengewicht zu Apple und Google guttun würde. Aber dass Microsoft Apple beim Unternehmenswert tatsächlich noch mal überholt, ist eine sehr gewagte These von Cole Wilcox.

Noch steiler als die von Teslas Aufstieg.

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