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Valley Talk

Yelp geht gegen den Trend - mit Erfolg

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Manchmal ist es besser, alles anders als andere zu machen – wie der Erfolg des Bewertungsportals Yelp beweist.

Kundenbewertungsportale im Internet
Shopping- und Branchenportaleciao.deReine Bewertungsportale wie Ciao haben den Nachteil, dass der Portalbetreiber nicht prüfen kann, ob der Schreiber einer Bewertung das entsprechende Produkt auch wirklich besitzt. Das macht Fälschungen leichter. Quelle: Screenshot
Shopping- und Branchenportaledooyoodooyoo ist eine Social-Shopping Plattform, auf der Mitglieder Testberichte und Erfahrungen mit Produkten oder Dienstleistungen veröffentlichen und bewerten können. Als reine Verbaucherplattform können nur Privatpersonen volles Mitglied werden und eigene Testberichte verfassen. Zum Schutz vor Missbrauch setzt dooyoo in erster Linie auf die Eigenverantwortung der Community, die nicht-neutrale Testberichte über eine Bewertungsfunktion etwa als '(nicht) hilfreich' deklarieren können. Daneben gibt es auch regelmäßig qualitative Kontrollen der Testberichte durch die Redaktion. Quelle: Screenshot
ReiseportaleHolidaycheckPortale wie Holidaycheck überprüfen mit einer Redaktion, wie plausibel eine Kundenbewertung ist und ob die Regeln von Recht und Anstand eingehalten wurden. Wird parallel zur Bewertung auch der Kauf von Produkten und Services angeboten, lässt sich einfacher Betrug verhindern – denn dann dürfen Kunden meist nur ihren Kauf beurteilen. Das kann allerdings gute Bewertungen Vorschub leisten, denn mit schlechten Bewertungen ist kaum ein Verkauf möglich. Quelle: Screenshot
ReiseportaleTripAdvisorTripAdvisor ist mit mehr als 150 Millionen individuellen Erfahrungsberichten von über 60 Millionen registrierten Mitgliedern zweifelsfrei eines der erfolgreichsten Bewertungsportale weltweit. Die Touristik-Website bietet authentische Erfahrungsberichte und Meinungen zu 4 Millionen Unternehmen, davon 2 Millionen Restaurants, 775.000 Hotels und 400.000 Sehenswürdigkeiten in 139.000 Reisezielen. Quelle: Screenshot
Standortbezogene BewertungsportaleYelpGerade wer in einer fremden Stadt unterwegs ist, wird ortsgebundene Bewertungsportale wie Yelp zu schätzen wissen. Sucht er nach einem Restaurant oder eine touristischen Attraktion in seinem Umkreis, können die Meinungen anderer sehr hilfreich sein. Quelle: Screenshot
Standortbezogene BewertungsportalegolocalDie Bewertungsplattform golocal, Partner von Das Örtliche, Das Telefonbuch und Gelbe Seiten, ist ein soziales Netzwerk für die Bewertung und Empfehlung lokaler Angebote in deutschen Städten und Gemeinden. Über das Portal lassen sich Geschäfte und Dienstleister unterschiedlichster Branchen wie Kinos, Restaurants, Hotels, Ärzte oder aber auch Behörden und weitere Einrichtungen vor Ort bewerten. Beim Missbrauchsschutz setzt golocal, wie die meisten anderen Plattformen, auf die (negative) Bewertung einzelner Empfehlungen durch die Community, deren Mitgliedschaft kostenlos ist. Quelle: Screenshot
Standortbezogene BewertungsportaleFoursquareIm Gegensatz zu den zu anderen Bewertungsportalen ist Foursquare ursprünglich nicht als solches konzipiert gewesen. Vielmehr handelt es sich um ein soziales Netzwerk, welches den aktuellen Standort eines Nutzers festhält. Diese können an ihrem jeweiligen Standort „einchecken“ und ihn mit anderen Usern teilen. Seit einiger Zeit bietet Foursquare außerdem die Möglichkeit, Orte (indirekt) zu bewerten und standortbezogene Empfehlungen auszusprechen. Quelle: Screenshot

Erfolg im Silicon Valley lässt sich nicht in Formeln pressen. Manchmal ist es sogar sinnvoll, ganz bewusst gegen die gerade geltenden Lehren im High-Tech-Tal zu handeln. So wie Yelp. Als Jeremy Stoppelman und Russell Simmons, beide einst PayPal-Entwickler, vor zehn Jahren die Empfehlungsseite für lokale Dienstleistungen gründeten, schwebte ihnen eine Art moderne Gelbe Seiten vor. Mitarbeiter und angeheuerte Schreiber sollten die Besprechungen ähnlich wie beim Wettbewerber Citysearch verfassen. „Wir konnten uns nicht vorstellen, dass jemand freiwillig eine chemische Reinigung bewertet“, erinnert sich CEO Stoppelman in seinem Hauptquartier in San Francisco, wo sein Start-up im historischen Hochhaus des einstigen Telefonkonzerns Pacific Bell residiert.

Trotzdem gestatteten die Gründer auch Außenstehenden, ihre Erfahrungen auf Yelp zu publizieren. Was als Test gedacht war und für viel Skepsis sorgte, brachte den Durchbruch. Eigentlich hätten die Yelp-Gründer das Angebot so schnell wie möglich auf andere Städte ausweiten müssen, um Nachahmern zuvorzukommen. Stattdessen beschränkten sie sich zunächst auf ihre Heimat San Francisco. „Viele regionale Ableger mit wenig Inhalten hätten nichts gebracht“, sagt Stoppelman heute.

Wie sich Startups an der Börse entwickelt haben

Auch den im Valley gern gewählten Weg, erfolgreiche Konkurrenten aufzukaufen, ist Yelp nicht gegangen. In den zehn Jahren seiner Existenz hat die Firma gerade einmal zwei Start-ups erworben – SeatMe, ein Reservierungsservice für Restaurants aus Seattle, sowie den deutschen Wettbewerber Qype. Eigentlich bevorzugt Stoppelman organisches Wachstum. Der ursprüngliche Plan war, Yelp in Deutschland zu etablieren. „Aber Qype war ohnehin von uns inspiriert, nur das geschäftliche Fundament fehlte noch“, meint Stoppelman. Zudem sei auch der Preis einfach zu gut gewesen.

Yelp ist heute noch immer ein selbstständiges Unternehmen, weil Stoppelman nie bereit war, an Wettbewerber zu verkaufen. Diese Hartnäckigkeit führte zu schweren Bewährungsproben. 2006 drohte das Unternehmen zum ersten Mal übernommen zu werden. Yahoo hatte damals einen Korb von Facebook bekommen und war nun an Yelp interessiert. Die Kaufsumme war eher bescheiden. Das änderte sich 2009, als Yahoo und Google sich ein Bietergefecht um Yelp lieferten. Die meisten Gründer im Silicon Valley hätten wohl verkauft. Auch weil ihre Geldgeber sie in der Regel dazu gezwungen hätten. Stoppelman widersetzte sich. Seine Investoren ließen sich von ihm überzeugen, dass Yelp eigenständig viel mehr wert sein könnte. Was sich bestätigte, als es 2012 an die Börse ging. Derzeit wird Yelp mit 4,6 Milliarden Dollar bewertet.

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Als ich Stoppelman fragte, was er damals empfunden habe, gab er zu, der Reiz des schnellen Geldes sei groß gewesen. „Ich hatte damals noch kein eigenes Vermögen aufgebaut“, erinnert er sich. „Es war schon verlockend.“ Doch der Gründer hielt es ähnlich wie Mark Zuckerberg, der einer ähnlichen Offerte von Yahoo widerstanden hatte. „Erfolgreiche Ideen mit viel Potenzial sind rar“, meint Stoppelman, der Yelp zu einer internationalen Größe ausbauen will. Derzeit ist das Unternehmen in 27 Ländern aktiv.

Diese Entschlossenheit hat ihm auch die Kraft gegeben, sich mit Google anzulegen. Mehr als einmal hat der Suchgigant versucht, Yelp an die Wand zu drücken. Nicht immer mit lauteren Methoden. Daher ist Stoppelman einer der wenigen Unternehmer im Silicon Valley, die öffentlich vor der wachsenden Macht Googles warnen. Aber bisher habe er sich erfolgreich wehren können, „weil wir das bessere Produkt haben“. Das attraktivere Angebot zu haben ist zwar nicht automatisch eine Erfolgsformel. Aber bei Yelp hat es funktioniert.

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