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Von Nullen und Einsen

Alternativen zu Facebook & Co.

Google+ hat sich als interessante Alternative zum Riesennetz Facebook etabliert. Doch das neue Social Network des Internet-Giganten Google verschafft diesem nur noch mehr interessante wie detaillierte Userdaten - was nicht unbedingt im Interesse der Nutzer ist. wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan meint deshalb, dass es Zeit wird, sich die kleineren Konkurrenten näher anzusehen.

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Schreenshot des Sozialen Quelle: dpa

Als Google+ Ende Juni auf den Markt kam, ging ein Raunen durch die Internet-Szene: Da hatte es der Online-Riese doch scheinbar endlich geschafft, im bislang von ihm kaum eroberten Markt der sozialen Netzwerke einen echten Treffer zu landen. Optisch elegant, mit der Möglichkeit, Freunde und Bekannte in Gruppen (sogenannte Circles) einzuteilen, ergänzt um eine einfache Benutzbarkeit - so machte Google seine Facebook-Alternative schnell bekannt. Technikfreaks, auch die üblichen Verdächtigen aus Deutschland, balgten sich bald um Einladungen.

Mittlerweile ist der Dienst weitgehend offen für alle Interessierten und soll mindestens 25 Millionen Mitglieder haben. (Zum Vergleich: Facebook hat 750 Millionen.) Doch die große Begeisterung wie am Anfang ist gewichen.

Google leistete sich nämlich einige unschöne Patzer. So gibt es bei Google+ nach wie vor den Zwang, seinen Klarnamen zu verwenden. Diese Voraussetzung existiert bei Facebook zwar auch, doch Google gab sich hier besonders streng: Selbst Menschen mit realen Namen, die nur etwas merkwürdig klangen, sahen sich von dem sozialen Netzwerk ausgeschlossen.

Google verknüpft seine Daten mit Klarnamen

Und Google machte die Sache noch schlimmer, als es eigentlich notwendig wäre: Statt die User nur aus Google+ zu werfen, gingen auch andere Google-Funktionen flöten, die gar nichts mit der Facebook-Alternative zu tun hatten - etwa die Möglichkeit, Nachrichten im Leseprogramm Google Reader mit anderen zu teilen. Selbst über Probleme beim Zugang zum populären E-Mail-Dienst Google Mail klagten einige aus Google+ Verbannte - wobei der Internet-Riese hier betonte, dass es sich hierbei nur um unglückliche Zufälle der Gleichzeitigkeit gehandelt habe.

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Standort erkennen

    Doch all dieser Stress stört mich an Google+ ehrlich gesagt weniger. Natürlich wäre es sinnvoll, wenn Pseudonyme erlaubt würden. Doch das ist nicht das eigentlich Grundprobleme. Das liegt eher darin, dass man, wenn man aktiver Nutzer von Google+ ist, dem Internet-Riesen noch mehr Daten verschafft, als der sowieso schon besitzt - und das auch noch, zumindest theoretisch, verknüpft mit Klarnamen.

    Natürlich wird sich Google nicht trauen, mit diesen Daten Handel zu treiben und Reklame an gezielte Einzelpersonen zuzulassen. Aber zumindest über genau definierte Zielgruppen werden Werbetreibende bald arbeiten können. Google hat dank Google+ also nicht nur die Suchdaten der User, die mindestens neun Monate gespeichert werden, sondern gegebenenfalls noch das persönliche Beziehungsnetz, die "+1"-Bewertungen aus dem Web, mit denen man seine Präferenzen mitteilt und einiges mehr. Da kann Google noch so sehr betonen, man werfe all diese Infos nicht in einen Topf: Sie fallen bei ein und dem selben Konzern an, dessen Haupteinnahmen zu 90 Prozent die Vermarktung von Zielgruppen (vulgo: Online-Werbung) darstellt.

    Oligopole knacken

    Aus diesem Grund halte ich es für höchst sinnvoll, sich nach Alternativen zu den Branchenriesen umzusehen. Das Problem bei sozialen Netzwerken: Diese sind vor allem dann nützlich, wenn möglichst viele Personen aus dem Bekannten- und Freundeskreis sich bei einem Anbieter tummeln. Aus diesem Grund sind Unternehmen wie Facebook, Google+, Linkedin oder Xing gut aufgestellt, ständig User-Nachschub zu generieren. "Wo bist Du", fragt man seine Freunde - und begibt sich dann zum gleichen Anbieter.

    Doch es gibt eine Möglichkeit, diese Oligopole zu knacken: Sogenannte private soziale Netzwerke. Dabei beginnt man nicht mit der Idee, dass man bei einem Anbieter sein möchte, wo man möglichst viele (auch neue) Leute trifft. Sondern man beginnt mit der Fragestellung, wen man denn gerne wirklich in seinem sozialen Netzwerk sehen möchte. Diese Personen lädt man anschließend einfach ein. Handelt es sich bei dem Angebot um einen attraktiven Dienst, der nicht weiter stört, kann so etwas durchaus klappen.

    Screenshot der iPhone-App Glassboard

    Ein Beispiel für diesen neuen Typ von Netzwerk ist die für iPhone, Android und Windows Phone 7 verfügbare App Glassboard. Das Motto: "Private Group Sharing Done Right" - privates Teilen in der Gruppe, aber richtig. Bei Glassboard kann jeder Nutzer sogenannte Bretter (Boards) einrichten, in denen man dann, wie bei Google+, Nachrichten, Bilder, Links oder Videos miteinander teilt. Derjenige, der ein Board gründet, darf entscheiden, wer dort hinein kann. Über Einladungen füllt sich die Gruppe schnell. Die App ist elegant gestaltet, arbeitet nur verschlüsselt und die Firma hat eine recht lobenswerte Datenschutzpolitik - verkauft wird hier nichts. Momentan ist Glassboard noch kostenlos.

    Wer es lieber wie bei Twitter hat, sollte wiederum einen Blick auf Yammer werfen. Als "Enterprise Social Network" gedacht, kann man hier innerhalb der eigenen Firma ein Kurznachrichtennetzwerk aufbauen, das alle Funktionen enthält, die man vom "Original" kennt - und noch ein paar mehr. Zugriff auf die jeweiligen Netze haben nur zugelassene User, selbst anmelden kann man sich nur mit einer Firmen-E-Mail. Je nach Preisstufe - die Standardvariante ist frei - können Unternehmen das Gewusel auf Yammer mehr oder weniger fein abstufen. Die Gefahr, dass hier irgendetwas ins freie Web gelangt, besteht nicht: Yammer-Zugriff erhalten nur Mitglieder.

    Ein ambitioniertes Projekt haben wiederum die jungen Leute von der Facebook-Alternative Diaspora vor - ein soziales Netzwerk ohne zentrale Instanz, gesteuert von jedem einzelnen Nutzer. Technisch eine durchaus große Herausforderung, könnte der frei nutzbare Dienst dazu führen, dass die Zentralisierung im Social-Networking-Sektor aufhört. Allerdings ist bis dahin noch einiges zu leisten - bislang tummeln sich in dem Netz nur relativ wenige Freaks. Doch das Team hat Zeit: 200.000 Dollar Startkapital wurden im vergangenen Jahr eingesammelt.

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