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Von Nullen und Einsen

Die Rückkehr der Riesenbrille

Ende der 90er Jahre waren Virtual-Reality-Gläser in Mode: Science-Fiction-Verfechter dachten damals, dass wir damit bald in 3D-Online-Welten aufbrechen würden. Getan hat sich hier bislang jedoch wenig.

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Sony bringt nach Jahren mit der HMZ-T1 wieder eine Videobrille auf den Markt. Kann die Technik überzeugen? Ben Schwan hat die Brille für Sie getestet. Quelle: Sony

Ich muss zugeben, dass mich die Technik schon immer fasziniert hat: Als Ende der 90er Jahre der Trend zu sogenannten Videobrillen aufkam, habe ich mir auch eine besorgt. Die Idee dabei war, dass man Computerspiele oder Filme in seinem Privatkino betrachten sollte, abgeschottet von der restlichen Welt. Praktisch gesehen handelt es sich bei der Geräten um Head-Mounted-Displays, also Bildschirme, die man auf beziehungsweise am Kopf trägt. Kleine Displays werden dabei vor den Augen platziert. Damals war das in der Verwendung noch leidlich primitiv: Die Auflösung der kleinen LC-Schirme war minimal und pixelig; man hatte eher das Gefühl, sich Briefmarken vor beide Augen geklebt zu haben. Entsprechend setzte sich die Technik auch nur in Nischenbereichen durch - etwa für Industrie - und Design-Anwendungen.

Fortgeschrittene Technik, umfangreiche Installation

Beim japanischen Elektronikkonzern Sony hat man den Traum von der Videobrille für den Massenmarkt aber augenscheinlich nicht aufgegeben - und mit der nun erstmals seit längerem wieder ein neues Modell aufgelegt. Größter Unterschied zu früheren Konzepten: Die Bildqualität wurde deutlich gesteigert. Das ist vor allem den zwei OLED-Minischirmen zu verdanken, die eine Auflösung von 1280 mal 720 Bildpunkten pro Stück leisten - bei einer Größe von nur 0,7 Zoll. Hochgerechnet soll man so das Gefühl bekommen, aus 20 Metern Entfernung auf einen 750-Zoll-Bildschirm zu blicken.

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Doch vor dem Sehvergnügen verlangt Sony erst einmal eine ausgiebige Einrichtung und Einstellung - ein simples Set-up, wie man es von Apple & Co. mittlerweile gewöhnt ist, erwartet den frischgebackenen Käufer nicht. In der Verpackung der knapp 800 Euro teuren HMZ-T1 liegen neben der Brille, die optisch sehr retromäßig daherkommt, auch noch ein Konverterkästchen, Stromkabel, HDMI-Strippe sowie mehrere kunstlederbezogene Stirnkissen. Leicht ist die Installation nicht: Es dauert eine ganze Weile, bis man die Brille korrekt vor den Augen platziert hat. Dabei hilft nicht gerade, dass das Grundgerät an sich schon 420 Gramm wiegt - umso wichtiger ist der ergonomische Sitz, sonst lastet die HMZ-T1 fast vollständig auf der Nase. Bei der Ausrichtung muss man darauf achten, dass Hinterkopfband und Stirnkissen korrekt sitzen und die Bildschirme adäquat ausgerichtet sind - für letzteres gibt es eine mechanische Einstellhilfe. Ist die Brille nicht korrekt auf dem Kopf platziert, kann es schnell unangenehm werden: Dann drückt sie zu stark auf Stirn oder Riechorgan und hinterlässt sogar Abdrücke.

Am Konverterkasten lassen sich verschiedene Videoquellen per HDMI-Kabel anschließen (zum Vergrößern bitte Bild anklicken). Quelle: Sony

Nach der Ausrichtung wird ein kurzer Software-Einstellprozess durchlaufen, bei dem geprüft wird, ob die Ausrichtung stimmt - auch im Sinne der 3DTV-Darstellung, die die HMZ-T1 wie ein entsprechender Fernseher beherrscht. Videoquellen werden per HDMI-Kabel an das Konverterkästchen angeschlossen. Damit man nicht ständig an- und abstöpseln muss, lässt sich hier das Signal auch durchschleifen. Eine Spielekonsole oder ein Blu-ray-Spieler können so gleichzeitig an Fernseher und Videobrille hängen.

Die Brille im Test

Kann die Bildqualität noch auf ganzer Linie überzeugen, fällt der Sound der integrierten Kopfhörer eher mager aus. Quelle: Sony

Der erste Test der Bildqualität der HMZ-T1 fiel gut aus: Die OLED-Schirme sorgen für ein sehr scharfes Bild. Es ist sogar möglich, PC-Arbeiten mit der Brille zu erledigen, wäre da nicht auf Dauer das Gewicht. Störend ist allerdings, dass die Schärfe in Richtung der Ränder bauartbedingt nachlässt. Für Video- oder Spieleanwendungen ist das nicht total störend, einen Computer will man so auf längere Zeit aber nicht bedienen.

Das Betrachten von Videos macht Spaß. Die Farben sind satt, die Konturen schön. Ganz vergessen, dass man eine Videobrille aufhat, kann man allerdings nicht. Das liegt daran, dass die Außenabschirmung nicht optimal ist: Oben und von der Seite kann in hellen Räumen Licht eindringen, außerdem gibt es Lichtspiegelungen. Dagegen sollen unten kleine Gummibeschattungen helfen, die man auf Wunsch mit viel Gefummel anbringen kann. Der Klang der eingebauten Kopfhörer geht in Ordnung - wobei Sony hier vermutlich besser den Nutzern die Wahl gelassen hätte, eigene Stöpsel zu verwenden. Surround-Klang unterstützten die Brille nur virtuell, dieser ist manchmal etwas dumpf.

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26/27 Zoll: Sony KDL-26EX320In der kleinsten Testkategorie der 26- und 27-Zoll-Geräte (ca. 66 cm Bildschirmdiagonale) erreichte der Sony KDL-26EX320 als einziges getestetes TV-Gerät noch knapp die Note gut (2,5) – alle anderen Geräte erreichten nur befriedigend. Das Sony-Gerät überzeugte die Stiftung Warentest bei Bildqualität, Tonqualität, Vielseitigkeit und Umwelteigenschaften. Hier schnitt das Gerät jeweils mit der Note gut ab. Nur befriedigend fanden die Tester dagegen den Ton. Das Gerät kostet nach Angaben der Stiftung Warentest im Handel rund 435 Euro. Bei diesem und allen nachfolgenden Tests aus dem „Spezial Fernsehgeräte“ der Stiftung Warentest wurde die Bildqualität jeweils am stärksten gewichtet (40 Prozent der Endnote), Ton und Handhabung am zweitstärksten (jeweils 20 Prozent) und Vielseitigkeit und Umwelteigenschaften am wenigsten (jeweils 10 Prozent). Quelle: Stiftung Warentest
32 Zoll: Philips 32PFL9606KUnter den kleinen Fernseher der 32-Zoll-Klasse (ca. 81 cm Bildschirmdiagonale) schnitt der Philips 32PPFL9606K am besten ab. Die Stiftung Warentest benotete das TV-Gerät für rund 980 Euro mit der Note gut (2,0). Gut schnitt das Gerät bei der Bild- und Tonqualität und den Umwelteigenschaften ab. Sogar sehr gut bei der Vielseitigkeit. Nur befriedigend beurteilten die Tester dagegen die Handhabung. Günstige Alternative: Der Philips 32PL7406K schneidet mit der Testnote gut (2,2) nicht viel schlechter ab, ist mit einem mittleren Straßenpreis von 660 Euro aber deutlich preiswerter. Quelle: Stiftung Warentest
37 Zoll: Sony KDL-37EX725Mit der Note gut (2,1) schnitt bei den 37-Zöllnern das Sony-Gerät KDL-37EX725 am besten ab. Als gut bewerteten die Tester Bild, Handhabung und Umwelteigenschaften – sehr gut war die Vielseitigkeit. Nur der Ton konnte nicht gänzlich überzeugen: befriedigend. Im Handel kostet das Gerät rund 825 Euro. Wer größeren Wert auf den Ton legt, kann zum Philips 37PFL6606K greifen. Er erreichte ebenfalls die Note gut (2,2) und schnitt beim Ton besser, bei Handhabung und Vielseitigkeit dafür schlechter ab. Preis: rund 745 Euro. Quelle: Stiftung Warentest
40-42 Zoll: Samsung UE40D7090In der beliebten Klasse der Fernseh-Geräte von 40 bis 42 Zoll (ca. 102 bis 107 cm) fand die Stiftung Warentest das beste Geräte des gesamten Testfelds: Der Samsung UE40D7090 schnitt mit der Note gut (1,9) ab – der Spitzenwert im Test. Gut bewerteten die Tester Bild, Handhabung und Umwelteigenschaften, sehr gut die Vielseitigkeit. Nur befriedigend fanden die Tester den Ton. Der Preis: stolze 1260 Euro. Günstige Alternative: Der Philips 42PFL7606K schnitt ebenfalls mit gut ab (2,1), ist etwas größer und kostet mit 885 Euro deutlich weniger. Quelle: Stiftung Warentest
46-47 Zoll: Philips 47PFL7606KIn der Kategorie der großen Serienfernseher ab 117 cm Bildschirmdiagonale (46 und 47 Zoll) hat Philips die Nase vorn. Der Philips 47PFL7606K schnitt mit der Note gut (2,1) in dieser Größenkategorie am besten ab. Bild, Ton und Vielseitigkeit waren gut, Handhabung befriedigend und Umwelteigenschaften sehr gut. Das Gerät kostet rund 1220 Euro. Günstige Alternative: Für nur 725 Euro gibt es den Sony KDL-46CX520 im Handel zu kaufen, der ebenfalls mit gut (2,2) abschnitt. Quelle: Stiftung Warentest
Plasma-Geräte und Billig-Anbieter fallen durchIn den beiden größten Kategorien 40 bis 42 und 46 bis 47 Zoll testete die Stiftung Warentest neben LCD-Geräten auch Fernseher mit Plasma-Technologie. Diese schnitten aber durchgehend deutlich schlechter ab als die LCD-Konkurrent. Das beste Plasma-Gerät im Test, der Panasonic TX-P42ST33E, erhielt nur ein befriedigend (2,7). Auch Billig-Anbieter wie Medion, Orion oder Telefunken sahen sich die Tester an. Der Rat der Stiftung Warentest: Finger weg! Schlechte Bildqualität und hoher Stromverbrauch waren die Nachteile der Billig-Geräte. Sämtliche 60 Fernsehgeräte im ausführlichen Test sowie allgemeine Hinweise zum Gerätekauf und Fernsehempfang finden Sie in dem „ Spezial Fernsehgeräte“ der Stiftung Warentest, das Sie für 7,80 Euro bestellen oder direkt downloaden können. Quelle: Reuters

Mitten-drin-Gefühl dank hervorragender 3D-Technik

Wirklich beeindruckend wird die Benutzung der HMZ-T1 aber erst im Zusammenhang mit 3D-Spielen. Da die Brille 3DTV-kompatibel ist, kann man sowohl Playstation 3 als auch Xbox 360 oder eine passende PC-Videokarte verwenden. Da die Bildschirme für beide Augen getrennt arbeiten und beide die volle Auflösung besitzen, ist der 3D-Effekt genauer als auf einem 3D-Fernseher - Flimmerstörungen, die hier durchaus vorkommen können, existieren schlicht nicht. Eine Runde "Gears of War 3" ließ mich nicht nur virtuell ins Schwitzen kommen, man wird erstaunlich hautnah ins Spiel versetzt.

Die technische Qualität von Sonys neuer Videobrille weiß also zu überzeugen. Allerdings hapert es derzeit noch bei der Ergonomie. Je nach Kopfform kann die Einstellung schwierig werden, der Tragekomfort landet im Schulnotensystem höchstens zwischen 3- und 4+. Auch beim Gewicht gibt es noch einiges zu tun. Schick wäre außerdem ein sogenanntes Headtracking, mit dem die Brille Bewegungen des Kopfes an einen Rechner oder eine Konsole sendet - Bastler haben so etwas schon realisiert.

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Bleibt als Fazit nur, Sony zu seinen tollen OLED-Displays zu beglückwünschen, die Japaner aber zu bitten, weiter am Design zu basteln. Eventuell motiviert sie ja das deutsche Unternehmen Zeiss, das im Sommer ebenfalls eine OLED-Videobrille auf den Markt bringen will.

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