Von Nullen und Einsen

Nicht ohne mein DSL- drahtlose Alternativen im Test

Was tut man, wenn man mehrere Wochen lang ohne Festnetz-Internet-Zugang dasteht? WirtschaftsWoche Online hat neue drahtlose Zugangswege ausprobiert. Das Ergebnis ist ernüchternd - und das nicht wegen der Technik.

Den Stecker gezogen: Technik-Kolumnist Ben Schwan hat seinen Festnetz-Internet-Zugang gekappt und die Welt der neuen drahtlosen Zugangswege getestet - Mit ernüchterndem Ergebnis Quelle: dpa

Es dürfte vielen Menschen ähnlich gehen: Ein ausreichend schneller Internet-Zugang ist für mich mittlerweile fast so wichtig geworden wie Strom und fließendes Wasser. Entsprechend angefressen war ich auch, als mir ein an dieser Stelle nicht näher auszuführender Fehler meines DSL-Anbieters mehrere Wochen lang einen Netzausfall bescherte. Als Technikjournalist nutzt man solche technologischen Desaster ja gerne produktiv - also entschloss ich mich, in dieser Zeit neue drahtlose Zugangswege ins Netz zu testen.

Als erstes griff ich mir meinen drahtlosen Hotspot. Diesen verwende ich normalerweise, wenn ich in fremden deutschen Städten unterwegs bin, um mein Notebook online zu bringen, ohne fremde WLAN-Netze nutzen zu müssen. Das kompakte Gerät zum Preis von knapp 150 Euro erlaubt es, Mobilfunk-Internet bis hoch zum HSPA+-Standard mit zweistelligen Megabit-Durchsatzraten per WLAN mit einer Handvoll Hardware zu teilen - egal ob es nun ein Tablet, ein Laptop oder ein Smartphone ist. Dafür habe ich einen eigenen Datentarif bei einem Mobilfunkdiscounter abgeschlossen, der mich knapp 30 Euro im Monat kostet und Zugang zum T-Mobile-Netz erlaubt.

Anfangs klappte diese Form der Internet-Anbindung weitgehend prima - auch die anderen Mitglieder des Haushalts ließen sich problemlos versorgen. Die Durchsatzrate lag zwar unter dem, was ich von meinem ADSL-2+-Anschluss mit 16 Mbit gewohnt war - rund 1,2 bis 1,5 Megabyte pro Sekunde sind hier drin. Doch zwischen 500 und 800 Kilobyte pro Sekunde waren in der Spitze durchaus möglich. Ich musste nur ab und zu die Position des Hotspots optimieren.

So holen Sie mehr aus Ihrem WLAN
Chip-HarmonieDer aktuell schnellste WLAN-Standard hat den kyrptischen Namen 802.11n, der den älteren Standard 802.11g ablöst. Kaufen Sie neue WLAN-Geräte, sollten Sie auf die Unterstützung von 802.11n achten. Damit haben Sie dann auch automatisch ein Gerät, das sowohl auf 2,4 wie auch auf 5 GHz funken kannn (siehe nächstes Bild). Der n-Standard erlaubt einen theoretischen Datendurchsatz von bis zu 300 MBit pro Sekunde, der in der Praxis durch Störungen und Verwaltungs-Overhead bei Datenverbindungen aber nie erreicht wird. So viel zur Standard-Theorie – in der Praxis ist das Thema noch komplizierter. Denn nicht jeder WLAN-Chip im WLAN-Router mit jedem Chip in einem WLAN-Empfänger gleich gut. Auf den Hersteller kommt es an. Fast durchweg gute Ergebnisse liefert der Atheros-Chiopsatz, der beispielsweise in der populären Fritzbox verbaut wird. Eine Ausnahme sind allerdings Ralink- und Broadcom-Chipsätze auf der Empfängerseite – hier liefert der Atheros-Chip eine sehr unterdurchschnittliche Leistung. Eine Übersicht finden Sie bei der Computerbild. In der Entwicklung befinden sich derzeit die Gigabit-WLAN-Standards 802.11ac und 802.11ad. Sie sollen noch weit höhere Datendurchsätze erreichen. Quelle: obs
Auf 5 GHz ist der Nutzer meist alleinViele moderne WLAN-Stationen können auf zwei Frequenzbändern funken: 2,4 GHz und 5 GHz. In jedem Fall gilt das, wenn sie den aktuellen Standard 802.11n beherrschen. Grundsätzlich gilt: Auf 2,4 GHz ist man nie allein. Nach wie vor ist das der Standard für den WLAN-Funk – und einige Geräte wie Apples iPhone beherrschen auch gar kein anderes Frequenzband im WLAN. Wenn Sie daher bemerken, dass der Empfang durch zu viele WLAN-Stationen in der Nachbarschaft gestört ist, probieren Sie alternativ das freie 5-GHz-Frquenzband aus. Theoretisch ist die Dämpfung des Datenfunks durch Wände beim 5-GHz-Frquenzband etwas höher. Das spielt in der Praxis aber meist eine geringere Rolle als die Störungen durch andere WLAN-Stationen. Die theoretische Reichweite des 5-GHz-Datenfunks ist dank höherer maximaler Sendeleistung größer. Außerdem werden auf 5 GHz auch mehr Kanäle angeboten, sodass sich WLAN-Stationen gegenseitig weniger stören – selbst wenn sie alle auf 5 GHz funken. Wenn nicht alle Ihre Geräte das 5-GHz-Frequenzband unterstützen, richten Sie Ihre WLAN-Station im Dual-Betrieb ein. So können sich die Geräte, die 5 GHz bereits unterstützen, auf dieser Frequenz mit dem Router verbinden - die anderen nutzen nach wie vor 2,4 GHz. Quelle: obs
SignalverstärkerWenn auch die Umstellung auf das 5-GHz-Frequenzband nicht reicht, um das WLAN-Signal in die letzten Winkel der Wohnung zu tragen, empfiehlt sich der Einsatz eines WLAN-Signalverstärkers. Sogenannte WLAN-Repeater wird der Empfang verbessert – allerdings zulasten der theoretischen Maximalgeschwindigkeit. Aber Achtung: Nicht alle Repeater harmonieren mit allen WLAN-Stationen – hier ist Recherche angesagt. Eine Alternative zum Kauf eines speziellen Geräts ist der Einsatz eines normalen Routers, der im Repeater-Modus betrieben wird. So können beispielsweise die Fritz-Boxen mit WLAN auch als Repeater genutzt werden. Bei älteren Versionen muss dazu möglicherweise ein Firmware-Update eingespielt werden. Um Kompatibilitätsproblem zu vermeiden, setzen sie am besten auf eine WLAN-Station vom selben Hersteller wie ihre erste Station, wenn Sie sie als Repeater nutzen wollen. Quelle: PR
Externe WLAN-AntenneEine kostengünstige Alternative zum WLAN-Repeater kann auch der Einsatz einer größeren externen WLAN-Antenne sein. Dazu muss Ihre WLAN-Station über eine abschraubbare Antenne verfügen. Das ist beispielsweise bei den verbreiteten D-Link-Routern der Fall. Günstige Antennen gibt es bereits ab rund 20 Euro, Profi-Modelle können mehrere Hundert Euro kosten. Während omnidirektionale Antennen in alle Richtungen gleichzeitig funken, bündeln Richtfunkantennen das Signal und schicken es in eine bestimmte Richtung. Dadurch erhöht sich die Reichweite in diese Richtung enorm. Welche Antenne sich anbietet, kommt auf die Bauweise der Wohnung an. Quelle: TP-LINK
Dank Stromleitung durch die dickste WandStahlbeton, mehrere Etagen oder dickes Gemäuer – es gibt Fälle, in denen selbst Repeater und externe WLAN-Antennen das Signal nicht in den letzten Winkel des Hauses bringen. Doch auch diese Fälle sind nicht hoffnungslos. Ein WLAN-Signal kann nämlich auch die dicksten Mauern passieren, wenn es dazu vorübergehend durch die Stromleitungen des Hauses geschickt wird. Dazu kommt ein sogenannter DLAN-Wireless-Adapter zum Einsatz. Ein Starter-Set mit zwei Adaptern kostet rund 140 Euro. Eine der beiden Adapter wird dabei mittels Ethernet-Kabel mit der WLAN-Station verbunden. Der andere Adapter bringt das WLAN-Signal dann selbst durch die dicksten Wände. Quelle: Devolo
EnergiesparerDie meisten WLAN-Router laufen immer – ob sie gebraucht werden oder nicht. Das schadet der Umwelt und dem Geldbeutel. Wenn Sie wissen, dass Sie Ihren heimischen WLAN-Router zu bestimmten Zeiten ohnehin nie benötigen, weil sie schlafen oder auf der Arbeit sind, lohnt sich eine zeitgescheuerte Pause im Betrieb. Wie Sie diese einstellen, erklärt die Computerbild in einem Artikel. Die Fritz-Box-Modelle 3270, 7170 und 7270 können die WLAN-Leistung automatisch nach Bedarf anpassen. Quelle: PR
Sicher ins DrahtlosnetzDie Zeiten, in denen WLAN-Nutzer ihre Daten völlig unverschlüsselt in den Äther jagten, sind zum Glück längst vorbei. Heute werden alle WLAN-Router standardmäßig mit der WLAN-Verschlüsselung WPA2 ausgeliefert, der bei der Wahl eines sicheren Passworts einen guten Schutz vor Lauschangriffen bietet. Doch genau hier liegt der Knackpunkt: Passwörter, die in einem Lexikon zu finden sind, können leicht geknackt werden. Doch selbst kompliziertere Passwörter sind im Cloud-Zeitalter nicht mehr unbedingt sicher, wenn sie zu kurz sind. So knackte Anfang 2011ein IT-Experte Thomas Roth  das Passwort seines Nachbarn innerhalb von nur 20 Minuten - mit Rechenkraft aus der Cloud von Amazon für 20 Cent die Minute. Dazu waren lediglich zwei Intel-Xeon-Prozessoren und zwei extrem schnellen Grafikprozessoren von Nvidia notwendig. Wählen Sie daher in jedem Fall ein langes und sicheres Passwort mit Sonderzeichen. Viele WLAN-Router bietet außerdem die Möglichkeit, nur bestimmte Geräte im WLAN zuzulassen, die anhand ihrer MAC-Adresse identifiziert werden. Unter Windows erfahren Sie die MAC-Adresse Ihrer WLAN-Schnittstelle über die Kommandozeile (Start-Menü -> Ausführen -> cmd) mit dem Befehl ipconfig /all. Zusätzlichen Schutz bieten verschlüsselte SSL-Verbindungen, beispielsweise beim Online-Banking oder beim Zugriff auf E-Mails. Abzuraten ist in jedem Fall von veralteten Routern, die nur den unsicheren Verschleierungsstandard WEP unterstützen. Quelle: dpa

Das Problem mit dem Datenvolumen

Ich nutzte das Netz ähnlich, wie ich es auch im Festnetz tue - die übliche Lektüre von Nachrichtenbergen, verbunden mit dem ein oder anderen YouTube- oder Tagesschau-Clip. Was ich mir allerdings explizit sparte, waren größere Downloads. Auch ganze Filme streamte meine Familie in der Zeit nicht. Insgesamt hatten wir das Gefühl, eher pfleglich mit der kostbaren Drahtlosverbindung umzugehen.

Der Schock kam dann allerdings nach nur drei Tagen. Ich hatte parallel eine Datenerfassung mitlaufen lassen, um zu kontrollieren, wie viele Megabyte wir denn verbraten würden. Fünf Gigabyte im Monat stehen mir eigentlich zur Verfügung. Doch dreieinhalb davon waren schon weg. Nachdem ich mir an Tag 4 und 5 neben dem normalen Surfverhalten noch den Download eines vollständigen Albums von iTunes gönnte sowie mehrere Kindle-Bücher heruntergeladen hatte, war Schluss mit lustig: Das Limit war überschritten.

Wer die Gepflogenheiten des deutschen Mobilfunkmarktes nicht kennt, könnte nun meinen, dass das alles kein Problem sei. Schließlich habe ich für meine 30 Euro ja einen Pauschaltarif, vulgo "Flatrate", erworben. Mehr zahlen muss ich also keinesfalls. Allerdings reduzierte sich die Übertragungsrate drastisch: Nur noch sage und schreibe 64 Kilobit pro Sekunde standen uns nach Überschreiten des Limits zur Verfügung. Das entspricht Online-Steinzeit mit ISDN und war, wie ich nach nur 2 Minuten feststellte, schlicht nicht nutzbar, schon gar nicht durch mehrere Personen.

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