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Von Nullen und Einsen

Twitter zwischen den Stühlen

Beim viel gehypten Kommunikationsdienst rumort es: Twitter hat zwar inzwischen über 100 Millionen User und ordentlich viel Risikokapital eingesammelt, doch eine vernünftige Monetarisierung soll jetzt erst beginnen. Zudem hat der Web 2.0-Pionier ein akutes Kundenbindungsproblem: Viele Neunutzer verlassen den Dienst schnell wieder, weil sie ihn nicht verstehen. Zu allem Überfluss droht nun noch Ärger mit der bislang loyalen Entwicklergemeinde, schreibt wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

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Ben Schwan

Eigentlich müsste bei Twitter aktuell Freudentaumel angesagt sein. Gerade hat das Unternehmen zu seiner ersten offiziellen Entwicklerkonferenz mit dem niedlichen Namen "Chirp" nach San Francisco eingeladen, auf der der Kommunikationsdienst endlich einmal wieder aktuelle Zahlen nannte. 105 Millionen registrierte Nutzer hat Twitter laut Aussagen von Mitbegründer Biz Stone nun, was einer Wachstumskurve von erstaunlichen 1500 Prozent im Jahr seit Gründung im März 2006 entsprechen soll. 300.000 Neunutzer pro Tag finde man noch immer, zudem sei Twitter sehr international: Nur noch 40 Prozent der User kämen aus Amerika. Mit dieser Aussage kann man den Plauderservice auch schön mit dem geheimen Konkurrenten Facebook vergleichen. Der spricht üblicherweise von 400 Millionen "aktiven Usern" aktuell.

Wie aktiv die Twitterer sind, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Während Menschen, die den Dienst verstanden haben und sich dann ein eigenes Freundesumfeld schaffen, schnell nicht mehr von ihm lassen können, hakt es bei den Neunutzern gewaltig. Die sogenannte Retention Rate, also die Fähigkeit, User nach der Anmeldung zu halten, war noch nie Twitters Stärke. Bereits im letzten Jahr meldete der Statistikspezialist Nielsen, dass bis zu 60 Prozent der Neukunden bereits nach dem ersten Tweet abspringen. Ergo: Es wird sich zwar registriert wie blöde, doch danach wird die Nutzungskurve flach. Meine Theorie dazu ist simpel: Es ist für einen Neuling einfach schwierig zu realisieren, worum es bei Twitter überhaupt geht - und wie man den Dienst am besten nutzt.

 Das kann selbst Netzprofis so gehen: Als ich vor mittlerweile drei Jahren erstmals mit dem Kurznachrichtenservice in Berührung kam, verstand ich erst nicht, wie es sein konnte, dass die Feeds meiner Freunde derart schnell nicht mehr vernünftig über das Twitter-Interface lesbar waren. Sie verschwanden regelrecht im Äther. Erst als ich kapierte, dass es bei dem Service eher um ein Grundrauschen mit manchmal heraufblubbernden Blasen interessanter Informationen geht, ließ er sich vernünftig nutzen. Gleiches gilt für den geradezu narzisstischen Selbstdarstellungsfaktor beim Twittern selbst: Nicht jeder Mensch ist bereit, der halben Welt mitzuteilen, was er oder sie gerade tut. Jedenfalls am Anfang.

Dieses Twitter-Grundproblem lässt sich gut anhand der Twitter.com-Homepage nachvollziehen. In der alten Version erschienen irgendwelche Tweets von Promis ganz oben, ergänzt um eine Suchmaske. Die neue Variante ist deutlich erklärender  und versucht, neue Nutzer besser in den Dienst hineinzuziehen. Hier zeigt sich das klassische Early Adopter-Problem: Twitter ist trotz allem Hype (z.B. im US-Fernsehen) eben noch nicht Mainstream angekommen, sondern erst kurz davor.

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