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Von Nullen und Einsen

Wenn Schrott- statt Software vorinstalliert ist

Vorinstallierte Programme, die den PC ausbremsen, nerven viele Nutzer. Nun landet diese "Crapware" auch auf brandneuen Windows-8-Maschinen.

Neubesitzer von PCs werden seit Jahren von sogenannter Crapware belästigt: Unnötige Programme, Auspropiersoftware und Herstelleranpassungen, die den Rechner ausbremsen. Unter Windows 8 sollte das eigentlich besser werden. Wird es aber nicht, schreibt wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan. Quelle: dapd

Da steht er nun, der brandneue Windows 8-Computer: Die Kombination aus schicker Touchscreen-Kacheloberfläche und renoviertem Desktop ist - man kann es ruhig sagen - sexy, die Verpackung, vulgo: das Gehäuse, sieht ebenfalls sehr nett aus.

Doch nach einem kurzen Stöbern im Betriebssystem fällt auf, dass hier etwas nicht stimmt. Was ist das? Eine Software für das Online-Auktionshaus eBay, das man nie benutzt? Ein Leseprogramm für Amazon-E-Books, die man noch niemals gekauft hat? Ein Werkzeug namens "iCookbook", dabei kocht man doch gar nicht? Ein Virenschutz, den man nicht braucht?

Des Rätsels Lösung: Der Hersteller, in diesem Fall Acer, hat sich in seiner unendlichen Weisheit dazu entschlossen, unerwünschte Zusatzprogramme einzuspielen. Dabei wollte Microsoft mit Windows 8 doch eigentlich aufräumen, einen durchgestylten Look anbieten, ohne einen Bildpunkt zu viel.

Der Name dieser Seuche lautet "Crapware" - Müll-Software. Sie sorgt dafür, dass man weniger Platz auf der Festplatte hat und kann schlimmstenfalls das ganze System ausbremsen. Und sie ist nur deshalb vorhanden, weil PC-Hersteller dadurch etwas mehr Geld verdienen. Das Geschäftsmodell ist simpel: Sind die Programme auf möglichst vielen Maschinen vorinstalliert, finden sie auch schneller viele Nutzer. Dafür gibt's dann Werbegelder und andere Zuschüsse. Dass der Kunde etwas bekommt, das er niemals wollte, ist da offenkundig egal. Und bei Windows 8 dreht sich diese Spirale des Software-Wahnsinns nun munter weiter.

Interessanterweise hat man bei Microsoft selbst das Problem längst erkannt. In den USA werden in den hauseigenen Läden des Softwarekonzerns fast nur Rechner ohne Crapware verkauft - unter dem eigens beworbenen Qualitätssiegel "Signature". Offenbar möchte man, dass die Kunden eine ähnlich positive Computererfahrung machen wie beim Konkurrenten Apple mit dessen Filialen, der seit langem auf Software-Müll fremder Anbieter verzichtet. (Nur Demoversionen ausgerechnet von Microsofts Office wurden vor einigen Jahren einmal mitgeliefert.)

Die größten Spammer
Russische Internetendung Quelle: Virtua73 - Fotolia
Französische Flagge Quelle: dpa
Computermonitor Quelle: REUTERS
Pakistanische Flagge Quelle: daboost - Fotolia
Brasilianische Flagge Quelle: Bracknell - Fotolia
Leute halten eine vietnamesische Flagge hoch Quelle: REUTERS
USA-Flagge färbt eine Tastatur ein Quelle: Karen Roach

PCs, die nicht aus dem Microsoft Store selbst stammen, werden von der Technikerbesatzung der Läden daneben auch gerne nachträglich in einen müllfreien Zustand versetzt. Kostenpunkt für den Aufenthalt am sogenannten Answer Desk: 100 Dollar pro Entrümpelung, Verzeihung, "Tuning". Und was macht der Kunde in Europa? Der kann darauf hoffen, dass die Läden ab 2013 auch zu uns kommen.

Oder man versucht sich selbst an den Aufräumarbeiten. Einfach ist das insbesondere für Otto Normalbenutzer nicht. Zwar beinhalten viele der Demoprogramme oder Light-Versionen die Möglichkeit, über die Systemsteuerung eine Deinstallation einzuleiten. Doch das heißt viel zu oft nicht, dass alle Bestandteile auch wirklich verschwinden. Manches Müllprogramm bringt Komponenten mit, die auch nach dem offiziellen Microsoft-Löschprozess auf der Festplatte bleiben. Dagegen helfen nur spezielle Werkzeuge wie etwa der PC Decrapifier.

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Im schlimmsten Fall wird man die Crapware auch gar nicht mehr los, solange man sein Betriebssystem nicht vollständig neu aufsetzt - und das am besten von einem komplett frischen Windows, weil die beim Rechnern mitgelieferten Datenträger den Dreck möglicherweise gleich enthalten. Das gilt insbesondere für jene Müllprogramme, die der PC-Hersteller selbst mitliefert, heißt er nun Samsung, HP, Toshiba, Sony oder Dell. Spezielle Oberflächen, die der Anbieter für gut hält, Musikprogramme, die schlechter sind als das Windows Media Center, beigelegte Filme, die keinen interessieren - die Liste ist lang. Letztlich hilft dagegen nur, sich beim Hersteller zu beschweren.

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Und es ist nicht so, dass die PC-Produzenten diese Marktlücke nicht erkennen würden. So kündigte HP im vergangenen Frühjahr neue schlanke Ultrabooks an, die extra mit fehlender Crapware angeboten wurden. Noch bringt die Installation unerwünschter Software den Herstellern aber offenbar zu viel Geld.

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