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Wearables, Big Data und Co. Digitale Begriffe sind für Deutsche Neuland

"Weara-What?" "Phablet", "mCommerce"? Nie gehört? Kein Wunder: Einer aktuellen Umfrage zufolge sind digitale Begriffe für die meisten Deutschen noch völliges Neuland.

Das sind die Anglizismen des Jahres
Wenn hier schon stünde, was als Anglizismus des Jahres gewählt wurde, dann wäre das spoilern. Das Ende verraten. Eines Kinofilms oder eines Serienverlaufs. Hier wird jedoch nicht gespoilert und im kommenden Bild folgt der "Anglizismus des Jahres".
Sowohl das Publikum wie auch die Jury waren sich einig auf den ersten drei Plätzen. Gewonnen hat "Refugees Welcome". Als Wortkombination, die Eingang gefunden hat in die deutsche Sprache.
Das betrifft den Körperbau von Vätern. Nicht ganz dick, nicht ganz schlank. Das Männer-Bäuchlein wie in den ersten Monaten einer Schwangerschaft, nur eben angegessen.
Das ist alles schön und gut mit den Anglizismen, aber wer kümmert sich eigentlich um die Situation von Lehrern an deutschen Schulen, die die Aufmerksamkeit für Anglizismen schärfen könnten? Derailing, wie aus der Schiene fahren, heißt es, wenn eine Diskussion auf ein anderes Thema gelenkt wird.
Diese Bildunterschrift (weiblich) müsste - sollte sie gegendert werden - "Diese/r Bildunterschrift" heißen, damit beide Geschlechter gleichberechtigt sind. Wer gendert, möchte die Gleichstellung befördern und Sexismus unterbinden - oftmals eben zum Preis des flüssigen Lesens. Gender heißt im Englischen zunächst mal einfach "Geschlecht".
Mansplaining ist in der ersten Stufe: Ein Mensch weiß weniger als sein Gegenüber, erklärt ihm dennoch, wie etwas funktioniert. Am häufigsten gebraucht wird es für die zweite Stufe: Ein Mann erklärt einer Frau ein Problem, das sie selbst lösen kann. In der Königsklasse erklärt dann der Mann der Frau, was sie als Frau denkt. Seit 2014 im Oxford Dictionary.
Kondom über Smartphone? Mitnichten. Sexting ist zunächst das Versenden intimer Fotos oder Texte per SMS oder Whatsapp oder ähnlichen Messengern. Allein - nicht immer ist der Sender später noch so begeistert, dass die Fotos noch im Netz sind. Safer Sexting sind die verschiedenen Vorkehrungen vom Löschen auf dem Smartphone über Einordnen in einen gesperrten Ordner bis zum Top-Tipp schlechthin eines Seitensprungratgebers: "Überprüfen Sie, ob die Empfänger-Emailadresse auch die richtige ist."

Es war ein denkwürdiger, nicht gerade ruhmreicher Tag für Bundeskanzlerin Angela Merkel, als sie am 19. Juni 2013 im Beisein von US-Präsident Barack Obama den Satz fallen ließ: „Das Internet ist für uns alle Neuland.“ Und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem das Internet seinen 30. Geburtstag feierte. Die Kanzlerin erntete Spott im gesamten Netz – Regierungssprecher Steffen Seibert bemühte sich noch, zu erklären, dass die Kanzlerin das doch ganz anders gemeint habe.

Wie Angela Merkel diesen Satz auch immer gemeint hat: Sie steht offensichtlich nicht alleine da – jedenfalls was die Bekanntheit von digitalen Begriffen angeht. Das Marktforschungsinstitut TNS-Infratest führte jüngst eine Umfrage durch und wollte wissen, ob sich der deutsche Bundesbürger unter den Begriffen „Social Media“, „Big Data“, „Wearables“ oder „Phablet“ etwas Konkretes vorstellen kann. Das Ergebnis: Für die allermeisten sind diese digitalen Begriffe Neuland.

Quelle: Presseinformation TNS Infratest. Quelle: Presse

Am unbekanntesten von allen: die „Wearables“ – also Computertechnologien, die man am Körper tragen kann, wie zum Beispiel Smartwatches oder Datenbrillen. Mit dem Oberbegriff zu diesen Technik-Trends können allerdings gerade mal 13 Prozent der Befragten etwas anfangen. 86 Prozent ist der Begriff gänzlich unbekannt.

Ähnlich steht es um die Begriffe „Big Data“, „Industrie 4.0“ oder „mCommerce“. Mindestens dreiviertel der Befragten kennen die Begriffe nicht, nur ein Bruchteil kann sie inhaltlich beschreiben. Am besten schneidet noch der Begriff „Social Media“ ab. Hierbei gaben nur 36 Prozent der Befragten an, den Begriff nicht zu kennen, knapp zwei Drittel der Befragten kann mit dem Begriff, der soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter beschreibt, etwas anfangen. Aber auch wenn die meisten den Begriff kennen: Ihn auch wirklich beschreiben kann nicht einmal die Hälfte (38 Prozent). Einen Begriff zu kennen, heißt also noch lange nicht, ihn auch verstanden zu haben.

Im Durschnitt können die Deutschen nur zu zwei der insgesamt 14 erfragten Begriffe eine nähere Beschreibung abgeben. Bei den unter 30-Jährigen sind es durchschnittlich vier Begriffe, bei den über 60-Jährigen ist es nicht mal einer. Ob die 61-jährige Angela Merkel bei der Erhebung auch befragt wurde, ist nicht bekannt.

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