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Web 2.0 Vodafone-Werbekampagne sorgt für Ärger im Netz

Vodafone will die "Generation Upload" ansprechen - doch die hadert mit dem Mobilfunkunternehmen. Und mit den bekannten Bloggern, die in einem neuen Werbevideo von Vodafone zu sehen sind.

Der rote Irokesen-Haarschnitt Quelle: dpa

Von der von Scholz & Friends für Vodafone ersonnenen Kampagne "Es ist Deine Welt" ist bisher das Werbevideo "Helden für einen Tag" veröffentlicht worden. In ihm sind auch Blogger wie Sascha Lobo und Ute "Frau Schnutinger" Hamelmann zu sehen. Hamelmann liegt mit Notebook und Baby auf einem begrünten Hochhaus, Lobo singt im Bus und zeigt sein Markenzeichen, den roten Irokesenhaarschnitt.

Die Generation Upload, das sind laut Vodafone-Werbung kreative Menschen, solche die das Internet alltäglich nutzen und es mit ihren Ideen bereichern. Dem steht gegenüber, dass Vodafone kürzlich zwar von der Computerbild als bester DSL-Anbieter gekürt wurde, aber in Deutschland zu den ersten Internetprovidern gehörte, die sich für staatliche Internetsperren aussprachen.

Das wird Vodafone lange nachhängen, denn Internetnutzer wurden trotz ihrer erfolgreichen Bundestagspetition gegen Netzsperren nicht erhört. Durch die Blogospähre ging ein Aufstöhnen, als sich Politiker mit den vordergründig gegen Kinderpornografie gerichteten Sperren durchsetzten. Diese Sperren sind leicht zu umgehen, könnten aber auch für andere Dinge genutzt werden - entsprechende Begehrlichkeiten haben sie bereits geweckt.

Saschae Lobo hofft auf Wandel

Kritisiert wird auch, dass bei Vodafone nicht etwa der Kundendienst bloggt und twittert, sondern das Marketingteam. Social Networks würden damit auch bei Vodafone nur als Werbeinstrument genutzt statt zur echten Kommunikation. Zwar wird aber auf Fragen von Kunden durchaus eingegangen, doch gerade bei unbequemen Fragen etwa zu langen Vertragslaufzeiten nur ausweichend, wie etwa nach einer Onlinekonferenz mit Facebook-Anbindung kritisiert wurde.

Sascha Lobo hat sich in seinem Blog zu seiner Rolle und seinem Verhältnis zu Vodafone selbst befragt und dabei auch Vodafones Unterstützung für Internetsperren kritisch, aber mit Hoffnung auf Umdenken erwähnt. Kritik bekam er trotzdem ab, er lebt jedoch auch damit und davon. Lobo: "Für mich selbst ist das Getöse super, ich ziehe sozusagen Energie aus dem Gegenwind, ungefähr wie ein Windrad."

"Für die Kampagne ist das unbestreitbar große Interesse an Vodafone ein guter Auftakt, um den (beabsichtigten) Dialog herzustellen", schreibt Lobo. Nun müssten Vodafone und Scholz & Friends den Dialog weiter aufbauen und zeigen, dass nicht spurlos an ihnen vorbeigehe, was die Netzgemeinde zu sagen habe. "Ich bin da aber optimistisch."

Hamelmann hat hingegen nicht mit so starker Kritik aus der Blogosphäre gerechnet. Während Lobo mit der öffentlichen Diskussion spielt, wurde sie von den heftigen Anschuldigungen überrascht und hat sich wegen der Anfeindungen nun ganz aus dem Blogger-Dasein verabschiedet. Eine schlaflose Nacht reiche ihr, konstatierte die Comic-Autorin.

Auslöser für die schlaflosen Nächte dürften weniger die eigentlich gegen Vodafone gerichtete Kritik gewesen sein, Hamelmann habe als Quotenmutti herhalten müssen. Vielmehr wurde ihr vorgeworfen, im offiziellen Vodafone-Blog unbeschwert das vom Mobilfunker angebotene Mobiltelefon HTC Magic nebst Tarif zu loben und unkritisch mit Vodafone umzugehen. Gleich die ersten Antworten unter ihrem dortigen "Twittermom"-Beitrag sind wenig schmeichelhaft.

Comic-Autorin zieht sich zurück

"Ich werde vielleicht irgendwann an einer ganz anderen Stelle, ganz anders weitermachen, gewiss werde ich nicht mehr Web 2.0 machen", schreibt Hamelmann am Dienstagmorgen auf Schnutinger.de. Sie wolle nun auch anderweitig ihre Schlüsse und Konsequenzen daraus ziehen, so masochistisch sei sie nicht veranlagt, um sich dauerhaft angreifen zu lassen.

Es gibt jedoch nicht nur Angriffe auf Hamelmann, sondern auch aufmunternde Worte, die Kritik nicht zu persönlich zu nehmen. "Die Vodafone-Kampagne ist schlecht. Aber sie ist vor allem handwerklich schlecht, weil sie etwas versucht, das nicht gehen kann", so der Verfasser des MarketingWelten-Blogs in einem offenen Brief an sie. Die Leute würden zwar angesprochen, aber nicht ernst genommen und sich deshalb verarscht fühlen.

Da jedoch die Verantwortlichen der Kampagne ihre Fehler nicht eingestanden hätten, würden sich die Menschen Opfer wie Hamelmann suchen, die erreichbar sind. Entsprechend richte sich die Kritik an ein Bild aus einem Werbefilm, nicht an Hamelmann, die mit ihrem Blog Seele ins Web bringe. "Und vor allem kritisieren sie nicht die echte Fr. Schnutinger. Denn wenn sie die kennen würden, na, Du weisst schon." Der Rat laute deshalb aussitzen und eine Pause machen, aber nicht aufzugeben.

Schnutinger-Comics gerettet

Am Dienstagabend hat sich Hamelmann dann auf Schnutinger.de mit einem Update gemeldet: "Ich werde irgendwann wohl mal wieder Cartoons im Internet veröffentlichen, aber anders, das heißt nicht mehr in der bisherigen Form. Jetzt ist erstmal Ruhe angesagt. Danke für Eure lieben und aufmunternden Mails, über die ich mich sehr gefreut habe."

Dieser Artikel erschien bei golem.de.

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