Werbeexperte Thomas Koch "Heftig.co ist eine neue Art der Yellow-Press"

Mit mehr als 760.000 Facebook-Fans verschafft sich die Internetseite Heftig.co weiter Aufmerksamkeit - und wird laut Werbeexperte Thomas Koch zum Kandidaten für Online-Reklame.

Wie Heftig, Buzzfeed & Co. auf Leserfang gehen
Die Portale setzen auf emotionale Themen – dafür stehen Überschriften wie „Seine Mama ist an Krebs erkrankt. Also hat er etwas gemacht, das mich unglaublich berührt hat“ oder Doppelt niedlich: Katze streichelt weinendes Baby in den Schlaf. Quelle: REUTERS
Haustiere sind niedlich, aber Katzenbabys sind die Stars des Internets. Unterbewusst wissen wir, dass "Catcontent" peinlich, aber eben auch unglaublich süß ist - und klicken beinahe automatisch auf Geschichten, die mit einem Katzenbaby angepriesen werden. Quelle: AP
Auch Kuriositäten ziehen, etwa „24 Tiere, die Yoga machen“ oder „Er wog 560 Kilogramm: Der schwerste Mann der Welt ist tot“. Geben Sie es zu: An dieser Stelle hätten Sie lieber ein Foto von einem Katzenbaby in einer Yoga-Position gesehen. Quelle: dpa
Was nicht emotional oder skurril ist, berührt häufig den Alltag der Leser. Kostprobe: „ Diese Bilder zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich 200 Kalorien aussehen können“. Zu sehen ist eine Galerie mit Lebensmitteln von Äpfeln bis Gummibärchen. Quelle: dpa
Alle Portale setzen extrem auf klickoptimierte Überschriften. Dahinter verbergen sich indes meist dürre Artikel, in die eine Bildergalerie oder ein Youtube-Video eingebunden ist. Oft sind die Themen nicht aktuell, sondern geistern schon länger durchs Netz. Quelle: Screenshot
Die Portale locken viele Leser über soziale Netzwerke auf ihre Artikel – je häufiger ein Link geteilt wird, desto besser. Dementsprechend sind die Überschriften darauf getrimmt, dass die Nutzer sie gerne weiterverbreiten. Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Koch, können Sie den überraschenden Erfolg von Heftig.co erklären?

Thomas Koch: Den Machern gebührt höchster Respekt – sie haben mit ihrer Seite in kürzester Zeit gleich mehrerlei bewiesen: Erstens kann man in der heutigen Medienwelt erfolgreich sein, auch ohne auf das angeblich allmächtige Google zu setzen und seine Seiten und Überschriften für die Suchmaschine zu optimieren. Und zweitens zeigen die beiden, wie man auch ohne einen großen Medienkonzern im Rücken mit sehr einfachen Mitteln hunderttausende Menschen erreichen kann.

Heftig.co wird nun mit Journalismus verglichen – ist es das denn wirklich?

In mindestens zwei Punkten hat Heftig.co durchaus etwas mit Journalismus gemeinsam: Die Macher wählen aus der Flut der Informationen und Geschichten, die tagtäglich durch das Internet rauschen, Dinge aus, von denen sie annehmen, dass sie damit Leser erreichen. Sie sortieren vor und aus, das machen Journalisten auch, wenn auch nicht ausschließlich aus dem Netz. Und dann bereiten sie diese Inhalte so massenwirksam auf, dass sie damit viele Leute erreichen. Um Politik und Wirtschaft geht es dabei nicht, Heftig.co hat ganz klar das Ziel, Leser kurzweilig zu unterhalten. Aktuell ist daran nichts, es hat aber offenbar für viele Menschen eine eigene Relevanz.

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Welchen etablierten Medien kommt Heftig.co damit in die Quere?

Heftig.co hat eine sehr große, weitgehend unbeackerte Online-Nische entdeckt, die vorher noch niemand wirklich im Blick hatte. Wenn sie auf der Schiene weitermachen, greifen sie etwa etablierte Anbieter wie Bild.de oder auch das Panorama-Ressort bei Spiegel.de frontal an. Die machen eine ganz neue Art der Yellow-Press, die aber im Unterschied zu Bunte, Gala, Closer und Co. ganz ohne Berühmtheiten funktioniert.

Die Zahl der Facebook-Fans von Heftig.co wächst – werden jetzt Unternehmen Werbeflächen auf der Seite kaufen?

Heftig.co ist jetzt schon ein Massenmedium und ein ernsthafter Kandidat für Werbung. Im Prinzip könnten VW, Henkel, Beiersdorf und andere Hersteller von Massenprodukten hier eine ähnliche Kundschaft erreichen wie mit Reklamespots bei RTL. Allerdings müssen die Macher erst einmal nachweisen, dass ihre Seite auch wirklich nachhaltig funktioniert.

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