Werner knallhart
Quelle: imago

Kommt, wir ziehen die Faxkabel aus der Wand!

"Ich schicke es Dir per Fax." Wann haben Sie das zum letzten Mal gehört? Und trotzdem: In fast jeder E-Mail-Signatur, auf fast jeder Visitenkarte steht sie noch: Die Faxnummer. Die kann doch weg. Oder?

E-Mail, WhatsApp, Facebook, Threema, iMessage: Sagen wir mal, Sie bekommen 100 Nachrichten. Wie viele davon erreichen Sie davon per Fax? Null?

Okay, bei 1000 Nachrichten: wie viele per Fax? Tja.

Ich erinnere mich noch genau an die zwei relevanten Faxe meines Lebens. Als wär´s gestern gewesen. Dabei war das Ende des vergangenen Jahrtausends. Und das kam so:

Ich weiß nicht mehr, wo er das alte Ding herhatte, aber eines Tages fragte mich mein Vater, ob ich in meinem Zimmer in der Freiburger Studenten-WG nicht ein Faxgerät haben wollte. Nicht, dass das sinnvoll gewesen wäre. Schon damals galt: Keiner faxt weniger als Studenten. Selbst Marathonläufer und Imker faxten damals wohl mehr.

Aber mein Vater konnte den grauen Kasten selber nicht gebrauchen (meine Eltern hatten schon ein Fax) und zum Wegschmeißen war er irgendwie zu schade.

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Also nahm ich das Faxgerät mit nach Freiburg. In meinem Zimmer hatte ich einen Telefonanschluss. Meine Faxnummer würde also mit meiner Telefonnummer identisch sein. Wollte ich ein Fax empfangen, musste man mich vorher anrufen („Ich fax dir gleich mal was“), dann beendete man das Gespräch, ich stöpselte neugierig um und schon konnte es losgehen.

Faxte man mir etwas ohne Vorwarnung, griff ich zum Hörer und das Faxgerät auf der anderen Seite der Leitung kreischte und piepte mir ins Ohr. Das war sehr unangenehm, kam aber nie vor. Denn wer konnte schon ahnen, dass ich als Student ein Faxgerät unterm Schreibtisch stehen hatte? Die einzigen, die das auf dem Zettel hatten, waren meine Eltern.

Die hatten ihren Spaß: „Achtung, ich fax dir gleich mal was.“ Ich stöpselte um. Es knackte, blinkte, brummte und schon rollte sich ein Stück Thermopapier wie eine breite Karnevalströte vor dem Austrittsschlitz auf. Ratsch! Das automatische Messer schnitt es ab. Die Rolle rollte unter den Tisch, ich kroch ihr hinterher, entrollte das Fax wie eine geheime Schatzkarte und las die offenbar daheim mit Edding verfasste Information:

„Schöne Woche! Mama und Papa.“

Meine Eltern hatten 1997 damit bereits ihren eigenen Kurznachrichtendienst erfunden. Noch bevor die SMS ins Spiel kam. Deshalb war dies mein erstes Fax mit Relevanz.

Das zweite Fax war eine Notlösung. Wieder in meiner Studentenbude. Ich hatte die Prüfungen zu meinem ersten juristischen Staatsexamen absolviert und wartete nun auf den erlösenden Brief aus Stuttgart mit den Ergebnissen. Bestanden oder nicht?

Das Problem: Ich war an der Uni mit meiner Heimatadresse eingeschrieben. Der Brief ging demnach an meine Eltern. Andere hatten ihren Brief schon erhalten. Ich saß also auf glühenden Kohlen. Da klingelte das Telefon. Mein Vater: „Dein Brief ist da. Und jetzt?“

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