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Werner knallhart

"Alexa, mach mich nicht krank!"

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Unfreiwillig persönlich

Wie soll das irgendwann mal werden? Die künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch. Wir müssen ab jetzt schnellstens lernen, unseren Haushaltsgeräten gefühlsmäßig aufgeräumt zu begegnen. Sonst werden wir krank. Und machen uns außerdem lächerlich.

Ich habe mich sogar schon dabei ertappt, dass ich mich für einen verhaspelten Befehl um ein Haar bei meinem Echo entschuldigt hätte. Gerade konnte ich mir noch auf die Zunge beißen. Das in Seattle auf dem Server: Ich könnte vor Scham nie mehr bei Amazon bestellen.

Was, wenn sich die Waschmaschine mit Engelszungen wortreich rausredet, weil sie den Feinstrickpulli gegen unsere ausdrückliche Anweisung doch bei 60 Grad gewaschen und mit 1200 Umdrehungen geschleudert hat? Zurück maulen bringt nichts. Reintreten wird teuer. Gemeinsam zu weinen, wäre auf keinen Fall eine Lösung.

Autokonzerne planen intelligente Kommunikationswelten in Autos einzubauen, dank derer wir uns mit dem Wagen unterhalten können wie mit dem Beifahrer: „Golf, mach bitte mal das Gebläse kühler, mir wird ja bald schlecht hier bei der Hitze. Wie weit ist es eigentlich noch bis Berchtesgaden? Mein Hintern ist schon ganz breit.“

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    Nützlich und absurd: Die Amazon Skills

    Jetzt eine übereilte, unqualifizierte Bemerkung des Gefährts und die Beziehung Mensch-Auto könnte erheblich Schaden nehmen - was bei Anschaffungskosten von 20.000 Euro oder so natürlich ein Schlag für den Halter wäre. Davon ab: Mit Puls 180 fährt es sich nicht sicher. Und auch für den Hersteller wäre ein überwiegend arrogant, dumm oder humorlos wahrgenommenes System ein Marken-Makel. Es spinnt dann eben nicht mehr nur wie heute das Navi - das ganze Auto kommt künftig dann irgendwie als Persönlichkeit doof rüber.

    Wie könnten die Entwickler solcher intelligenten Anwendungen darauf reagieren, dass sich mittlerweile herausstellt: Die Nutzer nehmen die Unzulänglichkeiten der intelligenten Geräte oftmals unfreiwillig persönlich, weil sie nicht eben nicht ausblenden können, dass ihr Gegenüber trotz der lieblichen Stimme und höflichen Wortwahl doch nur ein Haufen Platinen, Kabel und Lötzinn sind?

    Vielleicht sollten sich die Geräte vorerst damit zurückhalten, von sich selber als Personen zu sprechen.

    „Das weiß ich nicht.“

    „Es tut mir leid.“

    „Ich kann zurzeit nicht auf das Internet zugreifen.“

    Das ist anfangs witzig, führt geballt aber irgendwann zu persönlichen Anfeindungen  - ohne Sinn, trotz Verstand.

    Vielleicht wirkt es entzaubernd und beruhigend, wenn es stattdessen heißt:

    „Antwort unbekannt.“

    „Leider.“

    „Zurzeit ist kein Zugriff auf das Internet möglich.“

    Das klingt alles unnahbarer und gestelzter. Und deshalb weniger menschlich. Aber solange die Dinger noch nicht so gut funktionieren, wie man es bei einem Menschen bei vergleichbaren Mainieren und ähnlich gehobener Ausdrucksweise erwarten kann, würde all dies aber sicher deeskalierend wirken.

    Das wird aber niemals so kommen. Wenn die Nutzer ihre Geräte vor Verzweiflung irgendwann im Affekt durchs geschlossene Fenster werfen, steigen auf Dauer schließlich die Verkaufszahlen dank der Neukäufe. Denn der Trend hin zur künstlichen Intelligenz wird sich letztendlich nicht aufhalten lassen. Oder, Alexa?

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