WhatsApp und Facebook Der Protest gegen die Datenübertragung wird lauter

Ein Datenschutzbeauftragter verbietet Facebook, Daten von WhatsApp-Nutzern zu speichern. Auch andere Experten sehen in der Übermittlung einen Verstoß gegen deutsches Gesetz. Doch Facebook stellt sich quer – und will die Anordnung anfechten.

Facebook will Daten deutscher WhatsApp-Nutzer speichern. Quelle: dpa

Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar hat Facebook mit sofortiger Wirkung untersagt, Daten von deutschen WhatsApp-Nutzern zu erheben und zu speichern. Zudem müsse Facebook bereits von WhatsApp übermittelte Daten löschen. Die rund 35 Millionen WhatsApp-Anwender in Deutschland müssten selbst entscheiden können, ob sie eine Verbindung ihres Kontos mit Facebook wünschen, erklärte Caspar.

WhatsApp hatte im August angekündigt, künftig die Telefonnummer des Nutzers an Facebook weiterzugegeben. Außerdem sollen mit der Konzernmutter Informationen darüber geteilt werden, wie häufig der Kurzmitteilungsdienst genutzt wird. WhatsApp-Mitglieder konnten zumindest der Verwendung ihrer Daten für die Personalisierung von Facebook-Werbung und Freunde-Vorschläge widersprechen. Die Telefonnummer wird allerdings in jedem Fall mit Facebook geteilt, wenn man die App weiternutzen will. Dafür müssen die Nutzer nicht einmal bei Facebook angemeldet sein. Deutsche Verbraucherschützer hatten WhatsApp deshalb bereits abgemahnt.

Auch der Kölner Rechtsanwalt für Medien und IT-Recht, Christian Solmecke, sieht in der Weitergabe der Daten einen klaren Verstoß gegen deutsche Datenschutzgesetze. „Für die Übertragung von Daten muss es entweder eine gesetzliche Erlaubnisnorm geben oder eine konkrete Einwilligung des Nutzers im Wege des opt-in-Verfahrens." Heißt: Ein voreingestelltes Häkchen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist rechtswidrig. Der Nutzer muss explizit in die Übertragung einwilligen. Zudem muss WhatsApp die Verbraucher laut Solmecke ganz genau über den Umfang und die Nutzung der Daten informieren. „Beide Bedingungen sind in diesem Fall nicht erfüllt“, sagt der IT-Anwalt.

Was WhatsApp mit Facebook teilen wollte – und was nicht

Schon kurz nach der Übernahme von WhatsApp durch Facebook vor zwei Jahren hatten viele Nutzer befürchtet, dass ihre Daten in Zukunft möglicherweise weitergegeben werden. Damals versicherten beide Seiten noch, dass Informationen der Nutzer nicht miteinander ausgetauscht würden. Vor allem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wurde nicht müde, immer wieder zu betonen, dass beide Unternehmen voneinander unabhängig bleiben würden. „Dass der Datenaustausch nun doch geschieht, ist nicht nur eine Irreführung der Nutzer und der Öffentlichkeit, sondern stellt auch einen Verstoß gegen das nationale Datenschutzrecht dar“, sagt Caspar.

Ob der Vorstoß des Hamburger Datenschutzbeauftragten die Datenübermittlung der beiden IT-Riesen stoppen wird, ist noch ungewiss. „Es bleibt nun abzuwarten, ob die Datenschutzbehörden in diesem Fall überhaupt zuständig sind", sagt Solmecke. Caspar ist zuversichtlich, dass die Hamburger Datenschutzbehörde in diesem Fall zuständig ist. Er argumentiert, Facebook verarbeite Daten in der Hamburger Niederlassung, weil dort das deutschsprachige Werbegeschäft betrieben werde. Deshalb sei nationales Datenschutzrecht anwendbar, wie auch der Europäische Gerichtshof im Juli bestätigt habe. Sollte Facebook die Anordnung ignorieren, will der Datenschutzbeauftragte ein Bußgeld gegen das soziale Netzwerk verhängen.

Das sind die wichtigsten Mobil-Messenger
WhatsAppMit einer Milliarde Nutzern hat WhatsApp SMS und MMS als Kurznachrichtendienste verdrängt. Features für Multimedia-Versand und Gruppenchats sowie eine besonders einfache Handhabung haben den Standard für Messenger gesetzt. Mit End-zu-End-Verschlüsselung wurde den Datenschutzbedenken etwas Wind aus den Segeln genommen. Der geplante Austausch von Metadaten mit Facebook, der erzwungene Upload aller Kontaktdaten und die Befürchtung einer Einführung von Werbung in der App sind Kritikpunkte. Kostenlos für Android und iOS. Registrierung über Telefonnummer. Quelle: PR
Facebook MessengerDer in Facebook integrierte Messenger erreicht alle 1,7 Milliarden aktiven Facebook-Nutzer. Mobil wird eine extra App benötigt, der Messenger wurde aus der Facebook-App ausgegliedert. Eine Verschlüsselungsfunktion ist geplant aber noch nicht freigegeben. Die Verknüpfung der Kommunikationsdaten mit den ohnehin von Facebook gespeicherten Daten soll die Werbe-Personalisierung optimieren. Auch der Facebook-Messenger ermöglicht den Upload aller Kontakte: Facebook verfügt damit auch über Telefonnummern zahlreicher Personen, die selbst nicht bei Facebook oder Whatsapp sind. Kritiker bezeichnen die Smartphone-App als aufgebläht und Energiehungrig. Kostenlos für Android, iOS und PC. Registrierung über Facebook-Account. Quelle: PR
HangoutsGoogle bietet mehrere Messenger-Apps an. Die bedeutendste ist Hangouts. Neben den üblichen Funktionen ermöglicht Hangouts Videokonferenzen. Chatverläufe werden standardmäßig auf Google-Servern gespeichert. Eine Verschlüsselung ist nicht möglich. Kostenlos für Android, iOS und PC. Registrierung über Google-Account. Quelle: dpa
Skype  Der Videotelefonie-Pionier Skype zählt fast zwei Milliarden Nutzer. Es unterstützt Gruppenchats, Video- und Telefonkonferenzen sowie den (kostenpflichtigen) Anruf auf Festnetzanschlüsse. Der Anbieter wurde 2011 von Microsoft gekauft. Kostenlos für Android, iOS und PC. Registrierung direkt bei Skype. Quelle: PR
TelegramDer Kurznachrichtendienst Telegram wurde von den Gründern der russischen Facebook-Alternative vk.com entwickelt, sitzt aber in Berlin. Die App ist quelloffen und bietet sowohl Transportverschlüsselung als auch End-zu-End-Verschlüsselung, die aber als angreifbar gilt. Die Funktionalität entspricht der von Whatsapp: Gruppennachrichten und Multimedia-Versand. Telegram hat über 100 Millionen Nutzer weltweit. Kostenlos für Android, iOS und PC. Die Registrierung erfolgt über die Telefonnummer. Quelle: PR
ThreemaMit 4 Millionen Nutzern ist die schweizer App noch vergleichsweise klein. Als sichere Alternative zu WhatsApp entwickelt, bietet sie die üblichen Funktionen (Gruppenchats, Medienversand). Die End-zu-End-Verschlüsselung ist sicher, zur Identifikation ist keine Telefonnummer nötig. Kontaktdaten werden verschlüsselt übertragen und gespeichert , sie dienen nur dazu, Kontakte bei Threema zu finden. Alternativ kann man diese auch direkt per Code hinzufügen. Einmalig 1,99 Euro für iOS, 2,99 Euro für Android. Quelle: PR
SignalDie Empfehlung von Edward Snowden ist Signal: Als Open-Source-Messenger wacht die digitale Schwarmintelligenz über die Sicherheit. Die Verschlüsselung erfolgt lückenlos. Signal bietet dieselben Funktionen wie WhatsApp, Telegram und Threema, zusätzlich aber auch verschlüsselte Telefonanrufe. Bei der Anmeldung muss die Telefonnummer angegeben werden, darüber können weiterhin Metadaten zugeordnet werden. Die App wird von der Freedom of Press Foundation finanziert. Kostenlos für iOS und Android. Registrierung über die Telefonnummer. Quelle: dpa
WireDer deutsch-schweizer Messenger ist noch sehr jung, bietet aber einen entscheidenden Vorteil: Alle Funktionen in einer App. Kurznachrichten, Telefonate, Videoanrufe, zu zweit oder in Gruppen. Das Ganze sicher verschlüsselt und verfügbar auf allen Plattformen. Skype-Entwickler Janus Friis hat bei der Entwicklung für eine hohe Qualität gesorgt. Auch in Zukunft muss die App nicht "versilbert" werden, das irgendwann erforderliche Einkommen soll durch Profi-Anwendungen eingespielt werden. Gratis für alle Plattformen (keine App für Windows Mobile). Anmeldung bei Wire.

Facebook will die Anordnung des Hamburger Datenschützers anfechten, wie ein Konzernsprecher mitteilt. Der US-Konzern erklärt stets, das europäische Geschäft werde von Irland aus betrieben und deswegen seien die dortigen Datenschützer zuständig. Man sei offen dafür, mit dem Hamburger Datenschützer zu arbeiten, um seine Fragen zu beantworten und Sorgen zu zerstreuen. Solmecke kann sich gut vorstellen, dass Facebook den Informationsaustausch hierzulande durchsetzen wird. "Ich gehe davon aus, dass sich Facebook wieder durch alle Instanzen kämpfen wird."

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Caspar hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach versucht, gegen Facebook vorzugehen. Zuletzt wollte er durchsetzen, dass Facebook auch Anmeldungen unter einem Pseudonym zulässt, scheiterte aber vor dem Verwaltungsgericht Hamburg.

Das Gericht hatte Caspar an die Niederlassung von Facebook in Irland verwiesen, die das soziale Netzwerk in Europa betreibt.

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