Windows 10 Der 2. August wird für Windows 10 zum Härtetest

Microsoft am Scheideweg: Werden die Nutzer weiter zu Windows 10 wechseln, auch wenn sie zahlen müssen? Das Update am 2. August muss die Antwort auf diese und andere Fragen geben. Schon tauchen neue Kritikpunkte auf.

Der Microsoft-Chef hat die Latte für Windows 10 hoch gelegt. Quelle: AP

Windows 10 muss jetzt ganz tapfer sein und mit eigenen Qualitäten überzeugen: Gerade erst hat Microsoft eine Strafe von 10.000 Dollar aufgebrummt bekommen und musste die nervige Upgrade-Werbung umarbeiten, die immer wieder auf dem PC-Bildschirm von Windows 7 und 8-Kunden aufpoppte und zum Umstieg drängte. Wer den roten „X“-Button am oberen rechten Rand der Box drückte, der erreicht nun einfach das, was er eigentlich auch gedacht hat: das kostenlose Update wird abgebrochen.

Bislang wurde es durch den Klick auf „X“ schlicht eingeleitet. Laute Kritik perlte monatelang am Riesen von Redmond ab. Eine Kleinunternehmerin erstritt jedoch tapfer vor Gericht nach einem ungewollten Update hohen Schadenersatz. Ihr Computer war über Tage lahmgelegt und Microsoft war nicht in der Lage, das Problem zu beheben.

Am Montag kam das Urteil ans Licht, und es war kein guter Tag für Windows-Chef Terry Myerson. Doch der soll bald kommen, genau gesagt am 2. August. Dann wird das große Anniversary-Update („Jahrestags-Update“) weltweit kostenlos für PCs und Smartphones bereitstehen. Das bestätigte Myerson gegenüber dem Handelsblatt.

Wie Windows wurde, was es ist

Aber profitieren werden nur existierende Windows-10-Nutzer. Wer dann noch Windows 7 oder 8 hat, muss für den Umstieg bezahlen. Schon am 29. Juli läuft die einjährige Übergangsfrist aus, in der das PC-Betriebssystem kostenlos war. Danach werden zwischen 120 bis 199 Dollar pro Lizenz fällig. Ausnahme: Wer nach dem Stichtag einen Rechner mit Windows 10 neu kauft, kann weiterhin kostenlos upgraden.

Für den Chef der Windows-Sparte wird es ein entscheidender Tag: 350 Millionen Installationen von Windows 10 zählt Microsoft bereits, erklärt er im Gespräch. Im Mai lag der Wert bei 300 Millionen. Doch die Messlatte liegt hoch: Als Ziel hat Microsoft-Chef Satya Nadella ihm eine Milliarde Windows-10-Geräte bis Mitte 2018 vorgegeben. Und Myerson bläst der Wind scharf ins Gesicht: Der PC-Markt schrumpft weiter, Microsofts Windows-Telefone liegen wie Blei in den Regalen, die Surface-Tablets kämpfen sich erfolgreich, aber mühsam gegen Apples iPads voran.

So sieht das neue Windows 10 aus
Microsoft Quelle: dpa Picture-Alliance
Windows 10 Quelle: dpa Picture-Alliance
Windows 10 Quelle: dpa Picture-Alliance
Windows 10 Quelle: REUTERS
Windows 10 Quelle: dpa Picture-Alliance
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Windows 10 Quelle: Presse
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Windows 10 Quelle: dpa Picture-Alliance
Microsoft bringt sein neues Betriebssystem Windows 10 am 29. Juli auf den Markt. Alle Nutzer von Windows 7 und Windows 8.1 könnten ab diesem Tag die Software kostenlos herunterladen, wie Microsoft am Montag mitteilte. Das Gratis-Angebot gelte zwölf Monate lang. Bis zum Ende der unterstützten Lebensdauer des jeweiligen Gerätes lasse sich die Software auf dem neusten Stand halten. Quelle: dpa
Ab sofort könnten Nutzer sich ihr Upgrade auch reservieren (windows.microsoft.com). Mehr als vier Millionen Kunden hätten bis heute an dem Windows-Insider-Programm zum Test von Windows 10 teilgenommen, teilte Microsoft mit. Niemals zuvor habe der Konzern seinen Kunden so frühzeitig einen Ausblick auf eine neue Version seiner Software gegeben. Die ausführliche Beta-Phase sollte die Bedürfnisse und Anregungen der Nutzer bei der Entwicklung mit einbeziehen. Quelle: dpa

Das Update am 2. August muss also dermaßen attraktiv sein, dass es mindestens die bisherigen Installationszahlen aufrechterhält. Doch das verlangt im Endeffekt einen enormen Anstieg der Neuinstallationen. Denn die Altcomputer sind zum Großteil aufgerüstet und 120 Dollar wird nach dem 29. Juli kaum jemand für einen Altrechner ausgeben.

Was sind die großen Vorteile der Jahrestag-Edition? „An erster Stelle würde ich Sicherheit und den neuen Browser Edge nennen“, betont Myerson. Unternehmenskunden schätzten das neue „Windows Defender Advanced Threat Protection“-System, sagt er, das Sicherheitsbedrohungen in Echtzeit analysiert und auf Gefahren reagiert. Schon in der Testphase sei es bei 300 Unternehmen in 70 Ländern mit zusammen 700.000 Arbeitsplätzen im Einsatz. Derzeit liefen bei 96 Prozent aller Microsoft-Unternehmenskunden „aktive Pilotprojekte“ für den Einsatz von Windows 10. Unternehmenskunden sind seine große Hoffnung. Der Altbestand an Windows-XP- und Windows-7-Rechnern muss einfach irgendwann erneuert werden. Sie werden mit den alten Versionen an Bord einfach zu gefährlich.

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