Windows 8.1, 8.2 und 9 Microsofts großes Update-Chaos

Windows 8 ist etwas mehr als ein Jahr alt, Windows 8.1 nur wenige Monate jung. Und schon ist die Rede von weiteren Updates und gar einer neuen Version, die 2015 erscheinen soll. Warum Microsoft so getrieben wird.

Das undatierte Handout zeigt den Startscreen von Windows 8.1. Microsoft hat mit Windows 8.1 mit einigen Problemen des Vorgängers aufgeräumt. Nun sind weitere Updates und neue Versionen geplant. Quelle: Microsoft/dpa Quelle: dpa

Es ist die Geschichte des größten Softwareunternehmens der Welt, das auf einmal der Konkurrenz hinterherhechelt. Microsofts Windows mit den Office-Programmen Word, Excel und Powerpoint galt viele Jahre als nahezu alternativlos – zumindest für den Großteil der Bevölkerung. Wer einfach nur mit seinem PC arbeiten wollte oder musste, installierte ab Anfang der 90er Jahre das Betriebssystem mit der simplen Benutzeroberfläche und Ordnerstruktur. Es war die Zeit, in der Jahr für Jahr mehr und mehr Computer verkauft wurden. Und Microsoft machte mit den Software-Lizenzen ein gigantisches Geschäft. Inzwischen ist klar, dass sich die Cash-Cow "Lizenz-CD" nicht ewig melken lässt. Grund ist der Boom des mobilen Internets und den neuen Geschäftsmodellen anderer Anbieter.

Seitdem Steve Jobs im Januar 2007 das iPhone vorgestellt hat, greifen die Kunden vermehrt zu Smartphones und zu Tablets. Unternehmen wie Apple und Samsung beherrschen statt HP, Intel oder IBM den Markt. Seit zwei Jahren sind die Verkäufe von PCs und Notebooks inzwischen merklich im Sinkflug. 2013 haben die Hersteller klassischer Computer den bisher größten Absatzrückgang aller Zeiten verzeichnen müssen. Um zehn Prozent schrumpfte der Markt, wie die Marktforschungsunternehmen Gartner und IDC berechnet haben. Damit hat der Markt nun das Niveau von 2009 erreicht.

Windows 8 im Test - Schocktherapie für Nutzer
Flotter StartZum Start ein Fisch: Windows 8 startete in unserer virtueller Testumgebung auf einem aktuellen iMac innerhalb des Virtualisierungsprogramms Virtualbox binnen Sekunden. Der Fisch zeigt übrigens an, dass es sich um die Consumer-Vorschau-Variante des kommenden Windows-Systems handelt. Schon in der Beta-Version von Windows 7 kam der Kampffisch (Gattung Betta) zum Einsatz, aus der fertigen Version wird er verschwunden sein. Quelle: Screenshot
Wischen ist angesagt!Dann werden wir von einem schicken Login-Screen begrüßt. Nun gilt es bereits, sich dem neuen Windows-Paradigma zu nähern: Wischen statt klicken! Erst nachdem der Login-Screen mittels Wisch-Geste nach oben verschoben wurde, dürfen wir uns einloggen. Damit ist eine der beiden wichtigsten Gesten eingeführt: Das Wischen zum Scrollen von Inhalten. Die zweite wichtige Geste bei Windows 8 ist das einfach antippen einer Schaltfläche - der Doppelklick hat auf der Metro-Oberfläche ausgedient. Übrigens: Wer bei der Installation dem Wunsch von Microsoft widerspricht, sich einen Microsoft-Account für Windows 8 anzulegen, landet nach dem Start direkt auf der Metro-Oberfläche ohne den Login-Screen. Quelle: Screenshot
Kacheln statt FensterUnd dann das: Bunte große Kacheln statt Fenster. Auf einen Blick wird hier deutlich, warum Microsoft-Chef Steve Ballmer Windows 8 als die bislang “riskanteste Produktwette” von Microsoft bezeichnet. Windows 8 ist der bislang größte Traditionsbruch in der Geschichte des Windows-Systems, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1983 zurückreichen. Windows 8 hat sich von Windows Phone 7 inspirieren lassen, damit es sich genauso mittels Touch-Gesten steuern lässt wie mittels Maus auf dem PC. Anwendungen (“Apps”) und Widgets wie das aktuelle Wetter werden als Kacheln dargestellt. Für jede installierte Anwendung hängt Windows 8 eine weitere Kachel auf dem Startbildschirm an. Vorsortiert wird dabei nicht - die Sortierung übernimmt der Nutzer. Quelle: Screenshot
Anwendungen im Metro-GewandEin Klick auf die Kachel Internet Explorer und wir landen in dem Microsoft-Browser in der Metro-Variante. Bislang gibt es nur eine Handvoll mit Windows 8 ausgelieferte Microsoft-Programme, die in dem Vollbild-Metro-Modus laufen. Unter anderem von Googles Webbrowser Chrome und Mozillas Browser Firefox sind Metro-Varianten angekündigt. Ältere Windows-Software sieht dagegen auch unter Windows 8 so aus wie immer - und lässt sich damit per Touch-Bedienung nach wie vor nicht vernünftig bedienen. Anderseits ist die Bedienung der Metro-Programme mit der Maus äußerst gewöhnungsbedürftig. Nachdem wir eine Webadresse in den Browser eingegeben hatten, ist die Adressleiste plötzlich verschwunden. Erst ein Klick auf den unteren Rand des Fensters bringt sie zurück - und das erst nach einigem Ausprobieren. Alternative: ein Rechtsklick. Quelle: Screenshot
Anfängliche Verzweiflung: Wo geht’s hier raus?Und wie kommen wir nun aus dem Internet Explorer wieder raus? Ein “X” ist nirgendwo zu finden. Die altebekannte Tastenkombination Alt+F4 funktioniert auch nicht. Also schnell gegoogelt. Fazit: Wie bei einem Tablet-Konzept üblich, lassen sich die Metro-Apps gar nicht mehr so einfach beenden. Sie laufen im Hintergrund weiter und werden nur noch ausgeblendet. Und wie blendet man die App nun aus? Bei der Touchbedienung wird von rechts in den Bildschirm gewischt, um die sogenannten Charms - so nennt Microsoft das dann auftauchende Menü - herbeizuzaubern. Doch wie geht das mit der Maus? Erst ein Demonstrationsvideo von Microsoft bringt die Erkenntnis: den Cursor nach ganz unten oder ganz oben links bewegen. Damit werden die Charms rechts (siehe Screenshot) aufgerufen - und damit die Schaltfläche “Start”, um auf die Metro-Oberfläche zurückzukehren. Generell funktioniert mit der Maus vieles anders als mit der Touch-Bedienung - und manches ist auch unnötig verwirrend. Quelle: Screenshot
Zurück zum GewohntenFast wie Windows 7 sieht dagegen der klassische Desktop aus. Zu ihm gelangt der Nutzer jederzeit über den Start-Bildschirm der Metro-Oberfläche. Hier lässt sich auch wie gewohnt das Dateisystem mittels Windows Explorer durchforsten. Auch ansonsten beruhigt den eingefleischten Windows-Fan hier endlich ein gewohnter Anblick: Im unteren Bereich ist immer noch die Taskleiste, in der links die laufenden Programme und rechts Systemicons wie Lautstärkeregler, Warnungen des Wartungscenters und ein Netzwerk-Symbol angezeigt werden. Quelle: Screenshot
Einfach drauf lostippenHaben Sie beim letzten Bild etwas bemerkt? Ganz wie Windows 7 sah der Desktop doch nicht aus. Was fehlt? Genau, der mit Windows 95 eingeführte Windows-Start-Button ist ersatzlos gestrichen worden. In der ersten nur an Entwickler gerichteten Vorschau von Windows 8 war er noch vorhanden. Wie kommt der Anwender nun an seine Programme? Die Antwort ist für alte Windows-Hasen sehr ungewohnt: einfach drauf lostippen. Das funktioniert elegant und superflink - allerdings nur von der Metro-Startfläche aus, nicht vom Desktop. Wie bisher lassen sich Verknüpfungen auf Programme aber auf den Desktop oder in die Taskleiste legen. Zum Start aller anderen Anwendungen führt nun aber kein Weg am Start-Bildschirm der Metro-Oberfläche vorbei. Quelle: Screenshot

Während Betriebssysteme wie Apples OS und iOS sowie Googles Android vom Boom profitieren, gerät Windows trotz insgesamt sehr guter Microsoft-Umsätze ins Hintertreffen. Kein Wunder, dass das Unternehmen unter Noch-Chef Steve Ballmer die Kehrtwende eingeleitet hat. Künftig will Microsoft zum einen stärker auf eigene Hardware setzen – wie das Tablet Surface oder neue Geräte, die mit dem Kauf von Nokias Smartphone-Sparte sicher kommen werden (Details zu konkreten Plänen sind noch nicht bekannt). Zum anderen will das Unternehmen seinen Service – und damit auch seine Software – verbessern und mobil tauglich machen.

Den Anfang machte das viel gescholtene Windows 8 (anfangs für 30 Euro, inzwischen für knapp 120 Euro im Laden erhältlich). Mit dem neuen Betriebssystem wollte Microsoft endlich den Anschluss schaffen. Dafür mussten große Veränderungen her. Kacheloptik ran, Startbutton weg – die treuen Kunden waren irritiert, der Erklärungsbedarf gigantisch. Der Versuch, Touchoptik mit Mouse-Anwendung zu verheiraten, scheiterte. Hersteller und Käufer waren nach dem zum Recht gelobten Windows 7 vom Nachfolger alles andere als begeistert.

Das Betriebssystem wurde bereits im Oktober 2012 an den Start gebracht und ist seitdem eine Dauerbaustelle des Unternehmens aus Redmond. Ein Jahr später legte Microsoft mit dem Update Windows 8.1 nach und versuchte so die schlimmsten Fehler auszubügeln. „Wir haben zugehört“, sagte Steve Ballmer als er das Programm erstmals vorstellte, das Windows 8 aus dem Kinderschuhen helfen soll. Man wolle mit dem Update die konkreten Beschwerden der Kunden aufgreifen und mit einem Gratis-Update aus der Welt schaffen. Und tatsächlich kam mit Windows 8.1 im Oktober 2013 der Startbutton wieder. Doch die vollumfänglichen Funktionen von Windows 7 bekommt der Knopf nicht.

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