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Windows bald kostenlos? Wie Nadella Microsoft umkrempelt

Seit gut neun Monaten lenkt Satya Nadella die Geschicke von Microsoft. Nach langen Jahren der Defensive ändert der Manager die bisherige Strategie – aber statt eine ideologische Offensive zu starten, setzt er auf Kooperation.

Nach langen Jahren der Defensive ändert Microsoft-Chef Satya Nadella die bisherige Strategie. Quelle: dpa

Am Dienstag dieser Woche hatte Satya Nadella seinen ersten Auftritt in Deutschland. Schon seine Person vermittelt den Wandel, den Microsoft unter seiner Führung durchmacht. Trat sein Vorgänger Steve Balmer noch laut als Bulle in die Öffentlichkeit, der auf der Bühne schnaubend hin- und herläuft und die Software aus seinem Unternehmen quasi als allein glücklich machende anpreist, kommt Nadella ruhiger daher, weniger auf Konfrontation aufgelegt. Von Ballmer wird kolportiert, er habe seinen Kindern iPods von Apple und seinen Mitarbeitern iPhones verboten und stattdessen den erfolglosen MP3-Player Zune von Microsoft und Windows Mobile Phones empfohlen.

Der neue Unternehmenschef schließt dagegen auch andere Systeme in seine Strategie ein – ohne dabei seinem Vorgänger an Ehrgeiz nachzustehen: „Wir erfinden Produktivität neu und stellen Lösungen für alle Anwender zur Verfügung – egal welches Gerät sie nutzen und auf welcher Plattform sie unterwegs sind“, sagte er zur Eröffnung einer Entwicklerkonferenz in Berlin.

Wie Windows wurde, was es ist

Microsoft verlässt alte Pfade

Nadellas Offenheit, andere Geräte und Plattformen als die von Microsoft bislang unterstützten in seine Strategie aufzunehmen, hat schon jetzt zu erstaunlichen Kooperationen geführt. So hat Microsoft erst vor wenigen Wochen verkündet, mit Salesforce enger zusammenzuarbeiten – dabei gilt der Marktführer in Kundenmanagementsystemen aus der Cloud in diesem Bereich als der Hauptgegner der Redmonder, die schon seit einigen Jahren mit der Online-Version Dynamics CRM dagegenhalten. Gerade erst gab Microsoft bekannt, Dropbox als beliebten Online-Speicher stärker in sein Office-Paket einzubinden und Kunden so den Datenaustausch zu erleichtern – obwohl Microsoft mit OneDrive selbst ein sehr ähnliches System anbietet. Und nicht zuletzt die Ausweitung von Microsoft Office auf die Plattformen von Apple und Google, auf iOS und Android, als kostenloses Angebot zeigt die neuen Wege, die der neue CEO geht.

Das ist Satya Nadella

Auch bei der nächsten Windows-Version verlässt Microsoft alte Pfade: Nie zuvor hat das Unternehmen eine Vorversion in einem so frühen Stadium veröffentlicht. Die Anwender sollen so früh wie möglich in die Entwicklung einbezogen werden, damit die Weichenstellung für Windows 10 nicht wie beim Vorgänger Windows 8 in die falsche Richtung läuft. Dessen Marktanteil sank laut NetMarketShare von September 2013 bis September 2014 um 1,1 Prozentpunkte auf 12,3 Prozent, während der der Vorgängerversion Windows 7 im selben Zeitraum um 6,1 Prozentpunkte auf 52,7 Prozent stieg.

Touch-Bedienung hat sich bei Unternehmen nicht durchgesetzt

Vor allem Geschäftskunden tragen wohl zu dieser Entwicklung bei. Während der Verbraucher mit einem neuen PC in der Regel Windows 8 kauft, können Unternehmen meist auch ältere Betriebssysteme von Microsoft auf neuen Computern nutzen. Bei ihnen hat sich die Idee, das komplexe Windows-System über eine einfache Touch-Oberfläche bedienen zu können, nicht durchgesetzt.

Eine derartige Fehlentwicklung kann und will Nadella sich nicht leisten. Windows ist nach wie vor die wichtigste Basis für den Erfolg seines Softwarekonzerns. Es läuft auf rund 1,5 Milliarden Computern weltweit. Diese Basis soll verbreitert werden –Windows soll zukünftig in ein und derselben Version auf allen möglichen Geräten laufen, von PC und Notebook über Tablet und Smartphone bis hin zu allen möglichen Geräten, Schaltern und Sensoren mit Internetverbindung, dem sogenannten Internet der Dinge (IoT, Internet of Things).

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