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Wirtschaftswelten 2025 Genies vom Fließband

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Die Technik der Algorithmen greift um sich

Es ist eine Technik, die in den nächsten fünf Jahren in nahezu alle Bereiche unseres Alltags vordringt. Im Büro werden virtuelle Assistenten, etwa als Apps auf unseren Handys, lästige Alltagsarbeiten erledigen: Sie organisieren Termine für Besprechungen (wie etwa der Dienst X.ai), lehnen E-Mail-Anfragen höflich ab (Less.Mail, noch im Teststadium) oder blenden bei Konferenzen passend zum Gesagten ein Dossier aus Wikipedia-Einträgen, Landkarten, Personenprofilen ein (MindMeld).

Beim Einkaufen greifen uns Shopping-Assistenten unter die Arme. Im Supermarkt erklären uns Apps, ob uns ein bestimmter Wein schmecken wird (Next Glass), Mikrofone im Wohnzimmer nehmen Online-Bestellungen an (etwa Amazons neuer Hausbutler Echo), und clevere Online-Assistenten planen anhand unserer Vorlieben komplette Urlaubsreisen (Wayblazer).

Zugleich drängen KI-Systeme in professionelle Bereiche. In Hospitälern wie dem Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York empfiehlt IBMs Watson bereits Krebstherapien – auf Basis von Millionen Seiten Fachtexten und Befunden, die ein Arzt gar nicht gelesen haben kann. Und in Röntgenaufnahmen spüren KI-Systeme Tumore schon zuverlässiger auf als Mediziner.

Denkende Maschinen, totale Vernetzung, smarte Dienste
Internet der DingeDie Verknüpfung aller Gegenstände ermöglicht es, sie über Datennetze zu orten, zu kontrollieren und zu koordinieren Wichtige Anwendungen: Intelligente Steuerung globaler Logistikketten und des Verkehrs; medizinische Ferndiagnosen; Gebäudeautomation; sich selbst optimierende Fabriken Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 207 Milliarden = 4,8 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 4/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 3/4 Quelle: Marcel Stahn
Automatisierung WissensarbeitLernende Softwaresysteme erkennen Zusammenhänge, analysieren Probleme und ziehen daraus Schlussfolgerungen Wichtige Anwendungen: Erledigung von Aufgaben in Büro und Verwaltung; Abwicklung von Dienstleistungen; Erstellung von Entscheidungsvorlagen; medizinische Diagnosen Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 207 Milliarden = 4,8 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 4/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 3/4 Quelle: REUTERS
Fortgeschrittene RobotikRoboter bauen sich selbst, finden sich in der Umwelt zurecht und stellen sich auf den Menschen ein. Wichtige Anwendungen: Industrielle Produktion; Chirurgie; Pflege; vielseitige Helfer im Alltag, etwa beim Putzen oder Rasenmähen Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 175 Milliarden = 4,0 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 3/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 4/4 Quelle: REUTERS
Alternative AntriebeElektro-, Brennstoffzellen- und Wasserstoffantrieb oder Hybridlösungen. Wichtige Anwendungen: Privat und gewerblich genutzte Fahrzeuge; Fuhrparks; Busse; Schiffe und Flugzeuge Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 111 Milliarden = 2,6 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 2/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 4/4 Quelle: dpa
Mobiles InternetSmartphone, Tablet-PC oder Datenbrille verbinden Nutzer jederzeit und überall mit dem Internet Wichtige Anwendungen: E-Commerce; Online-Lernen; Telemedizin, z. B. Überwachung des Gesundheitszustands chronisch Kranker; Mobile Payment; Gastronomietipps Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 91 Milliarden = 2,1 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 2/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 1/4 Quelle: dpa
Big DataAnalyse riesiger Datenmengen, die Sensoren, Rechner, Handys, intelligente Zähler und Autos ständig sammeln und übermitteln Wichtige Anwendungen: Angebot individueller Produkte und Dienstleistungen; Börsenhandel; Marktprognosen; Entdeckung neuer Geschäftsmodelle Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 82 Milliarden = 1,9 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 3/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 2/4 Quelle: obs
Cloud ComputingAus der Datenwolke können Unternehmen und Private via Internet Software, Rechen-, Speicher- und Netzwerkkapazität Wichtige Anwendungen: Programme, IT-Infrastruktur und Internet-Plattformen werden gemietet statt gekauft – bedarfsgerecht und technisch auf dem neuesten Stand Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 73 Milliarden = 1,7 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 3/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 2/4 Quelle: dpa

Die Algorithmen können künftig sogar Herzinfarkte vorhersagen. Das ergab eine Studie der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Die Forscher hatten Daten wie Blutdruck oder Puls von 133.000 Patienten ausgewertet, die im Krankenhaus eine Herzattacke erlitten hatten. Ein elektronisches Pflaster auf der Brust oder am Handgelenk, das kontinuierlich verschiedene Körperwerte misst, könnte so eines Tages Infarkte vorhersagen – und Leben retten.

Auch andere Branchen erreicht die KI-Welle: Das Start-up Kensho, finanziert von der US-Investmentbank Goldman Sachs, will Finanzanalysen erstellen, die besser sind als die von Menschen. Big-Data-Spezialist Sqreem aus Singapur entwickelt ein Programm, mit dem die Schweizer Bank UBS wohlhabende Kunden künftig präziser beraten will.

Algorithmus im Vorstand

Im Mai berief der Wagniskapitalgeber Deep Knowledge Ventures sogar einen Algorithmus namens Vital in den Vorstand. Der soll mitentscheiden, wo das Unternehmen investiert. Kollege Computer ist im Top-Management angekommen.

Spätestens 2020, glauben Experten, wird sich unser Umgang mit Computern radikal verändert haben. Schlaue Sprachassistenten auf dem Handy wie Siri (Apple), Google Now oder Cortana (Microsoft) werden uns sehr viel besser verstehen als heute. Wir werden uns in natürlicher Sprache mit ihnen unterhalten. Googles Produktchef Sundar Pichai träumt von Handys, die alle Gespräche verfolgen und ihrem Besitzer im Nachhinein, vielleicht Jahre später, erzählen, worum es ging.

In fünf Jahren werden wir die Hälfte unserer Internet-Suchen per Bild oder Sprache eingeben, prognostiziert Andrew Ng, KI-Forscher bei Baidu, Chinas Google. Mögliche Szenarien: Wir fotografieren mit dem Handy eine schicke Handtasche – und die App verlinkt auf den Online-Shop, wo es sie zu kaufen gibt.

Handy-Apps wie Shazam sind schon heute in der Lage, Musik aus dem Radio anhand von ein paar Takten korrekt zu erkennen. An einem solchen Shazam für Mode arbeiten nun auch Start-ups wie Code is the new black und Asap54. Oder wir filmen ein Tier im Zoo, und der digitale Tutor beginnt seinen Biologievortrag.

Die Jahre bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts könnten noch eine viel schnellere Entwicklung bringen. Denn Computer für den Schreibtisch nähern sich dann mit großen Schritten der Rechenleistung des menschlichen Gehirns, die Experten auf zehn Billiarden (eine Eins mit 16 Nullen) Rechenoperationen pro Sekunde taxieren.

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