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Wirtschaftswelten 2025 Genies vom Fließband

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Umfassende Umbrüche durch Künstliche Intelligenz

Bis 2023 will das Human Brain Project, ein Milliarden-Euro-Vorhaben der EU unter Leitung des Hirnforschers Henry Markram von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne, unser Denkorgan auf Superrechnern simulieren. Dazu entwickeln die Forscher hirnähnliche Computerchips, virtuelle Körperteile und komplexe, künstliche neuronale Netzwerke.

Sollte das gelingen, wäre der Schritt zu einer Maschinenintelligenz getan, die es halbwegs mit Menschen aufnehmen kann. Manche, wie der Neuroinformatiker Peter Dayan vom University College London, glauben zwar, das Human Brain Project müsse scheitern, weil das Hirn noch kaum verstanden sei.

Doch auch Flugzeuge fliegen, obwohl sie keine Federn haben. Vielleicht reichen schon dem Gehirn nur entfernt ähnelnde Computer, um ihnen heute unvorstellbare Geisteskraft zu verleihen.

Drohnen als Postbote

Extrem schlaue Roboter etwa. Gehen, Greifen, Gucken – das fällt Androiden heute noch so schwer wie Babys. Doch in zehn Jahren könnten die Digital-Diener schon zu Halbstarken herangewachsen sein. Drohnen wiederum könnten dann Hindernisse erkennen, sich an markanten Bäumen oder Häusern orientieren und uns eilige Bestellungen in ein Netz am Balkon werfen.

Armeen von Androiden schrauben in Fabriken Seite an Seite mit Menschen Handys, Autos und Möbel zusammen – und arbeiten vielerorts ganz allein. Wenn die Entwicklung sehr schnell voranschreitet, wird Jibo gar daheim aufräumen, die Spülmaschine bestücken und schmutzige Wäsche in die Waschmaschine bringen.

All diese Dinge tun Roboter in Laboren heute schon; wenn auch im Schildkrötentempo und mit allerlei Missgeschicken. Bessere mechanische Hände, Gelenke und künstliche Haut mit Tausenden Sensoren könnten sie geschickter machen.

Wikipedia für Androiden

Wie er nach Tellern greift oder Flaschen öffnet – kurz: allerlei Wissen über die Welt –, kann sich Jibo bald aus dem Internet laden. Denn all diese Informationen speichern Forscher nun auf zentralen Plattformen namens Robo Brain und Robo Earth – Wikipedia für Androiden. Start-ups wie Affectiva und Beyond Verbal bringen Maschinen derweil bei, Gefühle in Gesichtsausdrücken und Stimmlagen zu erkennen.

Damit läuft alles in zügigem Tempo auf eine Welt hinaus, wie sie der Kinofilm „Her“ beschreibt. Dessen Held hat eine virtuelle Assistentin, mit der er über einen Knopf im Ohr spricht. Bis die Dinge kompliziert werden – weil er sich in sie verliebt.

Die Fiktion lässt erahnen, wie sehr die KI-Revolution die Gesellschaft in der Wirklichkeit umwälzen kann. 2025 schon könnten schlaue Maschinen die Arbeit von 140 Millionen Wissensarbeitern leisten, erwartet die Beratung McKinsey. Etwa Vertriebler, Juristen, Softwareentwickler.

Schon als die Dampfmaschine erfunden wurde, fürchteten die Menschen Massenarbeitslosigkeit – letztlich entstanden genug neue Jobs. Aber da heute geistige Arbeit automatisiert wird, droht das erheblich schwieriger zu werden.

In Arbeit
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Sollte Arbeit immer weniger das Vehikel sein, um am Wohlstand der Gesellschaft teilzuhaben, muss er anders verteilt werden. Etwa per Grundeinkommen für jeden. Die Frage ist, ob erst Aufstände gegen die Maschinen ausbrechen müssen, eh sich solche Modelle durchsetzen.

Und die Umbrüche, die KI auslösen wird, reichen noch weiter. Menschen vergessen Dinge, Roboter nicht. Menschen werden krank, Roboter nicht. Menschen sterben, Roboter nicht. Sie kopieren ihr Wissen auf baugleiche Modelle.

Wir werden versuchen mitzuhalten – vielleicht mit Chips im Gehirn, die uns mit dem Wissen des Internets verbinden, wie Kurzweil vermutet. Die Frage bleibt: Wenn Maschinen so schlau werden wie der Mensch – was bleibt dann als der Kern des Menschlichen? Intensive soziale Interaktion, Kreativität – das, sagen Experten wie Michael Osbourne, werde sich nicht so rasch auf Maschinen übertragen lassen.

Ob das stimmt? Kürzlich hat IBM ein Kochbuch verfasst, mit Rezepten von Computer Watson. Seine Schöpfungen sind sicher ungewöhnlich, auf jeden Fall aber kreativ: „Indische Kurkuma Paella“ etwa, oder „Schweizerisch-Taiwanische Spargel-Quiche“. Den Testköchen, heißt es, hätten die Computer-Kreationen geschmeckt.

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