WLAN-Experimente Freies Internet wird zum Geschäftsmodell

Hamburg, Düsseldorf, Pforzheim, Berlin - in immer mehr Städten in Deutschland können Smartphone- und Tablet-Nutzer in den Innenstädten kostenfrei Surfen. Doch die Angebote haben ihre Grenzen.

Wlan für alle in der Innenstadt, das soll es in Hamburg bald flächendeckend geben. Quelle: dapd

Wer am Hamburger Hafen unterwegs ist, kann ab sofort kostenfrei mit dem Smartphone, Tablet oder Laptop im Internet surfen. Am Freitag startet in der Elbestadt das Pilotprojekt "HotSpot-City" der Telekom. Dafür müssen Nutzer sich nur ein Profil auf der Online-Seite der Telekom anlegen und schon sollen sie lossurfen können. Für mobile Endgeräte gibt es eine App.

Das Unternehmen preist sein Projekt an. Hamburg werde die erste deutsche Stadt, die großflächig mit WLAN-Technologie ausgerüstet werde. Der Hafen sei nur der Anfang. Zunächst wolle man die touristischen Zentren um die Landungsbrücken, den Fischmarkt und die Cruise Terminal Altona ausbauen. Dann sollen die großen Shopping-Meilen Mönckebergstraße, Jungfernstieg und Co. folgen. Erst danach kämen die Bereiche Reeperbahn und St. Pauli hinzu.

Mit dem Angebot baut die Telekom ihr bestehendes Netzwerk aus. 500 einzelne Hotspots haben die Bonner bereits am Flughafen oder in Cafés aufgestellt, über hundert sollen nun noch dazu kommen. Besonders viele von ihnen waren schon im Hamburger Hafen vorhanden. "Hier haben wir die Dichte jetzt noch um mehrere Dutzend weitere HotSpots erhöht", sagt Telekom-Sprecher Makus Jodl. Somit sei nun alle 200 bis 300 Meter eine WLAN-Station eingerichtet. Die Nutzer sollen von einer Sendezone in die nächste gehen können, ohne sich neu einwählen zu müssen. Die Stationen sind aufeinander abgestimmt.

So sind wir im mobilen Internet unterwegs
1. Killer-App Nachrichten Sechs von zehn Smartphone-Besitzern fragen am Handy Nachrichten, Wetterinformationen oder Blogs ab. 40 Prozent nutzen Soziale Netzwerke, 30 Prozent kaufen via Smartphone ein. Nur jeder Zehnte twittert via Telefon. Quelle: dpa
2. Flut durch Bilder Nur jeder fünfte Mobilfunkkunde schaut auf seinem Handy Videos an. Dennoch verursachen diese 20 Prozent aller Nutzer mehr als 50 Prozent des gesamten mobilen Datenverkehrs in Handynetzen. Quelle: AP
3. Europa beim Tempo im Mittelfeld Knapp die Hälfte der aufgerufenen mobilen Internet-Seiten in Europa sind in weniger als 20 Sekunden geladen. Deutlich schneller ist das mobile Web in Asien (nur 41 Prozent der Downloads brauchen mehr als 20 Sekunden), wesentlich langsamer ist es in Nordamerika (69 Prozent benötigen 20 Sekunden und mehr). Quelle: dpa
4. Run auf Android-Apps Besitzer von Android-Smartphones und Tablets laden mit rund 7,5 Megabyte fast eineinhalb mal mehr Daten aus den App-Stores als Mobilfunkkunden mit iOS-Geräten. Quelle: rtr, Montage
5. Aktive Apple-OnlinerDafür nutzen Benutzer von iPhones und iPads die Geräte deutlich intensiver im mobilen Internet. Sie laden mit gut 33 Megabyte (iPad) beziehungsweise 12,9 Megabyte (iPhone) pro Tag zweieinhalb bis gut als dreimal so viele Daten auf ihre Geräte wie Besitzer von Android-Tablets und Smartphones. Quelle: dpa
6. Mobiler Zeitvertreib Die beliebtesten mobilen Smartphone-Spiele sind
7. Spiel mit Worten Mehr als ein Drittel des durch die Top-Fünf-Spiele verursachten Datenvolumens stammt von

Zwei Dinge vergisst die Telekom jedoch bei ihren Ankündigungen zu betonen. Zum einen wird sich das Angebot immer auf den innerstädtischen Raum beschränken. Wer in Poppenbüttel, Harburg oder Blankenese wohnt, wird die Hotspots nicht nutzen können. Sie sind eindeutig für Touristen gemacht, die sich in der Innenstadt über Restaurants, Cafés, Shoppingmöglichkeiten oder einfach den schnellsten Weg von A nach B informieren wollen. Zum anderen ist das Netz nicht unbegrenzt kostenlos. 60 Minuten am Tag können die Nutzer die HotSpots kostenlos nutzen, dann poppt ein Fenster auf, dass den Nutzer fragt, ob er einen Tagespass für 4,95 Euro kaufen möchte.

Die Gratisstunde ist somit nur Kundenwerbung. Die Bonner suchen händeringend nach neuen Einnahmequellen. Die neuen Möglichkeiten des Internets haben dem Konzern etliche Geschäftsmodelle abgegraben. Eines der wichtigsten war lange die SMS. Doch wie wird immer weniger verschickt. Das Londoner Telekommunikations-Beratungsunternehmen Ovum schätzt, dass die europäischen Mobilfunkbetreiber im vergangenen Jahr 17,7 Milliarden Euro durch die Konkurrenz von mobilen Internet-Messengern wie WhatsApp durch die Lappen gegangen sind.

Fakten rund um LTE

Eine weitere wegbröckelnde Geldquelle sind die grenzübergreifenden Roaminggebühren, die unter dem Deckelungsgebot der EU immer weiter schrumpfen. Sie sollen derzeit durchschnittlich noch etwa fünf Prozent des Gesamtumsatzes der über hundert Telekomfirmen in den 28 EU-Staaten ausmachen. Die EU-Kommission will die Gebühren nun sogar ganz abschaffen.

Gleichzeitig wachsen die Investitionen in den Netzausbau. Allein die Telekom will von 2010 bis 2015 insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro in die deutsche Infrastruktur stecken. Vor diesem Hintergrund kann die Telekom ihr flächendeckendes WLAN nicht verschenken. "Sie müssen eine Business-Kette dahinter haben", sagt auch Markus Jodl. Jedes Projekt braucht jemanden, der dafür zahlt. So stünden zum Beispiel hinter den freien WLAN-Spots in Flughäfen in der Regel Kooperationsverträge zwischen Anbieter und Unternehmen, die ihren Kunden den Service bieten möchten.

  • 1
  • 2
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%