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Zuckerbergs Kryptowährung Wird Facebook jetzt die neue EZB?

Facebooks neue Kryptowährung: Eine neue Weltwährung? Quelle: REUTERS

Facebook will eine eigene Kryptowährung für seine Plattformen einführen. Entsteht demnächst eine neue Weltwährung, die Dollar, Euro und Co. Konkurrenz macht?

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass die Krypto-Euphorie-Blase an den Börsen platzte. Ebenso schnell wie die Spekulanten die Kurse von Bitcoin und Co in luftige Höhen katapultiert hatten, wandten sie sich Anfang 2018 von den digitalen Währungen ab. Die Hoffnungen mancher Ökonomen, Kryptowährungen könnten das Geldmonopol der staatlichen Zentralbanken knacken und sich als alternative Währungen etablieren, erhielten einen heftigen Dämpfer.

Nun aber schickt sich einer der ganz großen Player der digitalen Wirtschaft an, eine eigene Kryptowährung in Umlauf zu bringen. Das Soziale Netzwerk Facebook von Mark Zuckerberg will im Laufe dieses Jahres seinen Nutzern eine eigene Währung anbieten, berichtet die New York Times (NYT).

Die Nutzer könnten die Facebook-Währung untereinander für grenzüberschreitende Zahlungen verwenden. Die neue Währung soll im gesamten Facebook-Imperium, zu dem auch der Mitteilungsdienst WhatsApp und die Plattform Instagram gehören, gültig sein.

Derzeit arbeiten nach Angaben der NYT mehr als 50 Software-Experten, abgeschirmt von den übrigen Beschäftigten des Digitalkonzerns, an der neuen Währung. Für die technische Abwicklung der Zahlungen mit der eigenen Kryptowährung will Facebook die Blockchain-Technologie nutzen. Diese ermöglicht Direktzahlungen zwischen Sendern und Empfängern. Die bisher für unbare Zahlungen erforderlichen Clearing-Stellen wie Banken, Kreditkartengesellschaften und andere Zahlungsdienstleister sind dann überflüssig. Zahlungen auf Basis der Blockchain-Technologie werden dezentral erfasst und gespeichert, alle Transaktionen sind daher umfassend und fälschungssicher dokumentiert.

Vor allem die Menschen in den Entwicklungsländern könnten davon profitieren, da sie in ihren Heimatländern zuweilen nur schwer Zugang zu Banken und Bankkonten haben. Die Reichweite der Facebook-Kryptowährung wäre enorm. Sie umfasste mit 2,7 Milliarden Nutzern aller Facebook-Plattformen fast ein Drittel der Menschheit.

Geburtsstunde einer neuen Weltwährung?

Erleben wir also demnächst die Geburtsstunde einer neuen Weltwährung, die Dollar, Euro und Yen das Fürchten lehrt? Und schafft Facebook, woran Bitcoin und Co bisher gescheitert sind, nämlich das Geldmonopol der staatlichen Zentralbanken zu knacken? Wird Facebook gar die neue EZB?

Zweifel sind angebracht. So plant Facebook im Gegensatz zu den Bitcoin-Erzeugern, kein eigenes Geld durch komplexe Algorithmen zu schöpfen. Der Stromverbrauch dafür wäre enorm, die Kosten dürften den Gewinn von Facebook schmälern und die Aktie auf Talfahrt schicken.

Zudem dürfte eine eigene Geldschöpfung den politischen Gegenwind verstärken, der Facebook ohnehin heftig ins Gesicht bläst. Zu den bisherigen Vorwürfen, Facebook sauge ungefragt die Daten seiner Nutzer ab und entziehe sich der Steuerpflicht gesellte sich dann der Vorwurf, das Unternehmen wolle nun auch noch die Geldordnung umstürzen. Das wäre Wasser auf die Mühlen all jener, die das Unternehmen zerschlagen und aufspalten wollen.

Facebook ist sich dieser Gefahren bewusst. Statt den staatlichen Zentralbanken mit einer neu geschöpften Währung Konkurrenz zu machen, will das Unternehmen seine Kryptowährung daher als ein Quasi-Zertifikat auf die etablierten Währungen konzipieren. So soll die neue Facebook-Währung an einen Währungskorb aus Dollar, Euro und anderen Papiergeld-Währungen gekoppelt werden. Denkbar sei auch, so die NYT, dass Facebook seine neue Währung durch Papierwährungen in seinem Besitz deckt. Das würde die Währung stabilisieren und verhindern, dass erratische Kursschwankungen sie zum Spekulationsobjekt machen.

Allerdings: Einen intrinsischen Wert, der sich aus einem nicht-monetären Nutzen ableitet, wie das etwa bei Gold der Fall ist, hätte die Facebook-Währung nicht zu bieten. Sie lebte davon, dass man sie in die etablierten Papierwährungen umtauschen kann. Diese sind gesetzliche Zahlungsmittel, Gläubiger sind daher verpflichtet, sie zur Tilgung von Schulden anzunehmen. Ebendieser Annahmezwang für Euro und Co dürfte verhindern, dass sich die Facebook-Währung als internationales Zahlungsmittel etabliert.

Denn die Anbindung an einen Währungskorb macht die Facebook-Währung relativ stabil. Verglichen mit anderen Papierwährungen wäre sie aus Sicht der Nutzer deshalb das bessere Geld. Dadurch entstünden Anreize, die Facebook-Währung in erster Linie als Vermögensanlage zu verwenden und zu horten. Für die meisten laufenden Zahlungen fänden weiterhin die Papierwährungen Verwendung. Es träte ein, was als Greshamsches Gesetz bekannt ist: Das schlechte Geld (Euro und Co) verdrängt das gute Geld (Facebook-Währung) aus dem Umlauf, wenn für das schlechte Geld ein Annahmezwang zu einem überbewerteten Kurs existiert.

Dem Facebook-Kryptogeld droht mithin das gleiche Schicksal wie den anderen Kryptowährungen. Statt damit zu zahlen, horten die Menschen dieses Geld in der Hoffnung auf künftige Wertzuwächse, zumal es auf für Euro, Yen und Co kaum Zinsen gibt.

Die neue Facebook-Währung mag in den nächsten Monaten mit viel Tam-Tam starten. Eine echte Konkurrenz für Dollar und Co ist sie nicht. Diese entstünde erst, wenn Facebook eigenes Geld schöpfte, es knapp hielte und durch ein werthaltiges Aktivum wie Gold deckte.

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