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Dubioser Anbieter Xcell Schluss mit lebensgefährlicher Stammzelltherapie

Nach einem Todesfall legen die Behörden dem dubiosen Düsseldorfer Unternehmen Xcell Fesseln an.

Als Unternehmer ist Cornelis Kleinbloesem gewieft. Seit knapp einem Jahr reisen Menschen aus aller Welt mit unheilbaren Krankheiten und Eltern mit geistig und körperlich behinderten Kindern zu seinem XCell-Center nach Düsseldorf. Dort erhoffen sie sich Heilung durch eine bis zu 18.500 Euro teure Stammzelltherapie, die er mit seinem Ärzteteam anbietet. Seriöse Stammzellforscher erproben die Wirksamkeit solcher Behandlungen gerade erst in Studien und halten die Erfolgschancen der XCell-Therapie für utopisch.

Jetzt wird Kleinbloesem sein Erfolg zum Verhängnis. Denn von den 3500 Behandlungen, die XCell nach eigenen Angaben durchgeführt haben will, gingen einige gründlich schief: Ein anderthalbjähriger Junge bekam Stammzellen ins Hirn gespritzt, kollabierte und starb Stunden später in der Kinderneurochirurgie des Helios Klinikums Krefeld. „Die Krankenakte ist beschlagnahmt“, bestätigt der Düsseldorfer Staatsanwalt Christoph Kumpa. Schon an Ostern spritzte eine XCell-Ärztin einem zehnjährigen Jungen aus Aserbaidschan Stammzellen ins Gehirn und verursachte dabei Hirnblutungen, die das Kind fast umbrachten. Die Familie klagt inzwischen, die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt (WirtschaftsWoche 16 und 32/2010). Drei weitere Beinahe-Katastrophen sind der WirtschaftsWoche bekannt.

Nach dem Todesfall werden auch die Behörden aktiv, die bisher keine Möglichkeit sahen, einzugreifen, weil Kleinbloesem sich mit seinen dubiosen Stammzelltherapien zumindest bis Ende des Jahres in einer rechtlichen Grauzone bewegt.

Das bundesweit für Stammzellen zuständige Paul-Ehrlich-Institut in Langen erstellte jetzt ein Gutachten, das zumindest die Anwendung im Gehirn als bedenklich und damit als verboten einstuft. Auszüge liegen der WirtschaftsWoche vor: „Der bestimmungsgemäße Gebrauch von Stammzellpräparaten durch die Firma XCell-Center hat nach derzeitigem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse schädliche Wirkungen, die über ein nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft vertretbares Maß erheblich hinausgehen.“ Die Landesbehörden setzten dem Unternehmen eine Frist, sich dazu zu äußern – der erste Schritt auf dem Weg zu einem Verbot der Therapie.

Auf Distanz geht auch das Dominikus-Krankenhaus in Düsseldorf-Heerdt, wo XCell sich für zehn Jahre auf zwei Etagen eingemietet hat: „XCell wollte, dass wir bei der Anästhesie und Intensivbetreuung von Kindern enger zusammenarbeiten, aber das haben wir abgelehnt“, sagt dessen Geschäftsführerin Verena Hölken.

Zu Fragen der WirtschaftsWoche nahm XCell keine Stellung. Doch Kleinbloesem hat reagiert. Die Ärztin, die die Kinder operierte, ist entlassen. Den Behörden gegenüber ließ er erklären, auf die Hirnbehandlung werde verzichtet. Tatsächlich schickten seine Mitarbeiter eine aus Spanien angereiste Familie vor wenigen Tagen wieder nach Hause und erklärten: „Die deutsche Regierung hat die Behandlung verboten.“

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