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Echtzeit-Daten-Analyse Die Cloud dringt in die Ecken vor

Daten sind für Unternehmen bares Geld wert. Damit sie live vor Ort in Echtzeit analysiert werden können, dringt die Cloud inzwischen bis in die letzten Ecken vor. Manche Experten sehen darin die kommende IT-Revolution.

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Ein Arbeiter bei der Bananenernte in Costa Rica - Moderne Software soll zukünftig den Reifungsprozess der Bananen während des Transports optimal steuern Quelle: AP

Unsere Welt stecke voller Daten – und viele davon sind für Unternehmen bares Geld wert. Allerdings müssen die Informationen dafür erst erfasst und ausgewertet werden. Nicht immer eignet sich dafür der klassische Ansatz: Das Sammeln der Daten und das anschließende Auswerten in einem zentralen Rechenzentrum. In manchen Fällen ist dann das sprichwörtliche Kind schon in den Brunnen gefallen, weil dieser Ansatz schlicht zu langsam ist.

Von Bananen und komplexen Echtzeit-Daten
Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Logistik sich um Lebendiges und Verderbliches kümmern muss. Intelligente Container für Bananen testet derzeit die Universität Bremen in einem Modell-Projekt. Die Kontrolle der Container ist zeitkritisch. Beginnen die ersten Früchte damit, ein Reifegas auszuströmen, beginnt schnell ein sich selbst verstärkender Reifeprozess aller Bananen. Reife, Temperatur und Feuchtigkeit der Bananen müssen daher in Echtzeit mit Position und Geschwindigkeit des Schiffes sowie der Nachfrage der Händler im Hafen verglichen werden.

Nur wenn alle diese Daten ständig in Echtzeit überprüft und kombiniert werden, kann beispielsweise der optimale Zeitpunkt für die Zugabe künstlichen Reifegases errechnet werden. Das Ziel: Genau die richtige Menge reifer Bananen sollten zum Lieferzeitpunkt im Hafen ankommen, der Rest wird erst an Land nachgereift, sobald Abnehmer gefunden werden. Das verbessert sowohl Effizienz als auch Ökologie des gesamten Prozesses. Schon auf dem Schiff wird dabei berechnet, welche Daten an den Server auf dem Festland geschickt werden sollen – immerhin ist die Datenübertragung via Satellit teuer.

Die wichtigsten IT-Trends

Complex Event Processing (CEP) lautet der Fachbegriff für diese direkte Verarbeitung von Prozessen an Ort und Stelle. Diese Art der Datenverarbeitung ist nicht nur bei Bananen-Containern sinnvoll. Mögliche Anwendungsfälle sind vielfältig. Schon heute wird CEP-Software beispielsweise zur Live-Analyse von Online-Werbung genutzt. Mit Hilfe von in Echtzeit analysierten Datenströmen finden Online-Werbenetzwerke von Google, Yahoo oder Microsoft heraus, welche Werbung in welchem Umfeld funktioniert – also geklickt wird – und welche nicht. Weitere Anwendungsgebiete sind E-Commerce, Logistik, Netzwerküberwachung und Energiemanagement. Auch dem Betrug per Kreditkarte wird derzeit schon mittels Complex Event Processing nachgespürt. In der Analyse von Finanzdaten wird CEP ohnehin schon lange verwendet.

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    Daten werden „im Fluss“ analysiert

    „Die Daten werden sozusagen im Fluss analysiert und nicht gestaut“, erklärt Experte Marcel Tilly von Microsoft Research das Prinzip. „Sie werden also dort analysiert, wo sie anfallen.“ Der Informatiker forscht als an Microsofts Lösung für das Complex Event Processing, die Software Stream Insight. Die Daten können dabei auch ungeordnet eintreffen. Der Unterschied zum klassischen Ansatz mit Datenbanken: Zeitkritische Prozesse können kontinuierlich und in Echtzeit gesteuert und kontrolliert werden. Komplexe Datenströme werden direkt ausgewertet und kommuniziert.

    Inzwischen werden auf wird CEP-Software auf der ganzen Welt in zahlreichen Szenarien getestet und auch schon eingesetzt. Infineon nutzt die Echtzeit-Daten-Analyse beispielsweise, um in jedem Prozessschritt Daten über die Produktion von Chip-Wafern zu sammeln. Die Muster der erfassten Daten werden auf Unregelmäßigkeiten untersucht. So kann der Chip-Hersteller in jedem Produktionsschritt eingreifen, wenn etwas schief geht. Das frühe Eingreifen spart insbesondere bei teuren Spezial-Chips Geld.

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