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Elektromobilität Deutschlands Autobauer brauchen keine Elektroauto-Subventionen

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Hinzu kommen aber noch Zigmilliarden, die den Autozulieferern zur freien Verfügung zufließen. Bosch etwa hatte Ende 2010 rund 1,5 Milliarden Euro übrig, allein Continental wird von 2010 bis 2013 schätzungsweise vier Milliarden freie Mittel verbuchen. An solchen Summen gemessen, schmelzen die geforderten Subventionen auf weit unter zehn Prozent der Beträge zusammen, die den Unternehmen zur Ausschüttung an die Eigentümer, für Firmenübernahmen oder zur schieren Geldanlage zu Verfügung stehen.

Eigentlich hatte sich Kanzlerin Merkel von ihrer Nationalen Plattform etwas anders erwartet. Alle Spieler, die an der Elektromobilität verdienen wollen, sollten zusammengeschweißt und zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung bewegt werden. Als nötig empfand die Bundesregierung einen solchen Kraftakt, weil die deutsche Autoindustrie beim Elektroauto international seit geraumer Zeit hinterherhinkt und zuletzt nach den USA, Frankreich und Japan nur auf Platz vier rangiert. Das zeigt der Elektroauto-Index Evi, den die WirtschaftsWoche seit gut einem Jahr zusammen mit der Unternehmensberatung McKinsey und WirtschaftsWoche veröffentlicht.

Dank an das Ausland

An erster Stelle muss Deutschland gar kein „Leitmarkt“ für Elektromobilität werden. Die Nationale Plattform verfolgte bei ihren Überlegungen sklavisch das Ziel, Deutschland müsse bis 2020 einer der weltweit größten Absatzmärkte für Elektroautos werden und eine Million Stromer auf den Straßen vorweisen können. Doch der Sinn solcher Vorgaben bleibt im Verborgenen. Sollten jegliche Förderungen ausbleiben, hat Auto-Professor Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach bei Köln berechnet, würden in den kommenden neun Jahren in Deutschland nur 600.000 E-Mobile abgesetzt.

Das wäre aber nicht sonderlich schlimm. Viel wichtiger ist für Deutschland, ob die heimischen Autobauer mit ihren Fahrzeugen weltweit reüssieren. Denn den Großteil des Geschäftes machen sie jenseits der Grenzen. Bliebe ihr Weltmarktanteil in zehn Jahren wie heute, fiele der Verkauf von Elektroautos in Deutschland nicht überragend ins Gewicht, hat Christian Malorny, Autoexperte bei McKinsey, ausgerechnet: „Dann würden 2020 hierzulande rund 250.000 Elektrofahrzeuge für den deutschen Markt und 570.000 E-Fahrzeuge für die ausländischen Märkte produziert werden.“ Fazit: „Da der Schwerpunkt klar auf ausländischen Märkten liegt, wäre eine Absatzförderung in Deutschland kaum sinnvoll. Sie würde keine große Veränderung bei den deutschen Herstellern auslösen.“

Damit wäre es besser für Deutschland, sich steuerliche Kaufanreize zu schenken und sich über staatliche Prämien in Ländern mit einer weniger starken Autoindustrie zu bedanken. „Die Deutschen können sich eigentlich freuen“, sagt Berater Malorny, „dass ihrer exportorientierten Industrie indirekt durch Elektroauto-Subventionen im Ausland geholfen wird.“

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