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Elektromobilität Deutschlands Autobauer brauchen keine Elektroauto-Subventionen

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Purzelnde Preise

Tatsächlich sind die ersten Serien-Elektroautos, die in diesen Monaten auf den Markt kommen, deutlich günstiger als ursprünglich angenommen. „Die noch vor ein paar Monaten von einigen Autobauern prognostizierten Preise für Elektroautos über 40.000 Euro sind längst Makulatur“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. So werde das erste Elektroauto von Mitsu-bishi, der Mitsubishi i-MiEV, in den USA mit einem Preis von 29.500 US-Dollar an den Start gehen, umgerechnet 20.300 Euro. Das sei der Preis eines normalen VW Golf. Bereits „in der ersten Generation der Elektroautos werden Preise realisiert, die im Durchschnitt weniger als 5000 Euro über den vergleichbaren Diesel-Pkws liegen“, sagt Dudenhöffer. „Und die Kosteneinsparungen bei Elektroautos kommen mit den größeren Stückzahlen in der Zukunft noch deutlich in Bewegung.“

Zu den großen Fehleinschätzungen, die vor allem von den Anbietern von Elektrotankstellen und Energiekonzernen verbreitet werden, zählt auch die Annahme, der Durchbruch des Elektroautos komme nur mithilfe einer Lade-Infrastruktur für die Batterien. Die Nationale Plattform will deshalb ein teures Netz von öffentlichen Ladestationen aufziehen. Dabei zeigt ein Großprojekt der Universität Duisburg-Essen, an dem 15 Lehrstühle der Universität und der Autobauer Ford beteiligt sind: Dort, wo das Elektroauto aufgrund seiner geringeren Reichweite zunächst zum Einsatz kommt, im Stadtverkehr, sind keine größeren Infrastrukturmaßnahmen nötig.

„Eine Ladung einer 20-Kilowattstunden-Batterie reicht den Nutzern meist über vier Tage. Das Reichweitenproblem der Batterie existiert bei Stadtverkehren nicht“, sagt Studienleiter Dudenhöffer. Für Ladestationen seien zwei Standard-Typen interessant: Die „Haushaltssteckdose“ am Arbeitsplatz und am Wohnstandort. Zusätzliche teure Ladestationen im öffentlichen Bereich seien nicht notwendig, es genüge der normale Haushaltsstrom mit 230 Volt.

Das Ergebnis der Studie deckt sich mit zahlreichen anderen Pilotprojekten in den vergangenen Monaten, darunter groß angelegte Elektroauto-Tests von BMW in Berlin, München und den USA. „Elektrische Mobilität funktioniert schon heute im Alltag“, so die Erkenntnis bei BMW. „Hürden, die wir vor den Feldversuchen gesehen haben, etwa die eingeschränkte Reichweite, oder dass man ein kostspieliges Netz öffentlicher Ladestationen braucht, erscheinen uns heute unkritisch“, sagt die BMW-Konzernvertreterin in Berlin, Nicola Brüning. „Das Elektroauto wird schneller Normalität werden, als wir dachten.“

Selbst der Energiekonzern E.On, der mit dem Aufbau von Ladestationen viel Geld verdienen könnte, hält ein Netz öffentlicher Ladestationen für „verzichtbar“. Die Leiterin der Konzerninitiative Elektromobilität, Ruth Werhahn, sieht „keinen Bedarf für öffentliche Ladestationen an der Bordsteinkante“. Bei einem Pilotprojekt in München mit elektrisch betriebenen Minis zeigte sich, dass die weitaus meisten Nutzer das Aufladen in der heimischen Garage bevorzugten – obwohl der Strom an den Tanksäulen kostenlos war.

Die Mitglieder der Nationalen Plattform haben inzwischen Spaß gefunden am gemeinsamen Tagen und an Subventions-Erfindungen. Deshalb, so ihr Plan, wollen sie auch nach dem 16. Mai als „Impulsgeber, Berater und Thinktank“ arbeiten. Und dass Plattform-Chef Kagermann weiter die Rolle des „Mr. Elektro“ spielt, gilt intern als abgemacht.  

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