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Emoji-Gestaltung Die große Google-Apple-Burger-Debatte

Wohin gehört der Käse in einem Burger-Emoji: auf das Fleisch oder darunter? Google und Apple handhaben das unterschiedlich, was im Netz zu Streit führt. Google-Chef Pichai will handeln – doch das ist nicht trivial.

Google und Apple: Unterschiede im Burger-Emoji

DüsseldorfBryan Haggerty ist Designer bei Twitter und er erinnert sich daran, dass folgende Frage einige Diskussionen in seinem Team ausgelöst hatte: Wie soll in dem für seine kurze Nachrichten bekannten sozialen Netzwerk das Hamburger-Emoji dargestellt werden?

Am Wochenende hat er das Emoji in seinem Twitter-Profil sogar neben seinen Vornamen gestellt. Der Grund: Rund um den Burger ist im Netz eine heftige Debatte ausgebrochen. Losgetreten hat die Welle der dänische Publizist Thomas Baekdal. Ihm war aufgefallen, dass Apple und Google eine unterschiedliche Darstellung für den Burger wählen: Bei Google ist der Käse unter dem Hackfleisch, bei Apple darüber.

Google-CEO Sundar Pichai stiegt darauf ein und witzelte – ganz old fashioned mit einem Emoticon „:)“ statt einem Emoji – darüber, dass er sich am Montag sofort darum kümmern werde, sollte denn eine einhellige Meinung gefunden werden, wohin der Käse auf einem Burger gehört.

Emojis sind aus der täglichen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. In den 1990er-Jahren waren sie in Japan entstanden. Der Begriff setzt sich aus zwei japanischen Wörtern für Bild und Person zusammen. Die kleinen Icons machen die Kommunikation in Chatdiensten vor allem auf mobilen Geräten schneller, sind anschaulich und eben auch witzig. Spätestens seit der fast universellen Verbreitung von WhatsApp sind sie die bunten Symbole im Alltag von Abermillionen Deutschen verankert.

Die Gestaltung von Emojis ist daher mittlerweile eine ernste Sache. Eine heftige Debatte war etwa darüber entbrannt, dass viele Personenmotive nur mit weißer Hautfarbe beim Chat zur Auswahl standen. Mittlerweile gibt es einen Standard für fünf natürliche Hautfarben – und auch ein recht grelles Gelb steht zur Auswahl, das „Homer Simpson/Smiley“-Gesicht, wie Mark Davis es nennt.

Davis ist Vorsitzender des Emoji-Rats beim Unicode-Konsortium. Die gemeinnützige Organisation legt den Standard nicht nur für reguläre Schriftzeichen fest, sondern eben auch für Emojis. In seinen Präsentationen erklärt er, wie es zu Variationen der Icons kommt. Unicode legt fest, welche Emojis geräte- und softwareübergreifend möglich sein sollen. Die jeweilige Gestaltung in ihren Systemen legen dann die großen Softwarekonzerne fest, ganz wie ein Buchstabe in der Schriftart Arial anders aussieht als in Times New Roman.


Kritik aus den eigenen Reihen

Ein Vorschlagsrecht für neue Emojis hat jeder. So hat eine Amerikanerin die Idee eingereicht, ein neues Schuh-Emoji einzuführen. Ihr Vorwurf: Alle Frauenschuh-Emojis zeigen Schuhe mit hohen Absätzen. Hohe Absätze entsprächen nicht ihrer Lebenswelt.

In die Unicode-Shortlist für künftige Emoji-Ergänzungen hat es der flache Schuh bereits geschafft – genau wie eine Mücke, eine Mango oder auch eine Rolle Klopapier (hier die komplette Liste der Emoji-Kandidaten). Ein Vorstoß von Google liegt noch zur Entscheidung vor: Die Berufs-Emojis sollen nicht mehr vor allem Männern vorbehalten bleiben. Eine Kombination aus Emojis – die Eingabe eines Frauenkopfes, gefolgt von einem Apothekensymbol würde dann das Emoji einer Apothekerin darstellen.

Während bei der Emoji-Debatte um Gleichberechtigung Google vorne liegt, ist der Entwickler des Android-Betriebssystems für Smartphones in der Debatte rund um den Burger im Hintertreffen. Ein Google-Designer kritisiert den eigenen Vorstandschef daher bei Twitter: „Hier liegen wir tatsächlich falsch.“ Schließlich weiß jeder Hobby-Cheeseburger-Griller: Sobald das Patty sich der Fertigstellung nähert, legt man eine Scheibe Käse auf das heiße Fleisch, sodass der Käse schmelzen kann, bevor beides gemeinsam auf ein geröstetes Brötchen gelegt wird.


Und auch Branchengrößen mischen sich in die Debatte ein. So ist etwa auch die Hamburger-Darstellung im Messenger-Chatdienst von Facebook kritisiert worden – und Messenger-Chef David Marcus hat reagiert. Zu wenig Sesam sei auf dem Burgerbrötchen. Marcus hält dagegen: Es handele sich um Mohnsamen – und zumindest der Käse sei doch hervorragend getroffen.

Bislang hat sich der größte Burgerbrater der Welt, McDonald’s, nicht zum Vorgang geäußert. Denn tatsächlich gibt es ein Flaggschiff-Produkt aus dem Unternehmen, bei dem der Käse unter dem Fleisch serviert wird: der Big Mac. Er könnte die Google-Designer also inspiriert haben und sie sich deshalb gegen den Gestaltungs-Mainstream entschieden haben.

Nicht beantworten lässt sich zunächst die Frage, warum sich überhaupt Käse auf dem offiziellen Emoji für Hamburger durchgesetzt hat (hier alle Darstellungen des Hamburger-Emojis im Vergleich). Auf einem klassischen Hamburger ist Käse überhaupt keine Zutat.

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