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Energie Solarindustrie - Kunden sind die Gewinner der Krise

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Deutsche Anbieter, die bis dahin durchhalten, sind für diese zweite Solarwelle gut aufgestellt. Sie können auf ein weltweit einmaliges Branchen-Cluster zurückgreifen: In keinem anderen Land ist die Infrastruktur so weit entwickelt wie hier. Die EuPD-Studie belegt: Auf allen Wertschöpfungsstufen der Solarindustrie gibt es starke Protagonisten. Bei der Siliziumaufbereitung und bei Wafern etwa Wacker Schott Solar, bei Zellen und Modulen Q-Cells, Solarworld oder Ersol, bei der Projektierung von Großanlagen Phoenix Solar und Juwi. Hinzu kommen führende Ausrüster wie Centrotherm und Roth & Rau oder die SMA Solar Technology aus Niestetal bei Kassel, deren Wechselrichter den Solarstrom so umwandeln, dass er ins Stromnetz eingespeist werden kann.

Die Chancen stehen gut, dass einige Anbieter ihre Spitzenstellung mit Innovationen sogar noch ausbauen können. Denn die deutsche Solarbranche ist auch in puncto Forschung führend. Erst jüngst hat das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) bei der vorindustriellen Produktion von Dünnschichtsolarzellen aus Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid mit einem Wirkungsgrad von 19,6 Prozent einen Weltrekord aufgestellt. Die Leistung derartiger Zellen lag bislang bei elf bis zwölf Prozent.

Zudem ist die Branche immer noch mit milliardenschweren Subventionen geschützt: Die Einspeisevergütung von Solarstrom sichert eine relativ stabile Nachfrage – auch in den nächsten Jahren. Denn mit der FDP hat gerade die letzte Partei ihren Widerstand gegen das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), in dem die Vergütung geregelt ist, aufgegeben.

Preisverfall bei Solaranlagen

„Die Substanz der Branche ist in Ordnung, und der Reifegrad des Marktes ist hier deutlich höher als beispielsweise in den USA und China“, sagt Hoehner über die deutsche Solarbranche. Gerade die ostdeutschen Ministerpräsidenten müssten sich trotz der Absatzkrise nicht um ihre Vorzeigeindustrie sorgen.

Im Gegenteil. Viele Hersteller in Ostdeutschland setzen auf eine baldige Erholung des Marktes und investieren. In den vergangenen Wochen feierten Ersol und Solarworld Richtfest für neue Produktionsstätten im thüringischen Arnstadt und im sächsischen Freiberg. Malibu – ein Gemeinschaftsunternehmen des Energiekonzerns E.On und des Fensterbauers Schüco – nahm in der Nähe die Herstellung neuartiger Dünnschichtmodule auf. Und CTS Tandem Solar kündigte den Bau einer Modulfabrik in Chemnitz an.

Auch ausländische Investoren sind von den guten Bedingungen der deutschen Solarindustrie angetan. Bei Erfurt baut Masdar PV, das der Regierung des Öl-Emirats Abu Dhabi gehört, für 142 Millionen Euro eine Fabrik für Hochleistungsmodule, die ihren Betrieb im Herbst aufnehmen soll. Die Erfahrungen aus Deutschland will das Emirat nutzen, um daheim nach dem Erfurter Vorbild eine doppelt so große Fabrik zu errichten.

Den Kunden kann diese Entwicklung ohnehin nur recht sein. Mit dem Preisverfall wird die Produktion von Sonnenstrom immer lohnender: Seit Anfang des Jahres ist der Durchschnittspreis für Solaranlagen etwa auf Einfamilienhäusern von 4250 Euro auf rund 3600 Euro je Kilowatt Leistung gesunken. Nach einer Beispielrechnung von EuPD für den Standort München beträgt die Rendite für eine selbst finanzierte Fünf-Kilowatt-Anlage derzeit mehr als 3,2 Prozent bei einer Amortisationszeit von knapp elf Jahren. Sollte der Anlagenpreis auf 3300 Euro je Kilowatt sinken, würde sich die Rendite auf 3,8 Prozent erhöhen, und der Anschaffungspreis wäre schon nach neun Jahren finanziert.

Auch wenn der Preisverfall sie momentan schwer trifft, hat die Solarbranche den nächsten Boom fest im Blick. Der werde laut Solarworld-Chef Frank Asbeck spätestens im Jahr 2012 beginnen. Dann nämlich sei Solarstrom nicht mehr teurer als herkömmlich erzeugter Haushaltsstrom aus Kohle-, Gas oder Atomkraft. Und dann, hofft Q-Cells-Chef Milner, „verkauft sich Solarstrom von selbst“.

Doch wer als Anbieter davon profitieren will, muss erst noch einige schwere Jahre überleben.

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