Facebook Mark Zuckerbergs große Blaupause

Am Mittwoch beginnt Facebooks Entwicklerkonferenz in San Francisco. Beobachter erwarten tiefere Einblicke wie Zuckerberg sein wachsendes Dienstangebot miteinander vernetzen will.

Facebook CEO Mark Zuckerberg Quelle: REUTERS

Noch nie stand Facebook finanziell so gut da. In diesem Jahr wird ein Umsatzsprung auf 17 Milliarden Dollar erwartet, nach 12 Milliarden Dollar im Vorjahr. Am Dienstag kletterte Facebooks Aktie auf den neuen Höchststand von 85,31 Dollar. Das soziale Netzwerk aus dem Silicon Valley ist nun stolze 238 Milliarden Dollar wert. Intel, Symbol der Prosperität des Silicon Valley in den neunziger Jahren, wird mit rund 100 Millionen Dollar weniger bewertet. Obwohl der Halbleiterhersteller viermal mehr umsetzt.

Facebook in Zahlen

Doch Anleger hoffen, dass in Facebook im Gegensatz zu Intel noch jede Menge Wachstum steckt. Und Gründer Mark Zuckerberg am Mittwoch näher ausführen wird, wie er dieses Potential zu heben gedenkt.
Um zehn Uhr Ortszeit beginnt dann in San Franciscos Fort Mason Facebooks alljährliche Entwicklerkonferenz. Um dem Wachstum Rechnung zu zollen ist nicht nur der neue Veranstaltungsort doppelt so groß. Auch die Konferenz selber, für die noch im Vorjahr ein kurzer Vormittag und ein langer Nachmittag ausreichten, ist nun auf zwei Tage ausgeweitet. Schon deshalb, weil das Facebook-Imperium durch Zukäufe heftig expandiert hat.

Allein im vergangenen Jahr wurden acht Unternehmen zugekauft, darunter die 22 Milliarden Dollar Megaübernahme des Nachrichtensofortversenders WhatsApp und der im Vergleich dazu fast als Schnäppchen erscheinende 2,2 Milliarden Dollar Erwerb von Oculus VR, einem Datenhelmanbieter für Virtuelle Realität.

Facebook kauft auf und macht dicht
Es ist ein klassisches Beuteschema: Facebook übernimmt ein Start-up, das dazugehörige Personal und schließt daraufhin den ursprünglichen Dienst der übernommenen Internetfirma. Neuestes Beispiel: der Bookmark-Dienstleister Spool, der ab sofort unter dem Flagge Facebook weitermacht. Der eigene Dienst wird eingestellt, die Nutzer erhielten die letzte Mail am 14. Juni. Der Fall Spool reiht sich in eine lange Tradition von Facebook-Akquisitonen ein, bei denen das große Social-Network es vor allem auf das Können des Personals abgesehen hat. Von der übernommenen Firma bleibt oft nicht mehr als der Blogeintrag: "Tschüss Leute, wir sind dann mal bei Facebook." Quelle: Screenshot
Im Kampf um die besten Talente reichen Gratisessen und Aktienoptionen nicht immer - in der Folge kaufen sich Facebook & Co. manchmal schlicht die besten Leute samt deren Unternehmen. Ein gutes Beispiel für diese auch "acqui-hire" genannte Praxis: Bret Taylor. Er erhielt sogar den Chefentwicklerposten bei Facebook, nachdem sein Start-up Friendfeed von Facebook für 47 Millionen US-Dollar aufgekauft wurde. Das alles fand 2009 statt. Mit Friendfeed kann der Nutzer alle Aktivitäten seiner Freunde auf diversen Sozialen Netzwerkplattformen verfolgen. Doch Zuckerberg ging es in Wirklichkeit um mehr. "Wir wollten vor allem Bret Taylor an Bord holen", wurde der Facebook-Chef in der New York Times zitiert. Friendfeed ist zwar noch online, doch der Dienst wird nicht mehr aktualisiert oder erweitert. Taylor blieb nach der Übernahme nicht lange bei Facebook. Nach dem jüngsten Börsengang verkündete der Chief Technology Officer prompt, Facebook zu verlassen und seine eigene Firma zu gründen. Quelle: REUTERS
Doch nicht immer geht es nur um das Personal. Auch Teile der Technik dürfte für Zuckerberg interessant sein. So wurde Face.com Mitte Juni 2012 geschlossen. Facebook hatte sich zuvor das israelische Start-up für 60 Millionen Dollar einverleibt. Die Gesicht-Erkennungs-Technologie von Face.com dient Smartphone-Nutzern dazu, auf Facebook Freunde zu markieren. Nun wird die Arbeit an der App eingestellt und vom iTunes-Store genommen. Nutzer können noch bis zum 20. Juli ihre Daten sichern, bis Facebook den Dienst endgültig abschaltet. Wenn Facebook ein Start-up-Unternehmen übernimmt, dann zieht in der Regel das obere Management mit nach Palo Alto in Kalifornien. Die unabhängige Nutzung der Marke erlaubt Facebook nicht. Quelle: Screenshot
Gleiches Schicksal ereilte das israelische Start-up Snaptu. Im März 2011 akquirierte Facebook den Dienst für 70 Millionen US-Dollar, mit dem vor allem normale Handynutzer Zugang zu Social-Networks bekommen. Quelle: Screenshot
Der File-Sharing-Dienst drop.io ging im Oktober 2010 an Facebook. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Der Gründer Sam Lessin arbeitet seitdem als Produkt-Manager bei Facebook. Quelle: Screenshot
Der Lokalisierungsdienst Gowalla stand in direkter Konkurrenz zu Foursquare. Vier Monate Monate nachdem das Start-up aus Texas im Dezember 2011 aufgekauft wurde, gab Gowalla bekannt, dass es seinen Dienst einstellen würde. Quelle: Screenshot
Für zehn Millionen US-Dollar kaufte Facebook das Unternehmen Hot Potato im August 2010 auf. Mit dem Check-in-Dienst können Nutzer angeben, was sie lesen oder was für Musik sie gerade hören. Quelle: Screenshot

Noch ist unklar, wie das alles zusammenpassen soll. Whatsapp konkurriert mit dem Facebook Eigengewächs Messenger. Der Fotodienst Instagram führt weiterhin ein Eigenleben. Und dazu noch virtuelle Realität?
Beobachter erhoffen, dass Zuckerberg am Mittwochvormittag mehr über die Blaupause seines Imperiums enthüllt. Wenn es diese überhaupt gibt oder der Facebook-Gründer einfach nur seine hochbewertete Aktie und seine Barreserven genutzt hat, um potentielle Konkurrenten frühzeitig vom Markt zu kaufen. Und die Eröffnungsrade Indizien liefert, wie er Konkurrenten, die sich nicht erwerben ließen – wie die Kurznachrichtendienste Snapchat und Twitter – im Zaum halten will.


Über folgende Neuheiten wird spekuliert:

  • Ein neues Format zum Einspielen von professionellen Inhalten von Medienunternehmen
  • Neuerungen, um Inhalte besser nach Interessen zu gewichten und aktuelle Video-und Kurznachrichten dazu einzuspielen
  • Eine generalüberholte Plattform für mobile Werbung, über die Facebooks Werbepartner auch Anzeigen auf populären Apps von anderen Unternehmen schalten können
  • Das Ausweiten des Einkaufsprogramms, bei dem Händler ihre Produkte direkt über Facebook verkaufen können
  • Das Öffnen von Facebooks Messenger für externe Entwickler
  • Zusätzliche Telefonierfunktionen innerhalb der Facebook App, beispielsweise durch das Einblenden von Informationen zu den jeweiligen Anrufern
  • Bereits angekündigt ist eine Funktion zum Senden von Geld via Facebooks Messenger, ähnlich dem Snapcash von Snapchat. Auf der Konferenz werden Informationen erwartet, wie Entwickler daran andocken können.
  • Neue Einblicke wie Facebook über Satelliten, Ballons und Dronen weitere Nutzer in bisher unversorgten Gebieten erreichen will
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