Fairphone 2 Innovation im Eigenbau

Es ist eine der ungewöhnlichen Ankündigungen auf der IFA: Die Firma Fairphone wirbt für kein neues Produkt, sondern ein Ersatzteil. Nutzer sollen die neue Kamera selbst in ihr altes Smartphone einbauen können.

„Wenn man das System von innen verändern will, muss man sich an dessen Regeln halten.“ Quelle: dpa

BerlinDie IFA in Berlin ist ein Festival der Neuheiten – die Hersteller zeigen Produkte, die bald schon in den Elektronikgeschäften und Online-Shops angeboten werden. Doch bei einer Firma ist die große Ankündigung kein neues Gerät, sondern ein Ersatzteil: Die Firma Fairphone hat neue Kameramodule vorgestellt, die Nutzer selbst in ihre Mobiltelefone einbauen können.

„Wir wollen Produkte herstellen, die länger halten“, sagte Firmengründer und –chef Bas van Abel am Donnerstag. Das sind ungewöhnliche Töne in der Smartphone-Branche, die jedes Jahr neue Trends ausruft. Doch Fairphone ist auch ein ungewöhnliches Unternehmen: Es hat sich zum Ziel gesetzt, seine Produkte möglichst nachhaltig zu gestalten und unter fairen Arbeitsbedingungen herzustellen. Es gehe um „bewussten Konsum“, betonte van Abel. Ähnlich, wie es bei Lebensmitteln und Kleidung bereits üblich sei.

Mit den neuen Modulen sollen Nutzer das Modell Fairphone 2 aufrüsten können, das seit 2015 auf dem Markt ist. Die Hauptkamera löst nun mit zwölf Megapixel auf und kann Bilder mit einem Doppelblitz ausleuchten. Das Objektiv an der Vorderseite, das etwa bei Selfies zum Einsatz kommt, hat nun eine Auflösung von fünf Megapixel. Zudem soll ein größerer Bildsensor bessere Aufnahmen bei schlechtem Licht ermöglichen. Für beide Module werden zusammen 75 Euro fällig.

Auf dem Papier bietet das Unternehmen damit eine Kameraausstattung, wie sie viele aktuelle Modelle bieten. „Die Kamera ist eine Funktion, die den Nutzern wirklich wichtig ist“, sagte Technikchef Olivier Hebert. Daher sei es wichtig, die Entwicklung der vergangenen Jahre nachzuvollziehen.

Für den Austausch müssen Nutzer nicht ins Geschäft gehen: Das Gerät lässt sich mit einem Schraubenzieher öffnen und ist modular gestaltet. Auch der Akku, bei vielen Smartphones fest verklebt, lässt sich mit einigen Handgriffen austauschen.


Die Widersprüche sind den Fairphone-Machern bewusst

Fairphone will damit die Langlebigkeit der Geräte erhöhen. Das ist Teil einer selbst verschriebenen Mission: Das Unternehmen tritt an, Produkte unter möglichst fairen Arbeitsbedingungen herzustellen, angefangen bei den Rohstoffen. Und es will die Nachhaltigkeit der Branche verbessern, indem es sich für eine längere Nutzungsdauer einsetzt. Der Austausch von Komponenten soll dabei helfen.

Die Widersprüche dieses Ansatzes sind van Abel dabei bewusst: „Wenn man das System von innen verändern will, muss man sich an dessen Regeln halten.“ Dazu gehört beispielsweise, dass Größe Einfluss bedeutet – ob in der Wahrnehmung der Kunden oder bei Verhandlungen mit Zulieferern. Auch als ein Unternehmen, das sich für mehr Nachhaltigkeit einsetzt, müsse Fairphone daher viele Geräte verkaufen, erklärte der Gründer.

Dass Größe eine Rolle spielt, hat van Abel mehrfach selbst erlebt. So musste er das Fairphone 1 vom Markt nehmen, weil es keine Ersatzteile mehr gab – für ein paar Tausend Geräte ist es oft schwierig, einen Produzenten zu gewinnen. Auch bei der Entwicklung der Kameramodule war es nicht so einfach, Partner zu finden.

Fairphone ist in den Niederlanden ansässig, doch Deutschland ist der wichtigste Markt – fast die Hälfte der 135.000 verkauften Geräte hat das Unternehmen hier abgesetzt. „Wenn ich in Berlin in eine Bar gehe, besteht die Chance, dass ich jemanden mit einem Fairphone sehe“, sagte van Abel. Daher sei die IFA eine wichtige Konferenz für den Hersteller, um viele Interessenten zu erreichen.

Gleichzeitig biete die Messe die Chance, Kontakt zu Distributoren und Zuliefern aufzunehmen. Vielleicht gibt es ja bei der nächsten Veranstaltung an mehreren Ständen neben neuen Produkten auch Ersatzteile zu sehen.

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