WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Flugverkehr Ökoflieger vor dem Boom

Seite 2/3

Triebwerke bieten Quelle: dpa/dpaweb

Aber das wird kaum reichen: Denn eine Reihe von Umweltauflagen erhöhen den Preisdruck auf alle Airlines. Zur größten Belastung wird in den nächsten Jahren der Emissionsrechtehandel, bei dem Fluglinien Rechte für den Ausstoß von klimaschädlichen Abgasen erwerben müssen. Daran muss sich ab 2012 jede Fluglinie beteiligen, die in Europa landet. Das dürfte für gewaltige Mehrkosten sorgen, sobald die aktuelle Krise vorbei ist.

Hersteller und Luftfahrtgesellschaften können sich aus dem Dilemma höherer Treibstoffpreise und schärferen Öko-Auflagen nur auf zwei Wegen befreien:

Bessere Technik: Leichtbau, sparsamere Triebwerke, strömungsgünstigere Tragflächen sowie direktere Flugrouten können den Kerosinverbrauch dramatisch senken.Öko-Sprit: Die Kosten für Emissionszertifikate können Fluglinien durch mehr alternative Treibstoffe aus Pflanzen drücken.

Triebwerke bieten mittelfristig das größte Sparpotenzial. „Hier gab es in den vergangenen Jahren gewaltige Fortschritte“, sagt Heinrich Großbongardt, Hamburger Luftfahrtexperte. Das Ulmer Forschungsinstitut PMI Media erwartet in den nächsten zehn Jahren eine Verbesserung im Verbrauch um bis zu 20 Prozent – verglichen mit denen der sparsamen Boeing 787.

Zwei der vielversprechendsten Antriebstechniken sind bereits im Testbetrieb. Zum Beispiel das neue Düsentriebwerk Geared Turbofan (GTF) des US- Triebwerkherstellers Pratt & Whitney. Hier verbinden die Ingenieure die vorne liegenden Fan genannten Triebwerksschaufeln durch ein Getriebe mit dem hinteren Teil der Brennkammer. Dadurch müssen beide nicht mehr mit der gleichen Geschwindigkeit drehen, sondern können in einem für sie optimalen Drehzahlbereich arbeiten – der Fan langsam, die Turbine schnell. Das erhöht den Wirkungsgrad.

Öko-Flieger sind deutlich leiser

Mitsubishi und Bombardier haben das fliegende Getriebe als Erste bestellt. Den Start macht vermutlich die C-Serie von Bombardier, die ab 2012 an die Lufthansa ausgeliefert wird. „Er ist um die Hälfte leiser und verbraucht 15 Prozent weniger Treibstoff“, sagt Motoren-Experte Anton Binder von der MTU in München, die an der Entwicklung beteiligt ist.

Pratt & Whitney und Bombardier wollen zudem dem Propeller zu einer Renaissance verhelfen. Turbo-Prop-Maschinen fliegen zwar günstiger, sind aber bei Passagieren unbeliebt, weil sie in der Kabine lauter sind und langsamer vorankommen als Jets.

Vorbei: Die neuen Hochleistungs-Turbo-Props von Bombardier sind dank technischer Verbesserungen deutlich leiser und nur noch rund 20 Prozent langsamer als Jets. Zudem verbrauchen sie bis zu einem Fünftel weniger Kerosin. „Und das ist erst der Anfang“, verspricht Bombardier-Chef Pierre Beaudouin. Mit ihren säbelzahnartigen Luftschrauben sollen die Propellermaschinen der Zukunft mit fast 800 Stundenkilometern nur noch wenig langsamer sein als Flugzeuge mit Luftstrahlturbinen.

Noch einen Schritt weiter geht der Triebwerkshersteller Rolls-Royce mit seinen Partnern: Sie wollen das Beste aus zwei Welten vereinen und nennen ihre Technik Propfan. Ihre Idee: ein Hybrid aus Propeller- und Düsentriebwerk. Propfan-Antriebe sind noch effizienter als Propeller und herkömmliche Strahlentriebwerke.

Das hat aber noch heftige Nebenwirkungen: Weil sie im Gegensatz zum Düsenjet keine Hülle um das Triebwerk, sondern offene Rotorblätter haben, sind Propfan-Flieger viel lauter als Jets. „Kein Anwohner eines Flughafens verzichtet auf seine Nachtruhe, nur damit die Polkappen langsamer schmelzen“, sagt Großbongardt. Außerdem sind die Triebwerke wegen der gigantischen Schaufeln deutlich größer als herkömmliche Triebwerke, sodass sie erst an einen völlig neu konstruierten Flieger passen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%