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50 Jahre Apollo-Programm Deutsche Wertarbeit am Zoll vorbei zum Mond

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Unverzichtbare Forschungsergebnisse

Astronaut Buzz Aldrin war schon eine Stunde und 55 Minuten auf dem Mond spaziert, als er den Retroreflektor mit den Prismen aus Hanau im Sand vor ihm ablegte, ein paar Dutzend Schritte von der Landefähre entfernt. „Der Laserreflektor ist (Pause) installiert”, funkte er nach Houston, „und die Ausrichtung scheint gut zu sein.” Seitdem liegt das Gerät am selben Platz und tut seinen Dienst – bis heute.

Forscher am McDonald-Observatorium in Texas schickten Tage später Laserimpulse zu der Landestelle und maßen die Zeit, die das Licht brauchte, bis es zurückkehrte. Auf dem Mond ist der Laserstrahl zwar schon mehrere Kilometer breit gestreut. Aber den Reflektor auf dem Mond zu treffen, ist vergleichbar mit dem Versuch mit einem Gewehr eine Münze in 3,2 Kilometer Entfernung abzuschießen, sagen Experten.

Mit den Daten messen Forscher bis heute, wie weit der Mond entfernt ist – es ist eine der genauesten Distanzmessungen, die jemals unternommen wurde. Sie lernten unter anderem, dass der Mond sich stetig von der Erde wegbewegt und dass der Mondorbit genauso verläuft, wie Albert Einsteins Theorien sie vorhersagen. Auch Bewegungen der Erdkruste konnten die Forscher mit der Methode vermessen. Und schließlich diente das Messprinzip als Vorbild für die Navigation mit Hilfe von GPS-Satelliten, deren Ort im All mit Hilfe von Retroreflektoren exakt bestimmt wird.

Es vergingen damals Wochen bis auch Ingenieur Hitzschke erfuhr, dass er einen Anteil an der Apollo-Mission hatte. „Meine Freunde staunten, dass ich die Prismen in der Hand hatte, die nun auf dem Mond waren”, erzählt er. Noch heute, mit 81 Jahren, redet er bei dem Gedanken schneller vor Begeisterung.

Hitzschke ist in Rente, aber Heraeus arbeitet heute noch für die Raumfahrt. High-Tech aus Hanau ist an Bord der europäischen Raumsonde Gaia, die die bisher umfangreichste Karte der Milchstraße zeichnet. Auch für den Gravitationswellendetektor Lisa, den die Europäische Weltraumorganisation Esa ins All schicken will, soll Heraeus Technik liefern.

Dass die Nasa 2024 wieder Astronauten zum Mond schicken möchte, findet Ingenieur Hitzschke richtig. „Wir können bei Wissenschaft und Technik nicht einfach sagen: Wir hören auf”, sagt er. „Wir müssen weiter machen, weil wir so vieles noch nicht kennen.” Der Retroreflektor auf dem Mond macht schließlich auch weiter – auch 50 Jahre nach der Landung von Apollo 11.

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