Ab 2017 USA steigen wieder in die bemannte Raumfahrt ein

Seit rund drei Jahren sind die USA auf Russland angewiesen, wenn sie Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS bringen wollen. Doch damit ist 2017 Schluss. Zwei US-Firmen sollen eigene Transporter entwickeln.

Die fliegende Untertasse der Nasa
Mars, wir kommen: Die Nasa testet ein neues Forschungsgerät. Der "Low Density Supersonic Decelerator", kurz LDSD, erinnert stark an ein UFO aus einem Science-Fiction-Streifen. Quelle: AP
Bei dem Gerät handelt es sich um eine Art Riesen-Fallschirm, der eine Landung auf dem Mars ermöglichen soll. Quelle: AP
Die Fliegende Untertasse soll mit einer Rakete angetrieben werden und am 14. Juni zu einem ersten Test von Hawaii aus starten. Mit dem Gerät sollen größere Lasten auf den Roten Planeten transportiert werden können. Quelle: AP
Hier wird der LDSD verladen. Eigentlich sollte der Test schon am 11. Juni starten, er musste aber wegen schlechten Wetters verschoben werden. Quelle: AP
Die Fliegende Untertasse hängt an einem Kran. Das Testgebiet ist die Erdatmosphäre. Ein Ballon soll den Super-Fallschirm zunächst 37 Kilometer über den Pazifik befördern. Auf der Höhe angekommen wird er abgekoppelt, eingebaute Raketendüsen sollen ihn dann mit einer Geschwindigkeit von Mach 4 auf eine Höhe von 55 Kilometern über der Erde tragen. Dies entspricht etwa den Umständen in der dünnen Marsatmosphäre. Quelle: AP
Wenn das Gerät anschließend zur Erde herabfällt, soll der 33,5 Meter breite Fallschirm aufgehen, den Fall bremsen und eine weiche Landung im Pazifik ermöglichen. Bislang nutzt die Nasa kleinere Fallschirme für ihre Landemanöver von Fluggeräten auf dem Mars. Doch für eine sichere Landung von Menschen oder schweren Geräten ist ein deutlich größerer Schirm notwendig. Quelle: AP

Die USA steigen ab 2017 wieder in die bemannte Raumfahrt ein. Die amerikanischen Firmen Boeing und SpaceX seien damit beauftragt worden, Transporter für Astronauten zu entwickeln, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Dienstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz am Weltraumbahnhof Cape Canaveral mit. Damit will die Nasa ab 2017 Astronauten wieder selbst zur Internationalen Raumstation bringen und so die Abhängigkeit von russischen Sojus-Kapseln beenden. Es werde das „aufregendste und ehrgeizigste Kapitel in der Geschichte der Nasa und der bemannten Raumfahrt“, kündigte Nasa-Direktor Charles Bolden an.

Der Vertrag mit Boeing und SpaceX hat ein Volumen von 6,8 Milliarden Dollar (etwa 5,2 Milliarden Euro) - davon 4,2 Milliarden für den traditionsreichen Flugzeug-Giganten Boeing und 2,6 Milliarden für die erst 2002 gegründete Raumfahrt-Firma SpaceX. Beide Unternehmen, mit denen die Nasa bereits zusammenarbeitet, sind zunächst für zwei bis sechs Flüge beauftragt worden. Die Entscheidung sei „ein wichtiger Schritt auf einem Weg, der uns zu den Sternen bringen wird“, sagte SpaceX-Chef Elon Musk. Boeing teilte mit, man fühle sich sehr geehrt.

Katastrophen in der bemannten Raumfahrt

An den Transportern arbeiten die Unternehmen bereits. Der von Boeing nennt sich „CST-100“, der von SpaceX „Dragon“. Vom Design her gleichen sie eher den Kapseln der Apollo-Missionen der 60er und 70er Jahre als den darauf folgenden Space Shuttles. SpaceX liefert für die Nasa mit einer anderen Version des „Dragon“-Transporters bereits seit 2012 Nachschub, Ausrüstung und Verpflegung an die Astronauten der ISS, kann aber bislang keine Menschen transportieren. Auch die US-Firma Orbital Sciences transportiert Ausrüstung zur ISS, hatte jedoch kein Interesse an der Ausweitung ihres Angebots auf den Transport von Astronauten gezeigt.

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Ihre eigene Shuttle-Flotte hatte die Nasa 2011 vor allem aus Kostengründen ausgemustert. Seitdem sind die USA auf die Mitnahme ihrer Astronauten in russischen Sojus-Kapseln angewiesen, um zur ISS zu gelangen. Pro Reise zahlt die Nasa dafür allerdings umgerechnet rund 50 Millionen Euro - was bei der Behörde schon lange für Unmut sorgt. Vor allem seitdem die Nasa angesichts der Ukraine-Politik des Kreml einen Teil ihrer Zusammenarbeit mit Russland demonstrativ eingestellt hat, gilt das Verhältnis als angespannt. „Die bedeutendste Nation der Welt sollte bei der Raumfahrt nicht auf irgendein anderes Land angewiesen sein“, sagte Nasa-Chef Bolden. Seine Behörde arbeitet derzeit zudem auch selbst an einem neuen Transportfrachter für Astronauten, dem sogenannten „Orion“. Der soll eines Tages Menschen zum Mars bringen - und die Auslagerung der ISS-Transporte könne dabei helfen, sagte Bolden. „Die Vergabe dieses Transports an private Firmen erlaubt der Nasa sich auf eine noch ehrgeizigere Mission zu konzentrieren - Menschen zum Mars zu schicken.“

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